Drei Politiker erklären ihr Lieblings-FJS-Zitat

Unvergessene Worte des "Meisters der Rhetorik"

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München - Zu seinem 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß verraten Günther Beckstein und Erwin Huber, welches Zitat des verstorbenen bayerischen Ministerpräsidenten ihnen am besten gefällt. Und auch ein ehemaliger roter Gegner kommt zu Wort.

„Konservativ sein heißt, an der Spitze des echten Fortschritts zu stehen“ 

Ich habe FJS kennengelernt, als ich in den Landesvorstand der Jungen Union kam, dies war 1973. Er war eine beeindruckende Persönlichkeit bei seinen Analysen zur politischen Lage.

Günther Beckstein, Ministerpräsident a. D.

Grundlage seiner gesamten Politik war ein festes Wertefundament der christlichen Grundwerte: nicht die Bindung an eine Konfession – er war ein strenger, aber liberaler Katholik – sondern die traditionellen Fundamente, die aus Christentum, Humanismus und der Aufklärung geprägt waren, waren ihm wichtig: Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit, aber nicht als Gleichmacherein, sondern als Chancengleichheit verstanden.

Alle Veränderungen als Chancen zu verstehen und sie zu gestalten, das sei Hauptaufgabe der Politik, lernte ich. Aber die Grundlage des festen Wertefundamentes zu bewahren, war ihm ein Herzensanliegen, auch in scharfer Abgrenzung gegen den (linken) Zeitgeist. Und hier verlangte er von Politikern der Union, gerade auch von jungen Leuten – mehr Mut und kritisierte stets Versuche, sich mit anbiedernden Äußerungen das Wohlwollen der veröffentlichten Meinung zu erkaufen. Die Kraft der CSU und die Stärke Bayerns sind ihm mehr als irgend einem anderen zu verdanken.

„Bayern ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland, Europa unsere Zukunft“. 

Erwin Huber, Ex-CSU-Vorsitzender.

Dieser Satz von Franz Josef Strauß ist ein politisches Vermächtnis. Es geht um einen Dreiklang. Gemeinsam sind das die drei Säulen für unser Weltbild. Bayern sah Strauß als unsere Wurzel, da sind wir daheim, das ist unser Fundament. Allerdings: nur noch Bayern im Kopf, das entspricht bestimmt nicht seinem Geist! Denn FJS war ein deutscher Patriot. Titanenhaft kämpfte er für die deutsche Einheit. Mit dem Gang zum Bundesverfassungsgericht, den sonst keiner wagte, hielt er rechtlich die deutsche Frage offen. Sein Auftrag für uns heute: diese Einheit gestalten, und zugleich deutsche Politik im Verbund und auf gleicher Augenhöhe mit der CDU. FJS war Europäer mit Herzblut. Bruderkriege der europäischen Völker wollte er für immer unmöglich machen. Deshalb war er ein leidenschaftlicher Verfechter des europäischen Einigungswerks. Die CSU sah er nie als bayerische Regionalpartei, sondern als Bewegung zugleich für Bayern, Deutschland und Europa. In seinem Sinne ist mir das Verpflichtung!

Ich denke immer an FJS, wenn ich am Flughafen bin, der seinen Namen trägt. Ohne seine Weitsicht und seinen Mut gäbe es das Projekt nicht.

„Ich weiß, dass ich ein führendes Mitglied des Vereins für deutliche Aussprache bin.“

Ludwig Stiegler, SPD-Landeschef, SPD-MdB (1980-2009).

De mortuis nil nisi bene, diesen schon von den Griechen übernommenen Grundsatz würde der altphilologisch geprägte FJS sicher sofort bestätigt haben. Also nur Gutes! Seine Kenntnis der „Alten“ hatte mich trotz mancher Gegnerschaft immer für ihn eingenommen. Keiner konnte das „pacta sunt servanda“ deutlicher aussprechen als er. Sein Bilderreichtum in der Rhetorik war ganz offensichtlich von der klassischen Rhetorik bereichert. Bibel und die Klassiker lieferten die Bilder, die aus den meisten seiner Reden einen Film in Worten machten. Für mich als bayerischen Dorfbuben war diese klare Rhetorik eher nachahmenswert als abzulehnen.

FJS war ein Meister der Sprache, vor allem der Metaphern und Bilder, die mehr sagten und mehr erklärten als ganze Abhandlungen. Ich habe mich in meiner aktiven Zeit, die sich über weite Strecken mit der Zeit des Wirkens von FJS überlagert hat, immer an den gleichen rhetorischen Regeln orientiert: Bilder und Polarisierung. Das fördert die Erkenntnis und vertreibt die Lauheit. Wir waren beide im Verein für deutliche Aussprache. Er könnte neue Mitglieder gebrauchen.

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