Von Brezn bis Lebkuchen - die ganze Liste

Diese 22 bayerischen Schmankerl sind EU-geschützt

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Kommt das Abkommen, steht auch die bayerische Bratwurst zur Disposition.

München - Werden für das Freihandelsabkommen mit den USA regional geschützte Produkte geopfert? Die Bayern sind empört, Verbraucherschützer und Landwirte fürchten um die beliebten Schmankerl. Um welche Produkte geht es eigentlich?

CSU-Minister Schmidt sorgt für Empörung.

Kommt die bayerische Brezn bald aus Baltimore, und Nürnberger Lebkuchen aus St. Louis? Verbraucherschützer und Landwirte fürchten, dass der europaweite Schutz, der dafür sorgt, das unserer bayerischen Schmankerl auch hier hergestellt werden, für das geplante Freihandelsabkommen mit den USA geopfert werden können. Denn in einem Interview mit dem Spiegel hatte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) erklärt: „Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen“. Die Folge des Schmidt-Zitats: ein Sturm der Entrüstung. Denn vom Bauernverband bis hin zu Verbraucherschützern gibt es große Irritation. Und daran ändert auch wenig, dass der Minister inzwischen zurückrudern lässt: Ein Sprecher erklärte, dass der Politiker seine Worte nun vor allem so verstanden wissen wolle, dass angesichts von weit über 1000 Siegeln und Regionalprodukten in der EU nicht alles geschützt werden könne. Aber eine Original Nürnberger Rostbratwurst aus Kentucky wolle er natürlich verhindern.

Ob das funktioniert? Bisher haben die Verhandlungen über die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) vor allem Ängste ausgelöst (u.a. mit der Debatte über Chlorhühner).

Auch wenn das Bundeswirtschaftsministerium immer wieder auf enorme Chancen hinweist – die sich insbesondere Herstellern von regionalen Delikatessen bieten sollen. Experten gehen davon aus, dass es die Amerikaner bei dem Abkommen tatsächlich kaum darauf abgesehen haben, mit den bayerischen Bratwürsten und anderen Schmankerln den Rang abzulaufen. Sondern mehr darum, mit ihren landwirtschaftlichen Rohprodukten wie Soja, Mais und Zuckerrüben den Markt zu erobern.

Seit gut eineinhalb Jahren wird inzwischen in rund 20 Arbeitsgruppen über TTIP verhandelt – und so wie es aussieht, dürften sich die Gespräche noch bis mindestens 2016 hinziehen.

Vielleicht auch noch länger, wenn Politiker wie Bundesagrarminister Christian Schmidt mit ihren Aussagen statt zu der dringend erforderlichen Transparenz für immer noch mehr Verwirrung sorgen.

In den vergangenen 20 Jahren erhielten von der Europäische Union zwei Dutzend Schmankerl aus Bayern (aus ganz Deutschland sind es 70) das Siegel „Geschützte geografische Angabe, zwei (9) zudem das Prädikat geschützte Ursprungsbezeichnung.

Wie wär’s denn, Herr Schmidt, wenn Sie den Schutz dieser Schmankerl einfach garantieren würden? Und helfen würden, die laufenden Anträge zu beschleunigen – bei einem davon geht’s ums Oktoberfestbier! Die tz dokumentiert den aktuellen Stand der EU-Liste.

Wir essen Regionales

Gutes von Bauern

"Meine Frau und ich kaufen gerne Fleisch direkt beim Bauern ein. Ich merke den Unterschied im Geschmack nicht immer, aber meine Frau schwört darauf – auch, weil es gesünder ist. Mir gefällt, dass auch Supermärkte immer mehr regionale Produkte anbieten. Ich gehe aber auch gerne auf Märkte."

Leonhard Huber (74), Rentner

Nichts Gespritztes

"Ich esse weniger Fleisch als früher – aber wenn, dann setze ich auf Qualitätsprodukte aus der Region. Das kostet mehr, aber das gönne ich mir. So auch beim Obst und Gemüse: Ich möchte es nicht gespritzt essen, daher kaufe ich es selten im Supermarkt, sondern lieber in Gärtnereien."

Dorothea Obermeier (67), Rentnerin, Laim

Wir lieben die Frische

"Fleisch, Obst und Gemüse kaufen wir nie beim Discounter, sondern bei kleineren Märkten und regionalen Metzgereien. Besonders bei Eiern schmeckt man die Frische – das lieben wir. Beim Fleisch ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wer regional kauft, der weiß wenigstens noch, woher die Kuh kommt. Abgepackt schmeckt es nicht so gut."

