„Wir hängen an unseren Kühen!“

Dienstag endet Protestfahrt der Milchbauern in München

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München - Die deutschen Milchbauern wollen mit der Staffelfahrt quer durch Deutschland auf die stark sinkenden Milchpreise aufmerksam machen. Am Dienstag erreichen sie München.

Hans Foldenauer hat seine 95 Milchkühe lange nicht gesehen. Seit vergangenen Montag ist der 58-jährige Milchbauer aus Irsee im Allgäu durch Deutschland unterwegs. Da war er in Krummhörn in Ostfreisland gestartet zur Staffelfahrt des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM). Am Dienstag Vormittag kommt er am Münchner Odeonsplatz an. Er tut es für seine 95 Milchkühe.

Unterwegs für die Zukunft der Milchbauern: Hans Foldenauer fährt von Ostfriesland nach München.

„Wir hängen an den Kühen“, sagt er am Montag beim Telefonat mit der tz. Gerade sei der Konvoi kurz vor Nördlingen. Die Solidarität der Bevölkerung sei groß. „Wenn wir durch Ortschaften fahren, ist der Daumen oben“, sagt Hans Foldenauer, Sprecher des BDM. Die Menschen würden ihr Anliegen unterstützen. Allenfalls ein paar Lkw-Fahrer seien genervt gewesen. Was kein Wunder ist, denn zeitweise waren bis zu 150 Bauern unterwegs, der Konvoi schon mal einen Kilometer lang gewesen. Unterwegs war genug Zeit eingeplant für Kundgebungen und auch für spontane Diskussionen mit Passanten. „Macht weiter, ihr habt recht“, sei ihnen oft gesagt worden. Helfen könne man am besten, indem man Produkte regionaler Erzeuger kaufe, sagt Hans Foldenauer. Neben solidarischen Worten gab es auch solidarisches Handeln: „Ein Eisdielenbesitzer in St. Wendel hat allen 40 Schlepperfahrern je ein Eis spendiert“, sagt der BDM-Funktionär.

Die deutschen Milchbauern wollen mit dieser Staffelfahrt auf die stark sinkenden Milchpreise aufmerksam machen. Teilweise bekommen sie nur noch 30 Cent fürs Kilo Rohmilch. „Meine Milcheinnahmen reichen damit nur bis zum 20. des Monats“, sagt Hans Foldenauer. Er subventoniert die Verluste bei den Milchkühen mit dem Ertrag aus seiner Biogasanlage, „zum dritten Mal in den letzten sechs Jahren“. So habe Milchwirtschaft keine Zukunft. Viele der rund 33.000 Milcherzeuger in Bayern würden von der Substanz leben. „Wir verfrühstücken Schritt für Schritt unseren Betrieb.“ Trotzdem will er nicht aufgeben. Er kann das auch gar nicht so einfach. Der neue Stall für die Milchkühe muss abbezahlt werden, „was will ich also mit einem leeren Stall?“ Sein Sohn Stefan steigt ein, die Nachfolge ist geregelt.

V. Pfau

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