Diese Flut werden wir nie vergessen

Vor einem Jahr kam das Jahrhunderthochwasser

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Das alte Haus von Dietmar Seidler war nicht zu retten.

München - Am 4. und 5. Juni vor einem Jahr kamen die Wassermassen - die Jahrhundertflut suchte Bayern heim.

Es ging alles blitzschnell: Binnen weniger Stunden hatte die Jahrhundertflut das Haus von Rosemarie (72) und Dietmar Seidler (75) regelrecht verschluckt. Nur das Dach des Eigenheims ragte noch in den Himmel über Fischerdorf (bei Deggendorf). Genau ein Jahr ist das nun her – das Bild des Hauses (oben) ging damals um die Welt. Und heute? Heute steht ein schmucker Rohbau auf dem Grundstück. „Im Herbst wollen wir einziehen“, sagt Dietmar Seidler. „Dann ist das Schlimmste vorbei.“

Dietmar Seidler vor seinem Rohbau.

Die Seidlers haben ihn geschafft – den Neuanfang nach der Katastrophe: Am 4. und 5. Juni vor einem Jahr kamen die Wassermassen. Fast jeder in dem kleinen Ort Fischerdorf (wie auch in Natternberg) war betroffen: 150 Häuser mussten allein in der Nachbarschaft der Seidlers abgerissen werden – zu groß waren die Schäden. Auch ihr Haus traf es. „Es war ja alles kaputt, nichts konnte man mehr benutzen“, erzählte Dietmar Seidler der tz, als wir ihn im Winter besuchten. „Alles stank zudem nach Öl.“ Im Winter klaffte noch ein riesiges Loch im Garten des Paars. „Jetzt haben wir aber den Rohbau geschafft.“ Für den Neubau (gut 200.000 Euro) zahlte immerhin die Versicherung. Für den Hausrat gab es bisher einen staatlichen Zuschuss von 15.000 Euro für die Rentner.

"Diese Flut werden wir nie vergessen“

Auch Josef Straßer traf es hart: Sein Haus in Fischerdorf war nach der Flut nur noch eine stinkende Ruine. Abriss!

Ja, wer heute durch Fischerdorf oder Natternberg schlendert, merkt endlich, wie die tiefen Spuren der Jahrhundertflut verschwinden. Auch Josef Straßer beispielsweise musste sein Zuhause abreißen lassen, weil die dreckige Brühe alles zerstört hatte. Heute steht auch er stolz vor seinem Neubau. Auch verschwinden immer mehr der vielen Baukräne in der Gegend. „Es normalisiert sich nun alles langsam. Aber trotzdem gilt, was ein Anwohner sagt: „Diese Flut werden wir nie vergessen.“ Immerhin: Satte acht Milliarden Euro hatte der Staat bewilligt, um allen Flutopfern im Land zu helfen. Und die Spendengelder? Die werden teils noch ausbezahlt, da die Prüfung der Schäden einfach sehr lange dauert.

„Wir gehen davon aus, dass die Schäden allein im Landkreis Deggendorf eine Höhe von gut 500 Millionen Euro erreichen werden“, erklärt Landrat Christian Bernreiter (CSU). „Ich bin optimistisch, dass Ende des Jahres die meisten Schäden abgewickelt sind.“

Auch in Passau werden sie das Hochwasser 2013 für immer in Erinnerung behalten. Auf 12,89 Meter stieg die Donau an – damit war der Pegel so hoch wie seit 500 Jahren nicht mehr. 1200 Häuser standen unter Wasser, über 7000 Menschen mussten ihr Zuhause verlassen und sich in Sicherheit bringen. Und doch gab es auch irgendwie ein Wunder: Kein Mensch wurde verletzt!

Landunter in Bayern: Ein Jahr nach dem Hochwasser

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Age

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