Regensburger verklagt Brasilien

"Gebt mir meinen Platz im Maracana wieder"

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Das Maracana-Stadion in Rio: Hier besitzt Alexander R. einen eigenen Sitzplatz. Ihm ist damit erlaubt, jedes Spiel, jedes Konzert und auch jedes andere Ereignis in der riesigen Arena verfolgen zu dürfen

München - Vor Jahren hat sich der Unternehmer Alexander R. einen Platz im berühmten Maracana-Stadion in Rio gekauft. Zur WM werden die Plätze von der FIFA beschlagnahmt. Deshalb klagt er.

Mit Geld kann man ja so ziemlich alles kaufen. Außer Liebe – wie wir spätestens seit dem Beatles-Klassiker Can't buy me love wissen. Und so hat sich der Bayer Alexander R. auch was ganz Besonderes von seinem Geld geleistet. Der Unternehmer aus Regensburg kaufte sich vor einigen Jahren einen Sitzplatz im berühmten Maracana-Stadion. Ja, genau in dem Fußball-Palast im herrlichen Rio de Janeiro. Toll, oder? Nur jetzt hat Alexander R. ein Problem: Weil die WM ja nächstes Jahr im Land des Samba stattfindet, hat der Weltfußballverband FIFA den Platz des Regensburgers regelrecht beschlagnahmt.

Das kuriose Sitz-Problem – Alexander R. hat sich nun entschlossen, um seinen rund einen halben Quadratmeter großen Fußball-Himmel zu kämpfen. Sogar den Staat Brasilien hat er jetzt verklagt. Kein Witz! „Natürlich hab ich den Platz ja vor allem wegen der Weltmeisterschaft gekauft“, erklärt der Geschäftsmann gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung. Immerhin stehen sich im Maracana die Final-Gegner nächstes Jahr gegenüber. Und das Ereignis will sich der Oberpfälzer nicht nehmen lassen – auch nicht von der FIFA.

Wie der Regensburger zu dem Sitzplatz kam? Das ist schnell erklärt: Als das riesige Stadion (fast 79 000 passen rein) im Jahre 1948 gebaut wurde, wurden wegen der Finanzierung einzelne Plätze an vermögende Geschäftsleute verkauft. Unbefristet! Diese rund 4500 Sonder-Sitze sind also somit noch immer „im Umlauf“, heiß begehrt und werden immer wieder weitervertickt. Vor kurzem wurde auch Alexander R. ein Angebot gemacht. Und weil der Besitzer einer deutschlandweiten Autohofkette viel in Brasilien verweilt, schlug er zu. Der Preis liegt übrigens im Bereich einer Eigentumswohnung!

Und nun kommt der Haken: Die FIFA hat für die WM einen Vertrag mit dem brasilianischen Staat geschlossen, in der ihr die Vermarktungsrechte für alle Sitzplätze in den Stadien zugesichert werden. Es ist anzunehmen, dass der Verband nicht einmal wusste, dass so mancher Sitz in Privatbesitz ist. Die Teileigentümer haben auch schon reagiert – juristisch. In erster Instanz haben sie vor einem brasilianischen Gericht sogar Recht bekommen – aber ein Obergericht hob dann diese Entscheidung wieder auf. Auf Druck der Regierung? Tatsache ist: Es ist für die Brasilianer höchst unangenehm, der FIFA erklären zu müssen, dass manche Teile der Stadien gar nicht ihnen gehören.

Alexander R. und die anderen Mitbesitzer wollen sich jedenfalls nicht ins Abseits schießen lassen. Sie haben nun auch einen öffentlichen Beschwerdebrief an den Fußballverband verfasst – in dem sie Chef Sepp Blatter persönlich ansprechen. Der Tenor: „Ihnen wurden Plätze verkauft, die uns gehören!“ Noch gab es keine Antwort. Vielleicht überlegt die FIFA ja schon, ein Nutzungsrecht von den 4500 Besitzern zu erwerben – für die vier Wochen WM-Spektakel. Denn mit Geld kann man ja bekanntlich fast alles kaufen ...

age

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