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Dorfwirtshaus wegen wilder Ehe geschlossen

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Der Traum von der Dorfkneipe (Symbolfoto) ist für Vittorio Capezzuto (24) und seine Freundin Franziska geplatzt © dpa

Neualbenreuth - Ja, leben wir denn noch im Mittelalter? Im oberpfälzischen Neualbenreuth sind die Menschen sauer auf den katholischen Pfarrer.

Der Pfarrer verweigert einem jungen Paar die Unterschrift unter den Pachtvertrag für das Dorfwirtshaus – weil sie nicht verheiratet sind!

Die „Bruder Claus Stuben“ sind das Sorgenkind der 1600-Seelen-Gemeinde. Seit einem Jahr steht das schmucke Gasthaus schon leer. Umso glücklicher war Bürgermeister Albert Köstler, als Vittorio Capezzuto (24) und seine Freundin Franziska Interesse an dem Objekt zeigten. Capezzuto hat schon in der renommierten Graugans in Köln gekocht und im 5-Sterne Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe bei Heilbronn. Aber das ist nicht alles. Capezzuto stammt aus der Oberpfalz und würde nun gern zurück in die Heimat kommen. Für Köstler „ein echter Glücksfall“.

Und tatsächlich schien schnell alles perfekt. Die Gemeinde erteilte umgehend die Schanklizenz, Vittorio Capezutto schrieb schon die Speisekarte – doch dann griff Pfarrer Andreas Hörbe ein. Der ist nämlich der Hausherr des Wirthauses, da die „Bruder Claus Stuben“ der Kirche gehören. Als er hörte, dass Capezzuto und seine Freundin nicht verheiratet sind, verweigerte er die Unterschrift unter den Pachtvertrag. Ihre Verbindung entspreche nicht der Würde ehelichen Lebens, wetterte er. Seitdem sind die Fronten verhärtet.

In Neualbenreuth schütteln die Menschen darüber nur den Kopf. Das Pfarrer-Veto tut weh. Denn zu den „Bruder Claus Stuben“ gehört auch der gemeindeeigene Theatersaal. Der bleibt jetzt weiter unbewirtschaftet. Doch Bürgermeister Köstler gibt nicht auf. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde beschlossen, die Kirchenverwaltung möge doch prüfen, ob man Hochwürden nicht von seiner schweren Gewissensentscheidung entbinden könne. Vielleicht ja mit der Unterstützung des Bischofs. Doch im Regensburger Ordinariat denkt man gar nicht daran, in den Streit einzugreifen.

Ein Bistumssprecher betonte gegenüber der tz: „Das ist einzig und allein die Entscheidung von Pfarrer Hörbe.“ Den Vorschlag, doch einfach zu heiraten, lehnen Vittorio Capezzuto und seine Franziska übrigens kategorisch ab. Ein Pachtvertrag wäre dafür wohl sogar aus Sicht von Pfarrer Hörbe das falsche Motiv. vorstellen kann sich das Paar aber ein gemeinsames Glück mit Trauschein durchaus – allerdings erst mit 80. „Dann heiraten wir auf Honolulu in Boxershorts“, gestanden sie in der BR-Sendung quer.

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