Falschgeld-Bestellung im Darknet

Deutlich mehr "Blüten" in Bayern im Umlauf

München - In Bayern ist derzeit deutlich mehr Falschgeld im Umlauf als in vergangenen Jahren, gerade auch in ländlichen Regionen. Das Internet macht es Betrügern wird es immer leichter, an Blüten zu kommen.

Sie kaufen mit einem gefälschten 100-Euro-Schein beim Bäcker eine Breze: Im Gegenzug kassieren die Fälscher echtes Wechselgeld und sind weg, ehe der Verkäufer den Betrug bemerkt. Immer öfter tauchen in Bayern Falschgeld-Noten auf. Allein im ersten Halbjahr 2015 sei die Zahl der sichergestellten „Blüten“ im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 85 Prozent gestiegen, wie Helmut Schäfer, Abteilungsleiter beim Bayerischen Landeskriminalamt, am Donnerstag in München der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Bereits im Jahr 2014 war die Zahl der sichergestellten Scheine im Vergleich zum Vorjahr um 67 Prozent angewachsen. Das entspricht 9523 Noten 2014 (5720 Noten 2013). Am häufigsten würden gefälschte 50-Euro-Scheine aus dem Verkehr gezogen.

In vielen Fällen gingen die Betrüger in kleine Geschäfte, sagte Schäfer. Denn im Gegensatz zu einer Tankstelle hätten diese meist keine Videoüberwachung und kein Prüfgerät. Die Zahl der Betrüger statistisch zu erfassen sei schwierig. „Wenn jemand einen falschen Schein als Wechselgeld bekommt und mit dem einkaufen geht - wie soll man beweisen, ob er die Fälschung bemerkt hatte oder nicht?“ Erfasst würden die Personen, die bewusst Falschgeld gekauft haben mit dem Ziel, es in den Umlauf zu bringen. 2014 waren das Schäfer zufolge etwa 100 Falschgeld-Betrüger.

Als Hauptgrund für den sprunghaften Anstieg sieht der Experte das sogenannte Darknet. Immer öfter werde Falschgeld über verschlüsselte Kanäle im Internet bestellt. In früheren Jahren habe ein Betrüger Falschgeld direkt bei einer Druckerei, etwa in Süditalien oder Bulgarien, bestellen und sich liefern lassen müssen. Da habe sich die Falschgeld-Problematik vor allem auf Großstädte konzentriert.

Heute fänden sich „Blüten“ zunehmend auch auf dem Land. Das Darknet mache die Bestellung einfacher. Gerade Schüler kauften auf diesem Weg Falschgeld. Die Bestellung sei jedoch lediglich der erste Schritt. Entscheidend sei dann, die falschen Noten in Umlauf zu bringen, sagt Schäfer. Gerade unerfahrene Geldfälscher verrieten sich dabei häufig.

Auf den ersten Blick falle das Falschgeld nicht unbedingt auf. Zwar sei das echte Noten-Papier aus Baumwolle, jedoch fühle sich auch das Papier von „Blüten“ unter Umständen wie echtes an. Fälschungssicher sei das Wasserzeichen. Bei echten Scheinen sei der darin enthaltene Wert, zum Beispiel die 20, ohne schwarze Kontur zu sehen. Fälschungen hätten dagegen meist eine Kontur.

Menschen, die eine „Blüte“ bekommen, empfiehlt Schäfer, zur Polizei zu gehen - auch wenn der Schein nicht ersetzt werde. Denn: Falschgeld wissentlich wieder in den Umlauf zu bringen, ist eine Straftat.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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