Das sind die zehn größten Ängste

Diese Krankheiten fürchten die Bayern

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Hilflos, in kritischem Zustand: Viele Bayern fürchten sich vor schweren Erkrankungen oder Verletzungen.

München - Welche Krankheiten die Bayern am meisten fürchten, das haben die Meinungsforscher des Forsa-Instituts jetzt im Aufrag der Krankenkasse DAK ermittelt. Zum Ergebnis der Umfrage liefert die tz hier den Fakten-Check:

Eben noch steht man mit beiden Beinen fest im ­Leben – und plötzlich ist nichts mehr so, wie es einmal war: Die Vorstellung, schwer krank oder verletzt zu werden, jagt vielen Menschen eine Heidenangst ein. Welche Krankheiten die Bayern am meisten fürchten, das haben die Meinungsforscher des Forsa-Instituts jetzt im Aufrag der Krankenkasse DAK ermittelt. Zum Ergebnis der Umfrage liefert die tz hier den Fakten-Check: Renommierte Münchner Ärzte informieren, wie gefährlich beziehungsweise wie häufig die zehn größten Gesundheits-Ängste wirklich sind.

1. Krebs

Angstquote 69 % der Befragten. Bei diesem Volksleiden gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht – die gute zuerst: „Die Heilungschancen haben sich in den letzten zehn bis 15 Jahren bei vielen Tumorarten erheblich verbessert“, berichtet Prof. Dr. Günter Schlimok, Präsident der Bayerischen Krebsgesellschaft (Foto). Das spiegelt sich auch in der Statistik wider: 61 % der Männer und 67 % der Frauen sind fünf Jahre nach der Erstdiagnose noch am Leben. Jetzt die schlechte Nachricht: „Die Patientenzahl wird weiter steigen, weil es sich überwiegend um eine Alterserkrankung handelt“, weiß Schlimok. Für 2014 sagen die Spezialisten eine halbe Million Neuerkrankungen voraus.

2. Unfall mit schweren Verletzungen

Angstquote 49 %. Vor einem schweren Unfall ist natürlich niemand gefeit, aber: Die Medizin hat auch hier viel dazu gelernt, kann den Opfern besser helfen. „Vor allem die Behandlungstaktik ist immer weiter verfeinert worden. Damit ist auch die Prognose, nach einem schweren Unfall wieder auf die Beine zu kommen, in den vergangenen 15 Jahren deutlich besser geworden“, sagt der Intensivmediziner Prof. Dr. Rudolf Hipp (Foto). „Insgesamt ist die Versorgungslage in Deutschland gut, aber es gibt schon gewisse Unterschiede. Die besten Chancen hat man, wenn man nach einem Unfall schnell in eine Spezialklinik kommt. Solche Zentren gibt es in Ballungszentren häufiger als in abgelegenen ländlichen Regionen.“

3. Alzheimer und Demenz

Angstquote 47 %. Die Krankheit ist nach wie vor unheilbar – und die Zukunftsaussicht unheilvoll. „Bis 2050 wird sich in Bayern die Zahl der Erkrankten auf 433 000 verdoppeln“, erklärt DAK-Landeschef Gottfried Prehofer (Foto). Die größte Angst haben die Bayern übrigens davor, aufgrund von Demenz zum Pflegefall zu werden – 76 Prozent fürchten dies.

4. Schlaganfall

Angstquote 44 % Der Gau im Gehirn erwischt jährlich 250 000 Deutsche. „Das Risiko wird oft unterschätzt“, warnt Prof. Dr. Hans-Henning Eckstein, Chef der Gefäßchirurgen am Klinikum rechts der Isar. „Wenn man Alarmzeichen wie Sehstörungen, Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche bemerkt, sollte man rasch zum Arzt gehen. Wenige Stunden können entscheidend sein, ob sich ein Schlaganfall-Patient wieder erholt oder zum Pflegefall wird.“

5. Herzinfarkt

Angstquote 39 %. „Auch wenn die Sterblichkeit dank verbesserter Behandlungen in Krankenhäusern sinkt – der Herzinfarkt ist nach wie vor die häufigste Todesursache“, so Prof. Dr. Christian Hengstenberg (Foto) vom Herzzentrum. Jedes Jahr sterben 70 000 Patienten daran. „Alarmierend sind vor allem plötzlich auftretende Brustschmerzen, die über Minuten anhalten.“

6. Schwere Virus-Epidemie

Angstquote 29 %. Seuchen wie Ebola können auch in Deutschland zu einem ernsten Problem werden, davon ist jedenfalls der erfahrene Internist und Viren-Experte Prof. Dr. Georg Vogel (Foto) überzeugt: „Mit jedem Flugzeug aus einem der afrikanischen Infektionsgebiete landet die Gefahr einer Ausbreitung auch bei uns. Hundertprozentiger Schutz ist nicht möglich.“ Das zeige sich auch an regelmäßigen Epidemien wie durch Influenza-Viren. „Jedes Jahr sterben in Deutschland 8000 Patienten an Grippe“, mahnt Vogel. Sein Appell: „Jeder sollte sich gegen Grippe impfen lassen!“

7. Psychische Erkrankung

Angstquote 25 %. „Die Quote entspricht durchaus der Realtität“, sagt der Psychiater Dr. Werner Kissling (Foto), Chef des Zentrums für Disease Management der TU München. „Denn wir wissen, dass 30 Prozent der Deutschen mindestens einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung leiden. „Wenn man die psychosomatischen Erkrankungen einrechnet, kommt man sogar auf 50 Prozent.“ Die Zahl der Krankschreibungs-Tage in der Arbeitswelt aufgrund psychischer Leiden sei in den letzten 15 Jahren um satte 165 Prozent gestiegen. Dabei, so Kissling, ließen sich auch psychische Erkrankungen gut behandeln.

8. Schwere Lungenerkrankung

Angstquote 19 %. Den größten Schrecken verbreitet der Lungenkrebs – bei männlichen Krebspatienten ist er die häufigste Todesart (35 000 Opfer im Jahr 2010). „Aber leider erkranken auch zunehmend Frauen daran“, weiß der Internist Privatdozent Dr. Rainald Fischer (Foto). 17 000 Patientinnen starben 2010 daran. Und insgesamt wurden für 2014 über 56 000 Neuerkrankungen in Deutschland prognostiziert. Darüber hinaus leiden immer mehr Menschen an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). „Im schlimmsten Fall versagt die Atmung. Die Todesrate bei COPD-Fällen steigt weltweit“, erläutert Dr. Fischer. Größte Risikoquelle: das Rauchen!

9. Diabetes

Angstquote 15 %. „Viele Patienten realisieren gar nicht, wie gefährlich diese Erkrankung werden kann“, warnt Prof. Dr. Martin Halle (Foto), Chef des Zentrums für Prävention an der TU München. „Diabetes zerstört die Innenschicht der Gefäße. Das ist ein schleichender Prozess, aber dessen Folgen können brutal sein. Sie reichen vom Herzinfarkt über Nierenversagen bis zu Amputationen.“

10. Geschlechtskrankheiten

Angstquote 10 %. „Immer wieder kommen Patienten, die sich die Bakterienart Chlamydien eingehandelt haben, und auch die Syphilis-Fälle nehmen wieder zu“, berichtet der Urologe Dr. Axel-Jürg Potempa (Foto). Generell gilt: „Viele Geschlechtskrankheiten sind riskant. Sie können bei Männern und bei Frauen Unfruchtbarkeit verursachen.“

Andreas Beez

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