Für mehr Urlauber

Die Touri-Jagd am Tegernsee

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Am Pool des Lanzerhofs sollen sich Reiche räkeln

Tegernsee - Die Tourismuszahlen sind rückläufig. Deshalb sollen Edel-Hotels und Feriendörfer in Tegernsee mehr Urlauber anlocken.

Wer durch Tegernsee schlendert, der denkt wohl meist das Gleiche: „Ein schönes Fleckerl Bayern ist das hier.“ Traumhaftes Bergpanorama, glitzerndes Wasser und dazu eine romantische Stille. Vielleicht gar ein bisserl zu staad? Tatsache ist: Der Urlaubsort und sein Drumherum verlieren seit Jahren an zahlenden Touristen. Und genau das soll sich nun ändern: Diese Woche eröffnete am Berg ein riesiges Luxus-Hotel für Superreiche. Weitere sind schon in Planung. Dazu gibt’s bald ein Feriendorf am Ort und einen Neubau der Rehaklinik. Die Jagd auf die Touris ist eröffnet …

Wie hier geklotzt wird, zeigt das Beispiel Lanserhof. Das Erholungs-Hotel liegt bei Waakirchen, hoch über dem Tegernsee – und hat die Investoren satte 70 Millionen Euro gekostet. Für ein Doppelzimmer muss der Gast 350 Euro pro Nacht hinblättern, für eine Suite gar 1550. Wer dort wohnt? Das Stammhaus der Luxushotel-Kette besuchen Leute wie BMW-Erbin Susanne Klatten oder auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Mit dem Absegnen der Baupläne vor rund drei Jahren versprachen sich die Ortschaften am See, dass eben genau solche Promis nun vielleicht bald auch mal durch ihre Gemeinde schlendern. So ein Hotel „bringt jede Menge Aufmerksamkeit“, schwärmt da der Tourismuschef im Tegernseer Tal.

Aufmerksamkeit – das ist eben das Ziel, um den Bettenschwund in der Urlaubsregion endlich zu bremsen: Gab es im Jahr 2003 noch 11 179 Betten, waren es 2012 nur noch 10 072, wie die Tegernseer Zeitung recherchierte. Durch das neue Edel-Resort kommen nun 70 Zimmer hinzu – auf einem Areal von 21 000 Quadratmetern! Ein Grund, warum manche Anwohner das Haus als „völlig überdimensioniert und überzogen halten“. Zudem sei es schlichtweg „hässlich“.

Ja, nicht jedem gefällt die Offensive, um neue Gäste an den See zu locken. Auch um das Projekt Westerhof gibt es Ärger (tz berichtete). Der Traditionshof soll abgerissen und durch einen riesigen Neubau ersetzt werden. Statt 70 Betten stünden dann 300 zur Verfügung. Vom Stadtrat gab es dafür schon grünes Licht. Eine Entscheidung, über die die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal nur den Kopf schütteln kann: Das Hotel sei ein „Fremdkörper“. „Der Neubau degradiert das Kloster, das Tegernseer Wahrzeichen, zur Nebensache“, schimpft die Vorsitzende der Gemeinschaft, Angela Brogsitter-Finck. Trotzdem: Ende des Jahres soll Baubeginn sein.

Auch für Wirbel sorgen derzeit die Neubaupläne der Orthopädischen Klinik auf der Point. Die soll rundumerneuert werden, in ein sechstöckiges Gebäude. „Eine Verschandelung“ nennt das mancher Einheimische. Aber: Die Zahl der Betten würde auch hier steigen, was wiederum bedeutet, dass mehr Kurgäste nach Tegernsee kommen. Und weil auch Reha-Patienten Kurbeiträge zahlen, fließen so jährlich 89 000 Euro in die Stadtkasse.

Und für den Normal-Urlauber? Für den wird gerade an einer Feriensiedlung namens Almdorf gebaut – direkt zwischen Neureuth-Parkplatz und Kohlhaufhof. Sieben kleine, wie Bauernhöfe aussehende Ferienhäuser entstehen dort. Das passt ins idyllische Bild. Aber mit der Ruhe, mit der ist’s dann vielleicht wirklich vorbei…

age

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