Szene-Wirt mit 31 Stichen niedergemetzelt – Prozess

Der Rockermord von Hösbach

+
50 Rocker drängten im Aschaffenburger Landgericht in den Gerichtssaal, um dem mutmaßlichen Mörder ihres Kumpels Kamer in die Augen zu schauen.

München - Metalldetektoren, Zugangsschleusen, Polizei: Das Landgericht Aschaffenburg glich am Freitag einem Hochsicherheitstrakt.

50 Rocker drängten in den Gerichtssaal – um Helmut S. (49), dem Mörder eines ihrer Kumpels, in die Augen sehen. Kamer P. (41) wurde am 9. Mai 2007 mit 31 Messerstichen niedergemetzelt. Arglos hatte der Familienvater seinem Killer die Tür geöffnet. Der hatte an der Villa des Aschaffenburger Szene-Gastronomen geklingelt und „Pizzaservice“ gerufen!

Beim Prozessauftakt sitzt Helmut S. (49), der von Beruf Versicherungsmakler ist, eingeschüchtert auf der Anklagebank. In dunklem Anzug mit weinroter Krawatte räumt er die Bluttat an seinem Ex-Geschäftspartner Kamer P. ein – von einem eiskalten Mord will er aber nichts wissen. Er sagt: „Ich habe panische Angst gehabt, Angst um meine Familie.“ Die Rocker, wie das Opfer Mitglieder des Motorrad-Clubs „Heavens Own MC Germany“, johlen, als sie das hören.

Die Vorgeschichte: Helmut S. plante eine Autobahnratsstätte an der A 3. Kamer P. wollte sich daran beteiligten. 25 000 Euro streckte er Helmut S. für das Projekt vor – doch das Geld sah er nie wieder, denn die Raststättenpläne zerplatzten wie Seifenblasen .

Was dann geschah, müssen die Richter klären: Helmut S. behauptet, sein Geschäftspartner habe ihn bedroht. Am Tattag will er zuhause einen Zettel gefunden haben, auf dem stand: „Hallo Kollege, ich weiß, wo deine Familie wohnt. Ich werde mich um sie kümmern. Gruß, Kamer.“ Wutentbrannt sei er nach Hösbach gefahren, um mit der Frau seines Ex-Partners zu reden.

Dass er zwei Messer dabei hatte, erklärt Helmut S. mit seiner Angst. Schließlich habe Kamer P. ihn einmal mit einer Pistole bedroht. Als sich dann die Tür öffnete, sei die Sache eskaliert: „Er hat mich gleich mit der Faust geschlagen und mit einem Stuhl auf mich eingeprügelt.“ Deshalb habe er sich gewehrt. Und plötzlich sei dann auch noch Kamers Frau hinter ihm gestanden. „Die muss ich im Umdrehen mit dem Messer verletzt haben.“

Der Staatsanwaltschaft sieht das anders: „Er wollte die gesamte Familie auslöschen!“ Auch die Ehefrau und die sechs und acht Jahre alten Kinder. Das Motiv: Rache. Er machte Kamer P. für seinen Ruin verantwortlich.

Rache wollen auch Kamers Rockerfreunde. Sie fordern ein hartes Urteil gegen den mutmaßlichen Mörder: „Ich fühle mich, als hätte ich meinen Bruder verloren“, sagte einer der harten Jungs: „Er war wie mein Spiegelbild.“ JV

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Zweiter Prozess gegen Joachim Wolbergs - Mitarbeiter unterstützen Aussage des suspendierten OBs
Zweiter Prozess gegen Joachim Wolbergs - Mitarbeiter unterstützen Aussage des suspendierten OBs
Nach Schock-Fund in Regensburg: Fall nimmt spektakuläre Entwicklung 
Nach Schock-Fund in Regensburg: Fall nimmt spektakuläre Entwicklung 
Mann muss Rollator die Treppe herunterschleppen - kaputter Aufzug noch monatelang außer Betrieb?
Mann muss Rollator die Treppe herunterschleppen - kaputter Aufzug noch monatelang außer Betrieb?
Mitten in der Nacht: Erdbeben in Tirol - Erschütterungen im Umkreis von zehn Kilometern
Mitten in der Nacht: Erdbeben in Tirol - Erschütterungen im Umkreis von zehn Kilometern

Kommentare