Wirte werden in Pandemie kreativ

Dinner-Abend im Wohnmobil

Auszubildende Sophia Albrecht und Wohnmobil-Experte Eduard Trotter stoßen im Wohnmobil mit dem Brauhaus-Bier an
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Brauhaus-Besuch mal anders: Die Auszubildende Sophia Albrecht hat sich ein Konzept überlegt, das auch in der Pandemie funktioniert: Dinner im Wohnmobil. Die Fahrzeuge stellte ihr Eduard Trotter zur Verfügung.

Die Wirte in Bayern dürfen in der Vorweihnachtszeit niemanden bewirten – doch sie werden kreativ. Und finden neue Möglichkeiten, ihren Gästen etwas zu bieten. Zum Beispiel ein Drei-Gänge-Menü im Wohnmobil. Diese Idee einer 19-jährigen Auszubildenden kommt gut an.

  • Auszubildende im Schongauer Brauhaus entwickelt kreatives Corona-Konzept
  • Gäste bekommen Drei-Gänge-Menü ins Wohnmobil geliefert
  • Andere Wirte werden ebenfalls kreativ

Sophia Albrecht hat ein beneidenswertes Talent: Sie schafft es fast immer, in schwierigen Situationen eine Chance zu erkennen. Als Auszubildende im Event-Bereich kann sie diese Fähigkeit in Pandemie-Zeiten nicht nur gut gebrauchen – sondern auch hemmungslos ausleben. Denn sie arbeitet für die Oberland Gastronomie GmbH, die in Schongau das Brauhaus betreibt. Die Wirtin ist ihre Mutter, der Brauer ist ihr Bruder. Wie in allen Gastronomie-Betrieben ist dort die Bewirtung der Gäste aktuell nicht erlaubt – und daran wird sich auch die nächsten Wochen nichts ändern. Doch ein Lieferservice ist erlaubt. Und das hat der 19-Jährigen gereicht, um eine Idee zu entwickeln.

„Wir haben auch in der Küche eine Auszubildende“, berichtet sie. „Und es wäre für uns Azubis wirklich schlimm, monatelang in Kurzarbeit geschickt zu werden.“ Also hat sie sich Gedanken gemacht – und ein Konzept ausgearbeitet, dass den Lieferservice etwas attraktiver macht und gleichzeitig zeigt, dass Veranstaltungen mit Abstand und Einhaltung der Corona-Regeln möglich sind. Ihre Idee: ein Wohnmobil-Dinner. Ganz neu ist die Idee nicht, ein paar Gastronomen in Deutschland bieten bereits an, dass Gäste mit einem Wohnmobil zu ihnen kommen und Essen bestellen können. Sophia Albrecht hat diese Idee noch etwas ausgebaut. Sie kennt einen Stammgast, der Wohnmobile vermietet: Eduard Trotter. „Er war sofort begeistert von meiner Idee und hat mir Unterstützung angeboten.“

Vielleicht bewähren sich einige Ideen ja so gut, dass sie Corona überdauern werden.

Sophia Albrecht

Die 19-Jährige wird aus dem Brauhaus-Parkplatz am kommenden Wochenende einen Wohnmobil-Biergarten machen. Gäste können ein Wohnmobil mieten und bekommen dorthin ein Drei-Gänge-Menü serviert. Auch ein Sechser-Pack Brauhaus-Bier ist im Preis von 37,75 Euro inbegriffen. Und natürlich die anschließende Wohnmobil-Reinigung. „In einem Wohnmobil haben sechs Leute Platz“, erklärt Albrecht. Wenn zwei Haushalte zusammen essen möchten, dürfen es nicht mehr als fünf Personen sein. „Natürlich können Gäste auch mit ihrem eigenen Wohnmobil kommen und sich Essen liefern lassen“, sagt sie. Es wird nicht in Plastikverpackung als To-Go-Variante gebracht – sondern auf schönen Porzellantellern unter einer Servierglocke, erklärt Albrecht. Dazu kommt ein adventliches Ambiente. „Wir werden den Parkplatz mit Lichterketten, Feuerschalen und Weihnachtsdeko ausstatten“, kündigt sie an. „Außerdem wird es weihnachtliche Musik geben.“ Ab sofort sind Anmeldungen dafür möglich (Telefon 0 88 61/9 33 62 22). Da Albrecht aber schon einen Tag nach ihrer Ankündigung auf Facebook die ersten Anfragen bekommen hat, plant sie bereits über den ersten Advent hinaus. „Wenn die Idee gut angenommen wird, könnten wir das auch an den folgenden Wochenenden anbieten“, sagt sie.

Auch andere Gastronomen in Bayern lassen sich durch den verlängerten Teil-Lockdown nicht unterkriegen – und werden kreativ. Die Zauberhütte in Peiting hat ein ganz ähnliches Konzept ausgearbeitet. Auch dort können die Gäste in Wohnmobilen essen – entweder ein Candle Light Dinner oder à la carte. Das Restaurant liegt so abgelegen, dass sich ein To-go-Konzept nicht rentiert hätte, sagt Chef Robert Astleitner. Peter Weihrer, der Wirt des Rotwandhauses im Kreis Miesbach hingegen setzt auf das Mitnahme-Angebot. Statt seine Hütte zuzusperren, bietet er für Wanderer Kaiserschmarrn to go an. Serviert durchs Fenster. Und der Landshuter Gastronom Patrick Schmidt hat den Biergarten seiner Gaststätte Zollhaus in einen Drive-in-Christkindlmarkt verwandelt – mit mehr als hundert Christbäumen, tausend Lichtern und einer Kunstschnee-Kanone. Die Besucher fahren im Auto durch die weihnachtliche Kulisse und werden mit Maroni, Bratwurst oder anderen Schmankerln versorgt.

Die Event-Auszubildende Sophia Albrecht findet es schön zu sehen, wie kreativ die Wirte überall werden. „Die Krise ist eine Chance, Neues auszuprobieren“, sagt sie. „Vielleicht bewähren sich einige Ideen ja so gut, dass sie Corona überdauern werden.“

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