Nach Hilferuf abgewunken

Deutsche Bahn kann Meridian nicht retten

München - Im Fall Meridian zeichnet sich immer mehr ein Desaster ab. BOB-Eigentümer Veolia sucht dringend nach Ersatzlösungen und schickte einen Hilferuf an die Deutsche Bahn. Doch die winkt ab.

Das Desaster um die Übernahme der Bahnstrecken von München nach Salzburg und Kufstein sowie der Mangfalltalbahn durch die Oberlandbahn mit den neuen Flirt-Triebwagen zeichnet sich immer deutlicher ab. Weil die Züge zum Fahrplanwechsel im Dezember nicht oder nur teilweise zur Verfügung stehen werden, sucht der BOB-Eigentümer Veolia dringend nach Ersatzlösungen. Geschäftsführer Axel Sondermann sandte jetzt einen Hilferuf an die Deutsche Bahn: „Wir nehmen an Fahrzeugen, was wir bekommen können“. Doch die DB winkt ab.

„Wir können nur beschränkt einspringen und nicht, wie 1999 bei der BOB wochenlang Ersatzverkehr fahren“, erklärte am Dienstag DB-Regio-Geschäftsleiterin Antonia von Bassewitz.

DB-Regio hat zwar jetzt mit Veolia einen Vertrag für die Überlassung von zwei einstöckigen Regiozügen mit je sechs Waggons und je 580 Sitzplätzen samt Personal abgeschlossen. Doch das ist nur der Tropfen auf den heißen Stein. Für das neue Konzept (30-Minuten-Takt München-Rosenheim-Kufstein sowie Rosenheim-Holzkirchen-München) braucht die Oberlandbahn 28 sechsteilige Züge mit 333 sowie sieben Dreiteilern mit 160 Plätzen

Bassewitz: „Wir prüfen auch noch, ob wir weitere Züge entbehren können. Aber es wird schwierig“. Gründe: Viele Lokführer und Schaffner haben sich auf andere Stellen beworben. Außerdem nimmt die DB im Werdenfels-Netz 37 neue Züge vom Typ Talent in Betrieb. Im Gegensatz zu Veolia hat sich die DB für den Fall von Pannen rechtzeitig um ein Ersatzkonzept gekümmert. Bei Zugausfällen stehen Dosto-Ersatzgarnituren und Personal bereit.

Kritik wird in dem Zusammenhang an der BOB geübt: „Wir hatten im Januar unsere Unterstützung angeboten“, sagt die Regio-Chefin. Doch obwohl der Freistaat Veolia zu dem Zeitpunkt schon aufgefordert hatte, ein Ersatzkonzept zu entwickeln, reagierte das offenbar überforderte BOB-Management erst im Mai und fragte dann nach Ersatzzügen an.

Karl-Heinz Dix

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