Erwin Vogl (60, selbstständiger Computerfachmann) und Frau Gabriele (53) 

Spürbar besser

"Ich kaufe gerne am Obst- und Gemüsestand ein, das schmeckt einfach spürbar besser. Regionale Produkte haben aus meiner Sicht viele Vorteile: Zum Beispiel entfallen die Transportwege – die Produkte kommen oft direkt vom Erzeuger. Ich vertraue der Qualität und fühle mich auch gut dabei, mit meinem Einkauf die Region zu unterstützen."

Michael Ruml (44), Sozialarbeiter, Schwanthalerhöhe

Qualität aus Bayern - registrierte Produkte

Fränkischer Grünkern: Obst, Gemüse und Getreide, veröffentlicht am 18.11.2014

Weißlacker / Allgäuer Weißlacker: Käse, veröffentlicht am 15.10.2014

Bayerische Breze / Bayerische Brezn / Bayerische Brez’n / Bayerische Brezel: Backwaren, feine Backwaren, Süßwaren oder Kleingebäck registriert am 21.2.2014

Bamberger Hörnla / Bamberger Hörnle / Bamberger Hörnchen: Obst, Gemüse und Getreide, unverarbeitet und verarbeitet; registriert am 5.10.2013

Spargel aus Franken/Fränkischer Spargel/Franken-Spargel: Obst, Gemüse und Getreide, unverarbeitet und verarbeitet; registriert am 15.3.2013

Aischgründer Karpfen: Fisch, Muscheln und Schalentiere, frisch und Erzeugnisse daraus; registriert am 24.11.2012;

Abensberger Spargel/Abensberger Qualitätsspargel: Obst, Gemüse und Getreide, unverarbeitet und verarbeitet; registriert am 8.11.2012

Fränkischer Karpfen / Frankenkarpfen / Karpfen aus Franken: Fisch, Muscheln und Schalentiere, frisch und Erzeugnisse daraus; registriert am 31.10.2012

Hofer Rindfleischwurst: Fleischerzeugnisse (erhitzt, gepökelt, geräuchert usw.); registriert am 4.2.2011

Schrobenhausener Spargel/Spargel aus dem Schrobenhausener Land/Spargel aus dem Anbaugebiet Schrobenhausen: Obst, Gemüse und Getreide, unverarbeitet und verarbeitet; registriert am 9.10.2010

Hopfen aus der Hallertau: Andere unter Anhang I fallende Erzeugnisse (Gewürze usw.); registriert am 7.05.2010

Bayerischer Meerrettich, Bayerischer Kren: Obst, Gemüse und Getreide, unverarbeitet und verarbeitet; registriert am 10.10.2007

Münchener Bier: Bier, registriert am 4.10.2007

Nürnberger Bratwürste; Nürnberger Rostbratwürste:  Fleischerzeugnisse (erhitzt, gepökelt, geräuchert usw.); registriert am 16.7.2003

Oberpfälzer Karpfen: Fisch, Muscheln und Schalentiere, frisch und Erzeugnisse daraus; registriert am 22.8.2002

Bayerisches Bier: Bier, registriert am 5.7.2001

Hofer Bier: Bier, registriert am 18.7.1998

Kulmbacher Bier: Bier, registriert am 18.7.1998

Mainfranken Bier: Bier, registriert am 18.7.1998

Reuther Bier: Bier, registriert am 21.3.1998

Allgäuer Emmentaler: Käse; registriert am 24.1.1997

Allgäuer Bergkäse: Käse, registriert am 24.1.1997

Nürnberger Lebkuchen: Backwaren, feine Backwaren, Süßwaren oder Kleingebäck; registriert am 2.7.1996

Antrag eingereicht:

Bayerisches Rindfleisch / Rindfleisch aus Bayern: Fleisch (und Schlachtnebenerzeugnisse), frisch; eingereicht am 7.4.2014

Bayerisches Bier: Bier; eingereicht am 4.4.2014

Bayerischer Honig / Honig aus Bayern: Sonstige Erzeugnisse tierischen Ursprungs (Eier, Honig, verschiedene Milcherzeugnisse außer Butter usw.); eingereicht am 20.3.2013

Bayerischer Obazda / Obazda / Bayerischer Obazter / Obazter: Käse; eingereicht am 13.12.2012

Oktoberfestbier: Bier, eingereicht am 23.8.2012

Allgäuer Sennalpkäse: Käse, eingereicht am 11.10.2011

Wolfgang de Ponte, Andreas Thieme

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