Geburtstagsfeier bei Ministerin

Dreifachmörder Roland S. und seine Kontakte zu Haderthauer 

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Spricht von guten Kontakten zum Ehepaar Haderthauer: Roland S.

München - Noch immer hält Ministerpräsident Horst Seehofer seine schützende Hand über Staatskanzleichefin Christine Haderthauer, deren Rolle bei den Geschäften mit psychisch kranken Straftätern in ein immer diffuseres Licht getaucht wird.

Tag für Tag gelangen neue, für sie unangenehme Details an die Öffentlichkeit. Schwer angeschlagen ist auch ihr in die Modellauto-Affäre verwickelter Ehemann Hubert, Landgerichtsarzt in Ingolstadt.

Im Mittelpunkt des Interesses stehen derzeit die skandalösen Zustände im Bezirkskrankenhaus (BKH) Ansbach. Dort wurden die sündhaft teuren Modellautos unter der Federführung von Roland S., eines mit genialen handwerklichen Fähigkeiten ausgestatteten Dreifachmörders, zwischen 1989 und 2000 produziert. Schon vor einem Jahr hatten die ungewöhnlichen Freizügigkeiten, die ihm im Hochsicherheitstrakt zuteil geworden waren, für Wirbel gesorgt. Sein Wochenendausflug nach Frankreich zum Beispiel, der ihm als eine von vielen Vergünstigungen erlaubt worden war und jetzt erneut in die Schlagzeilen geriet, wurde sogar im Landtag thematisiert.

Will eine saubere Aufarbeitung: Ministerpräsident Horst Seehofer hält noch zu seiner Staatskanzleichefin.

Nicht ganz klar ist, ob bei dem Auslandstrip, der zum Geschäftspartner der Hader­thauers, Roger Ponton, in das Elsass führte, auch ein Zusammentreffen des psychisch kranken Straftäters mit dem Ehepaar Hader­thauer dort stattfand. Während sich Gastgeber Ponton aufgrund des weit zurückliegenden Datums im Jahr 1993 nicht mehr ganz sicher ist, kann sich Dreifachmörder Roland S., der sich damals in Begleitung eines BKH-Pflegers, eines privat auftretenden Polizeibeamten und dessen Ehefrau befand, noch gut daran erinnern. „Die Haderthauers“, sagte er der tz, „kamen am Samstag im Lauf des Vormittags an und blieben bis zum Abend. Dann fuhren sie weiter zu einem Verwandten.“ Christine und Hubert Haderthauer bestreiten dagegen ein derartiges Zusammentreffen.

Wie internen Papieren des Bezirks und der Klinik zu entnehmen ist, durfte der nach Paragraph 63 untergebrachte Chefkonstrukteur, ohne den die Produktion der hochwertigen Modellautos nicht möglich gewesen wäre, die Klinik oft auch an der Seite Hubert Haderthauers verlassen. „Wir haben Messen besucht, machten Ausflüge nach Oberbayern oder trafen uns mit den Geschäftspartnern zum Essen“, beschreibt er die Freizügigkeiten. Dazu gehörte seiner Darstellung zufolge sogar der Besuch im Privathaus der Haderthauers in Ingolstadt. In einer früheren Erklärung hat Christine Hader­thauer angegeben, sich nicht an diesen Besuch erinnern zu können. Roland S. dagegen erinnert sich auch noch an den Anlass eines gemeinsamen Essens mit der heutigen Ministerin und ihrem Mann: „Ich war eingeladen, um meinen Geburtstag nachzufeiern.“

In den Unterlagen des Bezirks finden sich Aussagen aus der Chefetage des BKH, die besagen, dass die Ausgänge von Roland S. von Anfang an auch von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Nürnberg genehmigt worden seien. Das kann Behördensprecherin Antje Gabriels-Gorsolke so nicht bestätigen. „Aus unseren Unterlagen geht hervor, dass erstmals im Sommer 1994 von der Klinik eine entsprechende Anfrage kam. In den nächsten eineinhalb Jahren wiederholte sich dies vier- oder fünfmal, danach wurde von unserer Seite aus auf eine entsprechende Unterrichtung verzichtet, da es offensichtlich keine Probleme gegeben hat.“ Gabriels-Gorsolke wies allerdings auch darauf hin, dass ihre Behörde in solchen Fällen lediglich angehört werde und keine endgültige Entscheidung treffe. „Ob ein Ausgang letztendlich genehmigt wird, liegt in den Händen der Klinikärzte“, sagte sie.

Christine und Hubert Haderthauer waren Gesellschafter der Firma Sapor Modelltechnik, die die Autos produzieren ließ. Die Ministerin erklärte wiederholt, dass sie nie eine aktive Rolle bei den operativen Geschäften gespielt habe und lediglich stille Teilhaberin gewesen sei. Ihre früheren Geschäftspartner stellen dies allerdings komplett anders dar. Auch in einem jetzt aufgetauchten Gutachten, das der Bezirk Mittelfranken 1999 in Auftrag gab und das der tz vorliegt, wird sie als Geschäftsführerin bezeichnet.

In Zusammenhang mit den Modellauto-Geschäften laufen gegen Christine Haderthauer und ihren Mann staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Betrugsverdachts, gegen Hubert Hader-thauer auch wegen möglicher Steuerdelikte. Der Spiegel berichtet in seiner neuen Ausgabe, dass gegen den Gatten der Ministerin ein weiteres Verfahren eingeleitet werden soll. Dabei geht es um undurchsichtige Abrechnungen in seiner Tätigkeit als Landgerichtsarzt.

Unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen äußern sich Christine und Hubert Hader-thauer derzeit nicht zu den Vorwürfen.

Ministerpräsident Horst Seehofer hält derweil seiner Staatskanzleichefin noch die Treue. Er sieht derzeit noch keinen Handlungsbedarf. „Klärung, Bewertung und Entscheidung werden in einem Verfahren durchgeführt, das rechtsstaatlichen Maßstäben genügt“, sagte er in einem Interview mit der Welt am Sonntag. Vor einer Woche hatte Seehofer noch das Krisenmanagement von Hader­thauer kritisiert und eine rasche Aufklärung gefordert. Die Bayern-SPD sieht in der Affäre zunehmend Seehofer selbst beschädigt. „Die Fakten gegen Hader­thauer reichen für drei Rücktritte, doch der Ministerpräsident rührt keine Hand“, sagte Markus Rinderspacher, Chef der SPD-Landtagsfraktion. Die Entlassung der umstrittenen Ministerin sei überfällig.

Seehofer sieht weiterhin keinen Handlungsbedarf

Fragen und Antworten zum Fall Haderthauer

hr

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