Bürgermeister gewinnt mit einer Stimme Vorsprung – doch diese soll ungültig sein

Die Irrsinns-Wahl von Bergtheim

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In Bergtheim hat die Wahl großen Wirbel ausgelöst.

Bergtheim - Eine Wahl, eine Stimme und plötzlich ist ein ganzer Ort in zwei Lager gespalten.

Knapp 3500 Menschen leben in Bergtheim im Kreis Würzburg, sie haben bei der Bürgermeister-Stichwahl am 16. März für das denkbar knappste Ergebnis gesorgt: 899 Stimmen für Robert Kremling (62) von der Freien Christlichen Wählergemeinschaft, 898 Stimmen für den unterlegenen Konrad Schlier (CSU). Eine Stimme entschied also über den Bürgermeister. Das dürfte demnach Robert Kremling sein, ist er aber nicht. Denn gestern Abend traf sich im rotgefärbten Rathaus der Wahlausschuss und musste eins klären: Ist diese Stimme überhaupt gültig?

Denn der oder die Wählerin aus dem Ortsteil Dipbach entschied sich höchst verworren: Ein ordentliches Kreuz – zackzack – bei Kremling, aber dann ein Strich von links unten nach rechts oben im Wahl-Kreis des CSUlers Konrad Schlier. Sieben Dipbacher Wahlhelfer. übrigens eine Schlier-Hochburg, waren trotzdem der Überzeugung: Die Stimme geht an Kremling.

Doch einem ließ die Sache keine Ruhe – dem Wahlleiter Günther Schlier. Der ist zwar rechtlich nur Namensvetter des unterlegenen Konrad, doch dessen Vater und Günthers Stiefvater sind immerhin Brüder. Im Ort wurden böse Vermutungen über die Objektivität des Wahlleiters laut…

Schließlich begutachtete Günther Schlier einen Tag nach der Stichwahl in seinem Büro unter Zeugen den Wahlzettel noch mal. Er habe laut Mainpost „die Schuldigkeit gehabt, das noch einmal anzuschauen“. Es kamen ihm Zweifel, und somit übergab er den Schwarzen Peter an das Landratsamt. Dort entschied der Jurist. „Nach dem bayerischen Kommunalwahlrecht ist ein Stimmzettel ungültig, wenn er nicht eindeutig erkennen lässt, für wen die Stimmen abgegeben werden.“ Und so wurde dem Gemeindewahlausschuss die Empfehlung gegeben, den Stimmzettel für ungültig zu erklären.

Wenn nun der Ausschuss gestern Abend dementsprechend handelte, heißt das Patt, und der Bürgermeister muss gelost werden. Vorläufig-Bürgermeister Kremling: „Es ist nicht schön, dass das so gekommen ist.“ Zumal für ihn, als er noch im Wahlvorstand war, „solche Stimmen immer gültig waren“.

Doch es geht noch weiter: Rückt per Zufall Schlier zum Bürgermeister auf, wird ausgerechnet eine CSU-Frau Gemeinderätin, deren Mutter wiederum im Wahlausschuss sitzt. Es brodelt also an allen Ecken. So stark, dass Wahlleiter Schlier sich bereits genötigt sah, die Kripo wegen Verleumdung einzuschalten. „Unerträglich ist das!“ CSU-Mann Schlier findet das alles „langsam ein wenig lächerlich“, und es ärgert ihn, „dass da jetzt von einer Seite was hineingedichtet wird“.

MC

Quelle: tz

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