Zweiter Weltkrieg

ZDF-Doku: US-Soldaten vergewaltigten in Bayern tausende Frauen

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"Die Verbrechen der Befreier: Amerikas dunkle Geheimnisse im Zweiten Weltkrieg" lief am Dienstagabend im ZDF.

München - Eine Doku im ZDF über US-Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg zeigt: GIs erschossen deutsche Gefangene und vergewaltigten tausende Frauen. Übergriffe gab es auch in Bayern.

Keine Frage: Für die meisten Deutschen im Westen und Süden des Reiches, die in irgendeiner Form unter den Gräueln des Nazi-Regimes litten, kamen die amerikanischen Soldaten bei ihrem Vormarsch ins Nazi-Reich als Befreier. Dieses Bild vom heldenhaften GI vermitteln in der Regel auch Hollywood-Filme über den Zweiten Weltkrieg. Freilich mit Ausnahmen. So werden etwa in "Der Soldat James Ryan" willkürliche Erschießungen von deutschen Soldaten durch US-Militärs gezeigt. Doch das Bild einer uneingeschränkt heldenhaften US-Armee bekommt schwere Kratzer. 70 Jahre nach Kriegsende thematisiert erstmals eine deutsche TV-Dokumentation die Kriegsverbrechen der amerikanischen Besatzer. "Die Verbrechen der Befreier: Amerikas dunkle Geheimnisse im Zweiten Weltkrieg" (lief am Dienstag ab 20.15 Uhr). Den Film von Annette Harlfinger und Michael Renz kann man auch im Webauftritt des ZDF sehen.

Die Doku bringt erschreckende Fakten ans Tageslicht: Der Vormarsch der US-Armee gegen Hitlers Tyrannei war begleitet von Gräueltaten der GIs. Schätzungen der deutschen Opferzahlen gehen weit auseinander und sorgen für Streit unter den Experten, auch weil sie ein Tabubruch sind und in der Bundesrepublik jahrzehntelang als potenzielle Belastung für das Verhältnis zu den westlichen Bündnispartnern galten. Allein in Bayern, das im April 1945 von US-Truppen befreit wurde, gehen Historiker von mehreren tausend Sexualdelikten durch amerikanische Soldaten aus. An manchen Landungsstränden in der Normandie überlebte nur jeder zweite deutsche Kriegsgefangene.

Diese Kriegsverbrechen der US-Soldaten gegen Deutsche dokumentiert "Die Verbrechen der Befreier" im ZDF: 

  • Die Historikerin Prof. Miriam Gebhardt (aktuelles Buch: "Als die Soldaten kamen. Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs") schätzt: US-Soldaten vergewaltigten 190.000 deutsche Frauen. Die weitaus meisten Vergewaltigungen im besetzten Reich, nämlich 430.000, gehen aber auf das Konto sowjetischer Soldaten.
  • Die Reportage "Die Verbrechen der Befreier" im ZDF zeigt auch beklemmende Einzelschicksale. Vergewaltigungsopfer Babette G. aus München berichtet, dass sie von einem GI beim Einmarsch der US-Truppen auf offener Straße überfallen wurde. "Da hat mich einer vergewaltigt. Er hat mich in ein altes Gasthaus reingezerrt. Was habe ich machen können? Der ist mit der Pistole da gewesen. Wehe, wenn ich mich gerührt oder geschrien hätte. Das war unter Tags. Die haben einfach ein Madl irgendwo reingezerrt. Und fertig. Aus!" 
  • Eine Frau namens Gertrude H. aus Ingolstadt wurde Opfer einer Vergewaltigung durch einen US-Soldaten. Sie erinnert sich: "Uns hat ja keiner psychologisch betreut. Man hat selber damit fertig werden müssen. Und die Amerikaner? Wenn es heißt: Das waren unsere Befreier. Aber um was für einen Preis?"
  • Durch die Buchführung der örtlichen Pfarreien gibt es verlässliche Zahlen zu Vergewaltigungen in Bayern. Jede Kirchengemeinde war angehalten, einen sogenannten "Einmarschbericht" zu schreiben, in dem die Pfarrer die Geschehnisse festhielten. Tausende Fälle sind so dokumentiert. Eine genaue Zahl für den Freistaat nennt die ZDF-Doku "Die Verbrechen der Befreier" aber nicht.
  • Der renommierte bayerische Militärhistoriker Dr. Peter Lieb (lehrt in Großbritannien) betont, dass es Übergriffe auf deutsche Soldaten seit dem D-Day (Landung der US-Truppen in der Normandie) am 6. Juni 1944 gab: "Mit den ersten Kämpfen beginnen auch gleich die ersten Kriegsverbrechen." Lieb weiter: "Wir wissen von allen fünf amerikanischen Angriffsdivisionen des D-Days, dass es dort in einzelnen Einheiten Befehle gab, keine Gefangenen zu nehmen."
  • An manchen Landungsstränden in der Normandie überlebte nur jeder zweite deutsche Kriegsgefangene.
  • Wie viele deutsche Soldaten Opfer amerikanischer Übergriffe wurden, kann die Wissenschaft nur schätzen. Der deutsche Militärhistoriker Prof. Sönke Neitzel betont: "Es sind sicherlich hunderte Fälle. Aber wir können keine wirklich belastbare Zahl nennen. Das ist faktisch unmöglich. Aber wir können den Rahmen beschreiben. Und der geht eben von einer sehr guten Behandlung von Gefangenen bis hin zum kaltblütigen Mord an Gefangenen."
  • Der US-General George S. Patton (später Militärgouverneur von Bayern) ermunterte in einer Rede vor Offizieren zum Töten von Gefangenen. Die ZDF-Doku zitiert aus dieser Rede: "Wenn wir auf den Feind treffen, werden wir ihn töten. Wenn Ihr Eure Männer gegen den Feind führt und er sich dann ergeben will: Oh nein! Der Bastard soll sterben. Ihr werdet ihn töten. Stecht ihn zwischen die dritte und vierte Rippe. Sagt Euren Leuten das. Wir brauchen diesen Killerinstinkt. Wir werden uns den Ruf von Killern erarbeiten. Und Killer sind unsterblich."
  • Nur ein Bruchteil der Straftaten, die GIs in Deutschland begingen, wurde von US-Gerichten geahndet. Die ZDF-Doku zeigt erschütternde Zahlen: 3,5 Millionen US-Soldaten waren im Zweiten Weltkrieg in Europa im Einsatz. Allerdings gab es lediglich zwei Kriegsgerichtsverfahren der US-Militärjustiz gegen GIs. Verurteilt wurde kein einziger. 
  • Auch den Bombenkrieg der Amerikaner und Briten thematisiert die Doku. Historiker Prof. Sönke Neitzel meint: Wäre die deutsche Luftwaffe nicht gezwungen worden, sich auf einen "Hightech-Krieg" mit den ökonomisch stark überlegenen USA einzulassen, hätte die Nazi-Rüstungsindustrie sicher viel mehr Panzer und Geschütze bauen können. Was den Krieg am Boden aber verlängert hätte. Die ZDF-Doku spitzt diese These noch zu: "So gesehen verkürzen die Bombenangriffe den Krieg. Und retten - so absurd das klingen mag - Menschenleben. An den Fronten, in den Städten und in den Konzentrationslagern."

