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Die Zecken haben wieder Saison

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Eine Zecke bei der "Arbeit".
Eine Zecke bei der "Arbeit". © dpa

Jetzt lauern sie wieder an Spitzen von Grashalmen, an Stauden und Sträuchern auf ihre Opfer: Zecken! Die kleinen Blutsauger, die gefährliche Krankheiten übertragen können, treten durch die jetzigen milden Temperaturen früher in Aktion als sonst.

Vorsicht vor dem „gemeinen Holzbock“ ist also angesagt, nicht nur draußen in der freien Natur, sondern auch im eigenen Garten.

Ob es heuer wieder eine Zeckenplage gibt, hängt vom Wetter der nächsten Wochen ab. Der Frost der vergangenen Tage hätte indessen entgegen der verbreiteten Meinung keinen Einfluss auf das Überleben der Insekten gehabt, betonte Prof. Josef H. Reichholf, Botschafter der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg.

Die allgemeine Klima­erwärmung begünstigt die Ausbreitung der Parasiten. In Schweden und Finnland wurden die gefährlichen Spinnentiere schon 200 Kilometer vom Polarkreis entfernt ausgemacht, wo es vor Jahren noch keine einzige Zecke gab. Im Gebirge lauert die Gefahr in immer größerer Höhe, also weit über der Waldgrenze.

Unterdessen breiten sich auch jene Gebiete, in denen Zecken den hoch gefährlichen Erreger der Frühsommer-Meningo­enzephalitis (FSME) in sich tragen können, immer weiter aus. Bayern (siehe Karte) gilt dabei als Risikogebiet Nummer eins in Deutschland, gefolgt von Baden-Württemberg. Besonders gefährlich ist es auch in Österreich und der Schweiz.

Dass trotzdem die Zahl der FSME-Infektionen insgesamt zurückgeht, sehen Experten als Folge der zunehmenden Aufmerksamkeit und der Impfbereitschaft in der Bevölkerung. In Österreich haben sich schon 90 Prozent der Bürger impfen lassen.

Bei uns löste die Zeckenplage im vergangenen Jahr eine Impfwelle aus. Mit der Folge, dass der Impfstoff gegen FSME schon Ende Mai knapp wurde. Das könne dieses Jahr nicht wieder passieren, sagte Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut dem Stern. Diesmal hätten die Hersteller vorgesorgt.

Wer in einem Risikogebiet wohnt, sollte sich früh impfen lassen, rät Susanne Glasmacher. Zwischen der ersten und zweiten Spritze liegen drei bis vier Wochen. Erst 14 Tage nach der zweiten Injektion baue der Körper einen Wirksamen Schutz gegen die gefährliche Gehirnhautentzündung auf. Einen Langzeit-Effekt von drei bis fünf Jahren erreiche man erst mit einer dritten Impfung, die etwa neun bis zwölf Monaten nach der ersten Spitze erfolgen sollte.

Keinen Impfschutz gibt es indessen gegen die von Bakterien verursachte Borreliose. Die Lyme-Borreliose ist die häufigste von Zecken übertragene Krankheit und kann ebenfalls zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Dagegen helfen nur Antibiotika.

Beginn der Zeckensaison

Kaum wird es ein paar Grad wärmer, schon lassen sich die ersten Zecken blicken. Aus diesem Grund sind Gesundheitsminister Otmar Bernhard und Prof. Kurt Pfister von der LMU im Englischen Garten auf Zeckenjagd gegangen. Auf der Informationsveranstaltung warnten sie vor den Gefahren von Zeckenbissen und zeigten, wie man sich richtig schützt. Uwe Niederdraing und Philipp-Moritz Jenne berichten.

In der Türkei und Russland breitet sich inzwischen eine weitere von Zecken übertragene Krankheit aus: Das Krim-Kongo-Fieber. Kann diese Krankheit auch zu uns kommen? „Wir müssen damit rechnen, dass Infektionskrankheiten, die bislang nur in den Tropen und Subtropen verbreitet waren, künftig auch in Europa auftreten können“, warnt Prof. Thomas Löscher vom Tropeninstitut München.

Da Zecken oft stundenlang herumkrabbeln, ehe sie sich festbeißen, sollte man nach einem Ausflug in die Natur den Körper gründlich absuchen. Insektenschutzmittel bieten einen gewissen Schutz.

Wo lauert die Gefahr von Zecken?

Der Irrglaube, dass Zecken sich von Bäumen fallen lassen, ist nicht auszurotten. Die kleinen Blutsauger lauern jedoch mit vorgestreckten Vorderbeinen an Pflanzen in bis zu etwa 1,50 Meter Höhe. Streift jemand vorbei, hängen sie sich an.

Beißt eine Zecke gleich zu?

Nein. Zecken krabbeln oft stundenlang umher, bis sie am Körper eine geeignete Stelle für ihre Blutmahlzeit gefunden haben. In dieser Zeit kann man sie gefahrlos entfernen.

Wer ist gefährdet?

Alle, die sich draußen in der Natur aufhalten. Wer sich ins Gras setzt und häufig an Pflanzen vorbeistreift, kommt wahrscheinlich mit einer Zecke in Kontakt.

Hat eine Zecke zugebissen, was dann?

Alles unterlassen, was eine Zecke in Todeskampf versetzt, damit kein infizierter Speichel ausfließen kann. Nie eine Zecke quetschen. Das Tier mit einer Zeckenzange am Kopf fassen und vorsichtig herausziehen.

Quelle: tz

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