Die CSU im Suff-Wahlkampf

Beckstein hat sich mit einer Äußerung zum noch verträglichen Bierkonsum Kritik eingehandelt.
+
Beckstein hat sich mit einer Äußerung zum noch verträglichen Bierkonsum Kritik eingehandelt.

Es herrscht eine Riesen-Empörung über Becksteins Äußerung: „Mit zwei Mass kann man noch fahren“!

Riesen-Wirbel um eine Bierzelt-Rede von Ministerpräsident Günther Beckstein: Bei einem Wahlkampf-Auftritt im Erdinger Weißbräu-Zelt sprach sich Beckstein strikt gegen eine Senkung der Promille-Grenze für Autofahrer aus: „Es ist nicht das Problem, wenn einer eine Mass trinkt, oder wenn er ein paar Stunden da ist, auch zwei.“

Lesen Sie auch

Der Druck auf die CSU wächst

Beckstein verspricht: Alles wird besser

Beckstein denkt über CSU-Ergebnis unter 50 % nach

Beckstein: Berlin hat Schuld

Mit zwei Mass Bier noch Auto fahren? Die Reaktionen von Polizisten und wütenden Bürgern waren so heftig, dass sich politische Beobachter schon die Frage stellen: Kostet dieser Fehltritt Beckstein den Wahlsieg? Denn schon vor dem Suff-Ausrutscher lag die CSU in den Umfragen zuletzt bei nur 49 Prozent. Wenn da nur zwei oder drei Prozent aus Empörung über die Verharmlosung von Alkohol am Steuer wegfallen, wäre dies das Aus für die CSU-Alleinregierung.

Deshalb ruderte Beckstein auch gleich nervös zurück. Bei einem Radio-Interview mit „Bayern 3“ relativierte Beckstein seine Äußerung zunächst nur leicht: „Wenn man die zwei Mass in sechs, sieben Stunden auf dem Oktoberfest trinkt, ist es noch möglich.“

Aber prinzipiell blieb Beckstein dabei: Ein Glas Wein oder Bier dürfe nicht verteufelt werden. Nur „bei Fahranfängern halte ich die 0,0-Promille-Grenze für absolut notwendig.“ Aber ein „g‘standenes Mannsbild“ vertrage an einem Oktoberfest-Abend auch „zwei in der Regel schlecht eingeschenkte Mass“, ohne fahruntüchtig zu werden. Am Dienstag Abend wollte er dann diesen „etwas verunglückten Beitrag“ nur als Witz über schlechte Schankmoral verstanden wissen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, bescheinigte dem Ex-Chef der bayerischen Verkehrspolizei: „Günther Beckstein hat wohl einen über den Durst getrunken. Zwei Liter Bier überschreiten die Trinkmengenempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation um das Dreifache.“

Das Innenministerium in München gab keine Bewertung der Äußerungen Becksteins ab. Ein Sprecher sagte auf Anfrage, es bleibe bei der 0,5-Promille-Grenze. Die Grünen-Landesvorsitzende Theresa Schopper legte Beckstein nahe, „über eine Promillegrenze bei Bierzelt-Auftritten“ nachzudenken. „Das würde das Urteilsvermögen steigern und Unsinn vermeiden.“

SPD-Spitzenkandidat Franz Maget gab sich gnädiger: „Ich bin der Letzte, der nicht auch gerne auf einem Volksfest eine oder auch zwei Mass Bier trinkt – doch eines muss klar sein: Das Auto bleibt dann stehen“.

„Nicht andere Parteien, sondern Herr Beckstein erweist sich mit diesen Äußerungen als Sicherheitsrisiko“, schimpfte der FDP-Spitzenkandidat Martin Zeil. Gerade als Ex-Innenminister sollte Beckstein mit gutem Beispiel vorangehen und nicht die Gefahren von Alkohol im Straßenverkehr verharmlosen.

Quelle: tz

Auch interessant

Kommentare