Cüneyt C. (28) aus Ansbach

Ein Bayer tötete im Namen Allahs

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Viele von Cüneyt C.s Opfern mussten nach dem Anschlag mit schweren Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Zwei Soldaten und zwei Zivilisten überlebten nicht.

Freising/Ansbach - Cüneyt C. ist in Freising geboren, lebte in Ansbach – ein braver Ehemann und Vater von zwei Kindern. Doch offenbar ist der 28-Jährige ein grausamer Mörder – Deutschlands erster Selbstmordattentäter!

Am 3. März um 16.04 Uhr stoppt ein blauer Toyota-Kleinlaster vor dem Tor des Regierungsgebäudes der afghanischen Provinz Khost. Die Wachen am Tor wollen den Wagen gerade kontrollieren, da drückt der Fahrer auf einen Auslöser. Vier Tonnen Sprengstoff, versteckt auf der Ladefläche, explodieren. Eine riesige Detonation zerreißt den Mann am Lenkrad, pulverisiert das Tor, einen Wachturm und das Eingangsgebäude. Dutzende US-Soldaten, die das Haus bewachen, werden unter den Trümmern verschüttet, zwei sterben. Auch zwei Zivilisten fallen dem Selbstmordanschlag zum Opfer – eine typische Taliban-Aktion.

Doch jetzt wird vermutet, dass der Attentäter kein radikaler Afghane oder Pakistani war, sondern ein Bayer! Cüneyt C., ein lange als unauffällig geltender Deutsch-Türke (28), der in Freising geboren ist und im mittelfränkischen Ansbach wohnte. Er galt als ruhiger Zeitgenosse, hatte einen Job bei Bosch, eine Frau und zwei Kinder – jetzt soll er der erste deutsche Selbstmordattentäter sein.

In der türkischen Gemeinde Ansbach war C., der die türkische Staatsbürgerschaft besaß, nicht gerade als frommer Moslem bekannt. „Er besuchte nur hin und wieder die Moschee“, sagte ein Mitglied der islamischen Gemeinde Milli Görüs gestern der tz. Er kennt den vermeintlichen Selbstmordattentäter noch aus der gemeinsamen Jugend und weiß: „Er hat eher sein eigenes Umfeld gepflegt.“

Auch im Diyanet-Verein für türkische islamische Kultur kannte man C. „Er war ein ruhiger, hilfsbereiter Typ“, sagt ein Mitglied, das mit dem Terrorverdächtigen auch hin und wieder beruflich zu tun hatte. Was den scheinbar so braven Familienvater dazu bewogen haben könnte, sein Leben für den Heiligen Krieg wegzuwerfen, kann er sich nicht erklären: „Wir sind geschockt.“ Trotz aller Unauffälligkeit: C. war schon länger im Visier der Terrorfahnder. Das Bundeskriminalamt (BKA) wusste, dass er Kontakt zu der radikalen usbekischen „Islamischen Dschihad-Union (IJU)“ um den Sauerländer Adem Y. hatte (siehe unten). Auch zur Ulmer Islamisten-Szene soll C. rege Beziehungen gepflegt haben.

Als er am 2. April 2007 seinen Arbeitsplatz kündigt und mit Frau und Kindern in die Türkei abreist, schlagen die Fahnder Alarm. Sie haben C. beobachtet, wie er sich stundenlang auf Jihad-Seiten im Internet herumtrieb – als „Ismail aus Ansbach“! Die Behörden vermuten, dass er sich zum Gotteskrieger ausbilden lassen will. Allerdings denken sie, dass sich seine Aggression gegen Deutschland richten werde. Am 26. April fangen die Fahnder eine E-Mail an Adem Y. ab, in der ein IJU-Führer mitteilt, die Familie sei im Lager in den Bergen Waziristans angekommen. Unter dem Kampfnamen Saad Ebu Furkan taucht C.s Gesicht auf einem Propaganda-Plakat der IUJ auf.

Kurz nach dem Anschlag in Khost erschien nun im Internet ein Bekennerschreiben der IJU. Darin brüsten sich die Terroristen, dass ihr Mann der Mörder gewesen sei. „Diese Operation wurde von dem mutigen Cünyet C. (Saad Ebu Furkan) erfolgreich ausgeführt, einem türkischstämmigen Mann, der aus Deutschland kam und sein luxuriöses Leben gegen das Paradies eingetauscht hat“, steht unter dem Foto eines grinsenden Mannes mit Pistole in der Hand – Cüneyt C.? Noch wollen die Behörden das nicht bestätigen. „Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob es sich bei dieser Person um den Attentäter handelt“, sagt eine BKA-Sprecherin. Einer ihrer Kollegen scheint überzeugter: „Die Geschichte ist zu plausibel für einen reinen Propaganda-Gag.“

Stefan T. Weinzierl

Enge Verbindung zu deutscher Terrorgruppe

Der mutmaßliche Selbstmord-Attentäter Cüneyt C. hatte auch intensiven Kontakt zu den islamistischen Terroristen um den Sauerländer Türken Adem Y. Dessen Organisation sollte Anschläge im Bundesgebiet durchführen. Im September 2007 waren die Terroristen aufgeflogen und verhaftet worden. Zu der Gruppe hatte auch der konvertierte Deutsche Fritz G. gehört.

Der Ansbacher Cünyet C. war mit den Sauerländern befreundet, insbesondere mit Adem Y.. Er ließ bei seiner Abreise in die Türkei sogar sein – in der Zwischenzeit von der Polizei verwanztes – Auto bei seinem Kumpanen stehen. Einige Zeit nach C.s Abreise erhielt Adem Y. von einem Mitglied der Islamischen Dschihad-Union (IJU) eine E-Mail, in der ihm mitgeteilt wurde, dass sein Freund sicher in einem Terror-Ausbildungs-Lager in den Bergen Waziristans angekommen sei.

Fernstudium für Islam-Terroristen

Bei der Ausbildung von Terroristen spielt das Internet eine immer größere Rolle: Der bayerische Verfassungsschutz fand jetzt erstmals eine Art „Online-Universität“ für Islam-Krieger! „Lehrer“ und „Schüler“ tauschten dort laut Nachrichtenmagazin Focus Wissen und Daten über Waffenkunde, Bombenbau, Guerillakampf oder konspirative Kommunikation aus, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. „Die Bedeutung des ,Cyber-Dschihad‘ in islamistischen Kreisen nimmt generell zu.“ Eine neue Dimension stelle aber die terroristische Ausbildung mittels „Fernstudium dar“. Sie ergänze zunehmend die Ausbildungslager in Afghanistan und Pakistan.

Quelle: tz

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