Weiße sind im Handel begehrter

Welches dieser beiden Eier war mal braun?

Erkennen Sie den Unterschied, welches Ei ursprünglich weiß war? Richtig, das rechte, zu sehen an den dunklen Sprenkeln.

Schongau - Eines ist klar: Kurz vor Ostern sind weiße Eier gefragt, nicht braune. Wer will schon düster gefärbte Kugeln im Osternest liegen haben?

Nein. Braune Eier kann um diese Zeit, kurz vor Ostern, wirklich kaum jemand gebrauchen. Die bleiben in ihren Schachteln im Supermarktregal zurück. Die weißen sind alle weg. Oder, die weißen schaffen es erst gar nicht bis in den Supermarkt. Zum Beispiel, wenn sie vom Fischerhof in Hohenfurch kommen.

Dort, bei Barbara und Jürgen Fischer, leben etwa 6000 Hühner, die täglich rund 5500 Eier legen. Rund 3500 davon sind braun und nur etwa 2000 Eier - das ist in diesem Fall viel wichtiger - sind weiß und heiß begehrt. „Das liegt an der Rasse“, erklärt Barbara Fischer.

Die einen Hühner können nur braune Eier legen, die anderen nur weiße. Mit dem Futter hätte das entgegen sämtlicher Laien-Spekulationen rein gar nichts zu tun. Sondern mit dem Tier. Und weil es ein Tier ist, kann Barbara Fischer auch nichts drehen und wenden. „Wir müssen einfach auf das Verständnis unserer Kunden hoffen“, erzählt die Hohenfurcherin. Und - das kann sie tun - weiße Eier horten.

Das Ergebnis unserers Eierfärb-Tests!

Schon vier Wochen vor Ostern fangen sie und ihr Mann damit an, weiße Exemplare auf die Seite zu legen und vermehrt braune Eier anzubieten. Sowohl den Privatkunden als auch den Supermärkten, an die der Fischerhof für die regionale Produktkette „Unser Land“ liefert. Einen Monat vor Ostern interessiert das Braun oder Weiß nämlich niemanden von ihnen. Und weil die Eier vor dem Kochen und Färben sowieso ein paar Tage alt sein sollen - „dann hält die Farbe besser“ - passt es gerade gut, wenn dann langsam die ersten Kunden auftauchen und sich weiße Eier wünschen. Hier gilt: Wer zuerst kommt, färbt zuerst. „Irgendwann sind die weißen Eier natürlich trotzdem aus.“

Das Problem hat Markus Schleich vom Bicklhof in Hohenbrand bei Peiting erst gar nicht. Er hat nie weiße Eier. „Deshalb mussten wir uns für Ostern etwas überlegen“, sagt Schleich. Braune Eier sind zum Färben einfach nicht beliebt - die Farben halten schlechter, werden dunkler, haben Flecken und und und. Aber dazu später mehr.

Testszenario: Streng nach Packungsanleitung haben wir die Eier gefärbt.

Markus Schleich beweist nämlich seit acht Jahren, dass Selbst-Färben nicht alles ist und Färben-Lassen sogar aus braun bunt macht. Dazu fahren er und seine Mitarbeiter Jahr für Jahr rund 8000 Eier mit dem Transporter nach Stuttgart. „Die Färben professionell“, sagt Schleich. Mit bunten, kräftigen Frühlingstönen. So kann er seine Kunden auch zu Ostern auf seinen Hof locken: Ein buntes Ei - und das ist dann wirklich bunt, nicht leicht farbig - gibt’s bei ihm für 45 Cent. In natura kostet das gute Stück 35, muss aber selbst gefärbt werden.

Dass dabei mit den handelsüblichen Billigfarben nicht immer der gewünschte Ton entsteht, beweist unser Experiment: Jeweils sieben Minuten lang - ganz genau, um weder braun noch weiß zu bevorzugen - haben wir zwei helle und zwei dunkle Eier in gelb und blau gelegt. Das Ergebnis: Die weißen Eier sind jetzt tatsächlich gelb und blau, die braunen orange und dunkelblau. Nicht so wie auf der Packung abgebildet, aber immerhin farbig. Und wären da nicht die dunklen Sprenkel, die die braunen Eier oft zieren, würde es wahrscheinlich nur die Kinder stören, dass die Farben nicht ganz so bunt sind. „Wer auf dunkle Töne steht, mag das“, sagt Markus Schleich.

Wer nicht, kann bei ihm professionell gefärbte Eier bekommen, rechtzeitig weiße Eier bei Barbara Fischer und im Supermarkt abholen. Oder die Eier einfach schälen und essen - „schmecken tun sie schließlich alle gleich.“ Das sagen nicht nur Barbara Fischer und Markus Schleich. Das sagen auch wir nach dem Experiment.

Franziska Bär

Auch interessant

Meistgelesen

Nach Raubüberfall in Regensburg: Polizei wendet sich an Bevölkerung
Nach Raubüberfall in Regensburg: Polizei wendet sich an Bevölkerung
35,5 Grad! Diese Stadt knackte den Hitzerekord in Bayern
35,5 Grad! Diese Stadt knackte den Hitzerekord in Bayern
Böbinger stürzt 80 Meter in den Tod
Böbinger stürzt 80 Meter in den Tod
Bis zu 35 Grad und extrem schwül: Tropen-Hitze in Bayern
Bis zu 35 Grad und extrem schwül: Tropen-Hitze in Bayern

Kommentare