ZDF-Doku "Die Verbrechen der Befreier"  will Nazi-Verbrechen nicht verharmlosen

Trotz der umfassenden Erkenntnisse über US-Kriegsverbrechen gegen Deutsche bemühen sich die Autoren, die Gräuel der Nazi-Kriegsmaschinerie nicht zu verharmlosen. Sie weisen darauf hin, dass Millionen sowjetischer Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft umkamen. Und: Deutschen Soldaten im Ostfeldzug wurde Straffreiheit bei Mord, Vergewaltigung und Plünderung zugesichert. "Ein Freibrief für alle deutschen Soldaten."

Auch stellen die Macher der ZDF-Doku "Die Verbrechen der Befreier" das Schicksal der jeweiligen Kriegsgefangenen gegenüber. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 22.000 deutsche Soldaten starben in US-Kriegsgefangenschaft. 363.000 Deutsche kamen in sowjetischer Kriegsgefangenschaft um. Und 2,5 Millionen Sowjets kamen in deutscher Kriegsgefangenschaft ums Leben.

Für die Autoren steht somit im Hinblick auf den Zweiten Weltkrieg fest: "Verglichen mit der ungeheuren Dimension der deutschen Verbrechen sind die Übergriffe amerikanischer Soldaten kaum mehr als eine Randnotiz."

Nach ZDF-Doku "Die Verbrechen der Befreier" zu US-Kriegsverbrechen: Das sagt die Forschung

Die von sowjetischen Soldaten an normalen Deutschen begangenen Morde, Vergewaltigungen und Plünderungen sind seit Jahren gut erforscht. Dass sich auch die amerikanischen Soldaten in großem Ausmaß an deutschen Zivilisten vergingen, blieb lange ein Randthema der Forschung. So ist es bezeichnend, dass der britische Historiker und Journalist Giles MacDonogh erst im Jahr 2007 ein aufsehenerregendes Buch über Kriegsverbrechen in allen vier Besatzungszonen herausbrachte: "After the Reich: The Brutal History of the Allied Occupation" (Deutsch: "Nach dem Reich: Die brutale Geschichte der alliierten Besatzung") Ebenso bezeichnend ist es, dass es noch immer keine deutsche Ausgabe dieses Buches gibt. Das Fazit des britischen Geschichtsforschers: Raub, Mord und Vergewaltigung gab es in allen Besatzungszonen. Allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Die meisten Morde und Vergewaltigungen in den westalliierten Zonen gehen auf das Konto der Franzosen. Kein Wunder: Viele Soldaten erlebten (wie auch die Rotarmisten) die Verbrechen der Wehrmacht im eigenen Land. Auch die Amerikaner gingen bei ihrem Vormarsch zuweilen brutal vor. Der Hass auf die Deutschen war von der Propaganda im eigenen Land geschürt worden. Hinzu kamen die schockierenden Bilder, mit denen die GIs in den befreiten Konzentrationslagern konfrontiert wurden. Diese dienten als Rechtfertigung für Übergriffe gegen die Besiegten.

Historiker Prof. Sönke Neitzel wünscht sich in der ZDF-Doku "Die Verbrechen der Befreier" vor allem eine bessere Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe im Zweiten Weltkrieg: "Wir haben viele Sachen aufgearbeitet. Den Holocaust und Kriegsverbrechen aller Art. Aber die sexuelle Gewalt ist - warum auch immer - kaum behandelt worden. Die Forschungen, die wir jetzt haben, zeigen,  dass in allen Armeen des Zweiten Weltkriegs die sexuelle Gewalt und Vergewaltigungen eine viel größere Rolle spielten, als wir dachten. Auch in der Wehrmacht." 

fro

 

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