Etappensieg für Familie

Dieser Rottweiler darf wieder heim

+
Wieder vereint: Margit (57) und Wolfgang (67) Seidelmann holen ihre Hündin Mona heim.

München - Zwei Jahre haben Margit und Wolfgang Seidelmann auf diesen Tag gewartet: Endlich holen sie ihre Rottweiler-Dame Mona aus dem Münchner Tierheim zurück.

 Daheim ist das Paar in Bad Kohlgrub (Kreis Garmisch-Partenkirchen). Doch genau da liegt das Problem. Denn dem Kurort sind Kampfhunde ein Dorn im Auge. Die Gemeinde verlangt deshalb 2000 Euro Kampfhundesteuer im Jahr von den Besitzern. Unbezahlbar, sagen die Seidelmanns. Hergeben wollen sie Mona aber auch nicht. Seit dreieinhalb Jahren streiten sie deshalb vor Gericht mit der Gemeinde. Rückendeckung gibt ihnen der Tierschutzverein München.

2011 nimmt die Misere ihren Anfang. Weil ihr erster Hund – ebenfalls ein Rottweiler – stirbt, nehmen die Seidelmanns die damals 18 Monate alte Mona bei sich auf. Zur selben Zeit erhöht der Bad Kohlgruber Gemeinderat die Steuer für Kampfhunde auf 2000 Euro im Jahr. Ein Schock für die Seidelmanns. Sie protestieren: „Das ist nicht gerecht.“ Das Paar fühlt sich persönlich angegriffen. „Die Bad Kohlgruber wechseln die Straßenseite, wenn wir kommen“, berichten die beiden.

Das Paar geht auf die Barrikaden. Zusammen mit dem Münchner Tierschutzverein ziehen sie vor das Münchner Verwaltungsgericht. Die Klage wird abgelehnt. In zweiter Instanz fahren die Kläger vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht einen Erfolg ein. Doch das Dorf bleibt sturr und legt Revision ein. Mona lebt mittlerweile im Münchner Tierheim, die Seidelmanns sind als Pflegefamilie eingetragen – so müssen sie die Steuer nicht zahlen. Im dritten Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gibt’s dann wieder eine neue Urteils-Variante: Bad Kohlgrub darf für Kampfhunde mehr Geld fordern, aber nicht 2000 Euro. Die Schmerzgrenze liegt laut Beschluss bei 1000 Euro.

Jetzt darf Mona also endlich wieder heim – aber der Streit ist noch nicht beigelegt. Jetzt sind wieder die Räte am Zug: Lenken sie ein, senken sie die Steuer? Wenn ja, um wie viel? Für die Seidelmanns wären auch 1000 Euro zu viel – Mona müsste dann wieder ins Tierheim.

Listenhunde: Die zwei Kategorien

Kann man einen Hund wegen seines Aussehens, seiner Fellfarbe, seiner Größe oder seines Gebisses als gefährlich einstufen? Der Freistaat sagt: Ja! Seit 1992 werden Hunde, die als besonders gefährlich oder aggressiv gelten, in zwei Kategorien unterschieden. Hunde der Kategorie eins sind in Bayern strikt verboten. Dazu gehört der American-Pit-Bullterrier. Zu den Rassen der Kategorie 2, die als potenziell gefährlich gelten, gehört neben 13 anderen der Rottweiler. Um diese so genannten „Listenhunde“ halten zu dürfen, ist ein Gutachten nötig, das die Ungefährlichkeit des einzelnen Hundes bestätigt. Kurt Perlinger, Vorsitzender des Münchner Tierschutzvereins, hält die Listen-Methode für „eine bodenlose Ungerechtigkeit gegenüber Hunden“. Er spricht von „Diskriminierung“.

Tierheim-Leiterin Sandra Giltner pflichtet ihm bei: „Diese Hunde bekommen einen Stempel aufgedrückt und werden sofort einem bestimmten Milieu zugeordnet.“ Dass einige Kommunen für Kampfhunde mehr Steuer verlangen als für normale Hunde (ca. 80 Euro), bezeichnen beide als „Geldmacherei“. Nicht jedes Tier, das als Bestie bezeichnet wird, sei gefährlich. Giltner: „Ein Rottweiler verhält sich nicht groß anders als ein Schäferhund.“

A. Capasso

auch interessant

Meistgelesen

Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
In München und dem westlichen Oberbayern: Warnung vor Glatteis
In München und dem westlichen Oberbayern: Warnung vor Glatteis
Bis minus 17 Grad: So eisig wird es diese Woche in Bayern
Bis minus 17 Grad: So eisig wird es diese Woche in Bayern
Meridian lässt Unglückszüge von Bad Aibling nachbauen
Meridian lässt Unglückszüge von Bad Aibling nachbauen

Kommentare