Eine Woche nach dem Brand

Statiker begutachten Nürnberger Kirche

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In Flammen: die Nürnberger St.-Martha-Kirche.

Nürnberg - Ein Großbrand legte die Nürnberger Kirche St. Martha in Schutt und Asche. Die Gemeinde will nun Statiker von oben hinunterlassen.

Mit Hilfe eines Krans sollen Experten die ausgebrannte und einsturzgefährdete Kirche St. Martha in der Nürnberger Altstadtvon innen begutachten. In einem Korb wolle man die Sachverständigen hinunterlassen, damit sie sich die Fassade ansehen können, sagte Kirchmeister Walter Przibilla der Nachrichtenagentur dpa. Er geht davon aus, dass die Kirche nicht vor Ende 2016 wieder genutzt werden kann.

Da das gesamte Dach bei dem Feuer am vergangenen Freitag zerstört wurde, sind die Seitenwände und Giebel stark einsturzgefährdet. Sie müssen wohl gestützt werden, bevor die Experten des Landeskriminalamts nach der Ursache des Feuers suchen können. Der Innenraum liegt voller verkohlter Holzstücke, Schutt und Asche. „Jeder Schritt in die Kirche wäre hochgradig gefährlich“, sagte Przibilla.

Nach dem Brand wurden zunächst die Gerüste, die für die Sanierung der Kirche aufgebaut wurden, verstärkt und mit Ankern versehen. Der Kran soll im Laufe der nächsten zwei Wochen im Innenhof hinter der Kirche aufgestellt werden. Dafür muss jedoch zunächst ein Fundament aus Beton gegossen werden, welches das schwere Gerät tragen kann.

Nach den Statikern und LKA-Experten, die zur Ermittlung der bisher unbekannten Brandursache Spuren sichern, bekommen die Sachverständigen von Versicherung und Denkmalschutz Zugang zur Kirche. Erst danach kann das große Aufräumen beginnen. „Es wird Wochen bis Monate dauern, bis der Innenraum ausgeräumt werden kann“, sagte der 70-jährige Kirchmeister. Auch dabei ist wegen der möglichen Schadstoffe im Schutt besondere Vorsicht angesagt.

Entstanden sei das Feuer „irgendwo im Dachgeschoss“. An der Orgel entwickelte sich die größte Hitze, weil dort das meiste Holz war. „Die Orgel hat wie ein Kamin gewirkt“, sagte Przibilla.

Über die Kosten des Wiederaufbaus könne man noch nichts sagen. „Das wäre alles Spekulation, weil wir erst einmal in die Kirche rein müssen und sehen, was alles zerstört ist.“ Die Versicherungsvertreter hätten der Gemeinde aber Mut gemacht, dass der Schaden weitgehend übernommen wird. Zu Spenden ruft die Kirche bisher nicht auf. Über Pfingsten sind aber bereits rund 100 000 Euro hereingekommen.

„Wir müssen uns jetzt überlegen, wie die Kirche wieder aufgebaut werden soll.“ Außen solle sie nicht verändert werden. „Sie muss weiter ins Stadtbild passen.“ Der Innenraum werde vermutlich ähnlich schlicht wie früher. „Man könnte aber vielleicht auch eine andere Art von Empore bauen als früher“, sagte Przibilla. Heute müssten auch andere Regeln für Brandschutz und Sicherheit beachtet werden. „Für den Neubau bestehen strenge Auflagen. Und das wird wahrscheinlich nicht zum Versicherungspaket gehören.“

Bei dem Feuer in der mehr als 600 Jahre alten Kirche waren neben dem Dach auch die Orgel und das Chorgestühl verbrannt. Da die Kirche ohnehin saniert werden sollte, waren sämtliche Kunstgegenstände - vor allem die um das Jahr 1400 entstandenen wertvollen gotischen Fenster - ausgebaut. Auch die Kirchenbänke waren ausgelagert.

dpa

Bilderstrecke: 600 Jahre alte Nürnberger Kirche in Flammen

Bilder: 600 Jahre alte Kirche bei Brand beschädigt

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