Nachbar schildert dramatische Minuten

Ehemann wollte Frau töten: Zwei Zufälle retteten ihr Leben

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Hier spielte sich das Ehedrama ab.

Wiedergeltingen - Ein Ehedrama hat sich am Dienstag im Allgäu abgespielt. Ein Mann wollte seine Frau töten - doch die überlebte dank zweier Zufälle. Ein Nachbar schildert die dramatischen Minuten.

Zwei Zufällen hat Elke H. am Dienstag ihr Leben zu verdanken: Dass ein Zeuge Jehovas an ihrer Haustür im Paradiesweg in Wiedergeltingen geklingelt hat, und dass ihre Nachbarn zu Hause waren. Ansonsten hätte ihr Noch-Ehemann sie erschossen. So überlebte die 46-Jährige aus dem Unterallgäu die Attacke ihres Mannes verletzt und geschockt.

Am Dienstagvormittag habe es bei ihm Sturm geklingelt, erzählt ein Nachbar der tz. „Wie verrückt hat die geläutet.“ Als er der Frau öffnete, sei sie ins Haus gestürmt und habe gerufen: „Mach die Tür zu, mein Mann hat auf mich geschossen!“ Kaum ist sie im Haus, trommelt es gegen die Haustür und es klingelt erneut Sturm. „Das ist mein Mann!“, ruft Elke verzweifelt.

Die Haustür bleibt zu, und seine Frau sei mit der verletzten Nachbarin sofort ins obere Stockwerk, erzählt der Mann. Sie alarmieren die Polizei, versorgen die Wunden an der rechten Niere und an der rechten Hand. „Gott sei Dank waren das nur Streifschüsse.“

Elke H. erzählt geschockt, was sie in den Minuten zuvor zu Hause erleben musste. Seit Oktober ist sie nach rund zehn Jahren Ehe von ihrem Mann getrennt – er lebt im Erdgeschoss, sie im ersten Stock. Doch der 59-Jährige habe sie bedroht und sich eine Pistole besorgt. Am Dienstag muss die Situation eskaliert sein: Er habe ihr gesagt, dass er sie bis um 9 Uhr erschießen werde. Dass er dann ein Menschenleben auf dem Gewissen haben und die zwei Töchter von Elke H., die sie mit in die Ehe brachte, dann ihre Mutter verlieren würden, war ihm egal.

Es klingelte an der Tür - Frau nutzte die Chance

Und dann klingelt ein Zeuge Jehovas. Diese Gelegenheit nutzt die Frau zur Flucht. Ihr Mann schießt auf sie, zwei Kugeln streifen die Frau. Sie rennt quer über den Paradiesweg und läutet Sturm bei den Nachbarn. Die kennt sie gut. Und die sind zu ihrem Glück zu Hause. „Wir hätten ja bei einem Arzttermin sein können“, so der Nachbar.

Er habe in dem Moment überhaupt nicht realisiert, dass der wütende 59-Jährige auch auf ihn hätte schießen können, sagt der Nachbar, „erst später habe ich gedacht, dass ich ja hätte hin sein können.“ Als dann Polizeisirenen zu hören waren, verzog sich der Schütze. Er schoss sich in der Gartenlaube hinter seinem Haus eine Kugel in den Kopf.

Man habe ihn in dem 1400-Seelen-Ort Wiedergeltingen fast nie gesehen. „Der hat nicht gegrüßt und immer nur geradeaus geschaut“, beschreibt ihn der Nachbar. Er wisse nicht einmal seinen Vornamen: „Der hat nichts geredet, der war ein richtiger Eigenbrötler“. 

Volker Pfau

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