Die Rettung der Oberkaser-Mare

Sennerin Mare wäre am liebsten in ihrer Hütte geblieben.
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Sennerin Mare wäre am liebsten in ihrer Hütte geblieben.

München - Es muss schon was passiert sein, wenn sich die Maria von der Oberkaseralm am 1800 Meter hohen Geigelstein meldet und einen Notruf absetzt.

Der Geigelstein ist mit 1813 Metern Höhe der zweithöchste Gipfel der Chiemgauer Alpen. Hier wurde die Mare in 1500 Meter Höhe verschüttet.

Seit fast 70 Jahren lebt die 84-jährige Sennerin auf der Hüttn, Sommers wie Winters. Aber am Mittwoch wurd’s sogar der Oberkaser-Mare, wie sie in Sachrang unten genannt wird, ein bisserl bang. Nach einem Schneebrettabgang war ihre Hütt’n komplett verschüttet, sogar der Kamin war abgeknickt!

Das ließ auch ihren guten Bekannten, den Arri-Hauptaktionär Bob Arnold, bei dem die Mare bis vor 20 Jahren Haushälterin war, nicht ruhen. Arnold, der der Mare im Sommer oft Obst und Gemüse vorbeibringt, alarmierte die Bergwacht und bat: „Holt’s es raus, ich bezahl’s auch.“ Dank ihrer guten Orskenntnisse gelang es den Rettern schnell, die verschüttete Hütt’n ausfindig zu machen. Mares Bergung war allerdings Schwerstarbeit. Denn erst mussten die Männer einen vier Meter tiefen Zugang schaufeln, um die 84-Jährige aus ihrem Schneegefängnis zu befreien – und dann wollte die Sennerin nicht einmal mitkommen! Eine Sachrangerin: „Mei, die Mare, de is zach. Und Proviant für drei Monate hat sie auch in der Hütte. Und ihre Katzen sind ja auch noch da …“

Aber die Retter hatten keine Wahl. Nachdem der Kamin zerstört ist, gibt es in der Hütte keine Möglichkeit mehr zu heizen – und wenn’s die Mare trotzdem versucht hätte, wäre sie wohl an einer Rauchvergiftung gestorben. „Außerdem“, so der Rosenheimer Polizeisprecher Klaus Schürgers, „drohten weitere Lawinenabgänge.“ Zwar lag der Geigelstein Mittwoch traumhaft in der Sonne. Doch das Bild war auch von trügerischer Schönheit. Beim Anflug der Retter auf die Hütte ging ein weiteres Schneebrett ab: Vom Gipfel der fast benachbarten Hochplatte lösten sich an einem Südosthang Schneemassen und stürzten auf einer Länge von 400 Metern in Richtung Unterwössen.

Widerwillig ließ sich die Oberkaseralm-Mare schließlich doch dazu überreden, in den Polizeihubschrauber zu steigen. Angesichts des Aufgebots von zehn Bergwachtlern und zwei Alpinpolizisten blieb ihr aber wohl auch nichts anders übrig als zu kapitulieren.

Als Notunterkunft hätte Bob Arnold sein Haus zur Verfügung gestellt. Möglicherweise wär’ das aber für die Mare ein bisserl zuviel Luxus …

WdP

Quelle: tz

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