1. tz
  2. Bayern

"Der braune Spuk in Wunsiedel hat ein Ende"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Die Bildkombo zeigt das Grab von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß (1894-1987) auf dem Friedhof in Wunsiedel (Oberfranken) vor und nach der Auflösung © dpa

Wunsiedel - 24 Jahre nach Rudolf Heß' Tod ist es nun aufgelöst worden. Wo früher das Grab war, bleibt nur ein brauner Flecken Erde zurück.

Lesen Sie auch:

Grab von Hitlers Stellvertreter aufgelöst

Mehr als zwei Jahrzehnte lang war das Grab von Adolf Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß in Wunsiedel ein Wallfahrtsort für Rechtsradikale. 24 Jahre nach seinem Tod ist es nun aufgelöst worden. Wo früher das Grab war, bleibt nur ein brauner Flecken Erde zurück.

„Der Leichnam ist in Abstimmung mit seiner Familie ausgegraben worden“, so Kirchenvorstand Peter Seißer über die Aktion vom frühen Mittwochmorgen, dem 20. Juli – und damit auf den Tag genau 67 Jahre nach dem gescheiterten Hitler-Attentat. Nun sollen die sterblichen Überreste von Rudolf Heß verbrannt und die Asche auf hoher See verstreut werden. Seißer: „Damit soll verhindert werden, dass nach Wunsiedel ein neuer Wallfahrtsort für die Ewiggestrigen entsteht.“

Die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hat die Auflassung des Grabes von Wunsiedel begrüßt. „Damit haben die Neonazis eine zentrale Pilgerstätte verloren“, sagte die Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. „Ich freue mich, dass der braune Spuk in Wunsiedel endlich ein Ende hat“, so Knobloch weiter über die regelmäßigen Demonstrationen von Rechtsextremisten.

Heß hatte 1987 im Alter von 93 Jahren im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis Selbstmord begangen. Auf eigenen Wunsch wurde er im Grab seiner Eltern in Wunsiedel beigesetzt. Schon kurz nach seinem Tod kam es aber zu ersten Demonstrationen mehrerer Hundert Rechtsradikaler in der Stadt im Fichtelgebirge.

Der Kirchenvorstand hatte die Grabrechte nun nicht mehr verlängert. Eigentlich wären sie sogar bereits im Jahr 2007 ausgelaufen. Da zwischenzeitlich jedoch auch die Urne der Witwe von Heß in das Familiengrab kam, wäre die Frist erst im Oktober dieses Jahres ausgelaufen.

Die Familie habe zwar eine Fristverlängerung der Grabrechte beantragt, der Kirchenvorstand habe diesem Antrag jedoch nicht entsprochen. Schließlich habe die Familie diese Entscheidung akzeptiert und selbst den Wunsch geäußert, dass das Grab von Rudolf Heß auf dem Friedhof von Wunsiedel nicht länger Schauplatz von Neonazi-Aktionen ist.

Seit Heß’ Beisetzung marschierten sie regelmäßig durch die Stadt. Proteste gegen die Neonazis lockten zunehmend auch autonome Gruppen an. Nach Ausschreitungen wurden die Märsche und Kundgebungen in Wunsiedel 1991 erstmals verboten. Rechtsradikale und gewaltbereite linke Gruppen wichen auf andere Städte aus. Nach einer Lockerung des Gesetzes war Wunsiedel von 2001 bis 2004 erneut Schauplatz von Heß-Gedenkmärschen. Seit 2005 konnte die Stadt nach einer erneuten Gesetzesänderung die Aufmärsche wieder leichter verbieten.

tz

Nazi-Größen: Was aus ihnen nach ihrem Tod wurde

Rudolf Heß soll nun zur See bestattet werden. Damit gibt es auch keinen Wallfahrtsort mehr für Neonazis. Ein nasses Grab bekamen auch weitere Nazi-Größen, wie etwa:

Hermann Göring. Dessen Leichnam wurde verbrannt, die Asche in einen Seitenarm der Isar gestreut.

Das Gleiche passierte auch mit Alfred Jodl. Der General der Wehrmacht wurde nach den Nürnberger Prozessen gehängt. Sein Leichnam wurde unter dem Tarnnamen „Archibold K. Struthers“ eingeäschert. Auch Jodls Asche wurde in die Isar gestreut. Auf der Fraueninsel im Chiemsee gibt es zwar ein Jodl-Grab, seine Gebeine liegen aber nicht darin.

Karl Dönitz, der letzte Offizier im Generalfeldmarschallsrang starb im Alter von 89 Jahren und wurde auf dem Waldfriedhof von Aumühle-Wohltorf (Schleswig-Holstein) beerdigt.

Wilhelm Keitel, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht wurde nach seiner Verurteilung zum Tod durch den Strang eingeäschert. Wie Jodl wurde seine Asche in die Isar gestreut.

Franz von Papen. Der Vize-Kanzler im Kabinett von Adolf Hitler starb 1969 in Oberasbach und liegt auf dem Friedhof von Wallerfangen (Saarland).

Hans Frank, der Generalgouverneur von Polen und Schlächter von Krakau, wurde erhängt und verbrannt. Auch seine Asche kam in die Isar.

So begann der Zweite Weltkrieg

Auch interessant

Kommentare