Vier Jahre Knast

Er entführte eine Gehbehinderte in ihrem VW

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Nach dem Geldabheben ging es in den Urlaub: Stefan T.

Würzburg - Räuber Stefan T. hat 2013 eine gehbehinderte Frau in deren VW entführt, ihr die EC-Karte abgenommen und ausgesetzt. Jetzt wurde dem 48-Jährigen endlich der Prozess gemacht.

Er entführte eine gehbehinderte Rentnerin mit Messergewalt in einen Wald, setzte sie aus und flog mit ihrem Geld nach Mallorca – nun bekam Räuber Stefan T. (48) vom Landgericht Würzburg für sein Verbrechen die Quittung: Vier Jahre Haft für den arbeitslosen Dachdecker, den eine Fahndung über "Aktenzeichen XY" zu Fall brachte.

Im Juli 2013 war T. ins Auto der Seniorin Inge M. (77) gestiegen und hatte sie gezwungen, mit ihm in ein abgelegenes Waldstück bei Lohr zu fahren. Dort fesselte er Inge M., setzte sie auf eine Decke und fuhr mit ihrem VW Polo und ihrer EC-Karte davon. Sein Opfer musste sich mit Gehhilfen drei Kilometer zum nächsten Ort quälen, um Hilfe zu holen. „Heute tut mir das alles leid“, sagte Stefan T., als er im Landgericht Würzburg auf seine Geisel von damals traf. „Das kommt zu spät“, tadelte ihn Inge M. Sie leide noch heute an Schlafstörungen – obwohl sie die Tortur am Tattag rein körperlich gut überstand hatte.

Darum kam der Räuber beim Würzburger Richter milde davon

Direkt nach dem Überfall hob T. 1025 Euro von Inge M.s Konto ab und floh nach Spanien. Daheim in Deutschland lief dank der Überwachungskameras in der Bank längst die Fahndung. Sein ehemaliger Chef erkannte bei "Aktenzeichen XY … ungelöst" den Ex-Angestellten, nach dessen Ankunft auf dem Flughafen Frankfurt klickten sofort die Handschellen.

Weil Stefan T. in seinem bisherigen Leben noch nie straffällig geworden war und ein Gutachter ihm eine depressive Episode in einer Lebenskrise bescheinigte, kam er beim Würzburger Richter milde davon. „Einen wie Sie erleben wir hier selten“, befand der Vorsitzende Claus Barthel. Deshalb blieb er in seinem Urteil auch unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Er hielt Stefan T. zugute, dass er seinem Opfer noch eine Flasche Wasser hingestellt und nach Gegenwehr der Rentnerin davon abgelassen hatte, ihr eine Plastiktüte über den Kopf zu stülpen.

Stefan T. hat das Urteil inzwischen angenommen. Und Inge M. hat endlich ihren geraubten VW Polo wieder – ihr größtes Glück: „Endlich Auto fahren, darauf freue ich mich am meisten.“

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