Peinlicher Eklat in Mittenwald

Schützenkönigin verliert ihren Titel - weil sie zu alt ist

+
Mit 30 Jahren zu alt: Schnell vorbei war es mit der Königswürde für Christine Seitz (M.).

Mittenwald - Christine Seitz war die Beste. Die Königskette der Mittenwalder Gebirgsschützen darf sie dennoch nicht tragen. Das Problem ist kurios: Sie ist nämlich zu alt.

Eklat am Ende eines denkwürdigen Jahrtags: Der Traditionsverbund der Mittenwalder Gebirgsschützen hat erstmalig in seiner 59-jährigen Geschichte keinen Schützenkönig. Die mit diesen Ehren ausgezeichnete Christine Seitz gab nämlich nach einem Veto von Manfred Galsterer Kette und Scheibe zurück.

Und nicht nur das: Auch der zweitplatzierte Tambourmajor Matthias Klotz, der für die Mittenwalderin nachrücken sollte, verzichtete auf den Titel. Die Stimmung bei der Kompanie-Versammlung war somit auf einen Schlag im Keller.

Bezeichnend die nachdenklichen Worte von Anton Brandner. „Obwohl der Einwand sachlich richtig ist“, meinte der Schriftführer, „schäme ich mich im Beisein unseres soeben aufgenommenen neuen aktiven Mitglieds Hans Aldebert und betone, dass ich solche menschlichen Gemeinheiten nicht mittrage“.

Verblüffung nach überraschendem Querschuss

Doch was war eigentlich geschehen? Kurz nachdem Seitz unter dem Applaus der Mitglieder zur Schützenkönigin proklamiert wurde, meldete sich Mitglied Galsterer zum Punkt „Wünsche und Anträge“ plötzlich zu Wort. „Marketenderinnen dürfen laut unserer Satzung nur bis zum 30. Lebensjahr am Königsschießen teilnehmen“, argumentierte Galsterer.

„Christine Seitz wird heuer bereits 31 Jahre und hätte nie zur Königin ernannt werden dürfen. Diese Regelung gilt übrigens auch für Mitglieder unter 18 Jahren.“ Angesichts dieses überraschenden Querschusses herrschte zunächst Verblüffung und Schweigen in der Gaststube.

Das Führungsduo mit Hauptmann Roland Spornitz und Vize Peter Brandtner gab den Verfahrensfehler sofort zu, scheiterte aber mit dem Versuch, den zweitplatzierten Klotz zur Annahme der Königswürde zu bewegen.

Peinlicher Eklat als Rückfall in alte Zeiten?

Beobachter deuten diesen peinlichen Eklat in einen Rückfall in alte Zeiten (2007 bis 2010), die von Streitereien, Führungskrise und missglückten Ausrückern geprägt waren. Protagonisten damals waren pikanterweise Josef Seitz („Biffele“), der Vater der verhinderten Schützenkönigin, und Hans Galsterer, Vater von Antragsteller Manfred Galsterer.

Die Hauptmannschaft um Spornitz steht somit vor einer echten Bewährungsprobe. „Wir werden diese Vorgänge in einer Vorstandssitzung analysieren und die entsprechenden Schlüsse ziehen“, versprach der 49-jährige Hauptmann im Beisein des Zweiten Bürgermeisters Gerhard Schöner und Bataillonschef Hans Jais aus Eschenlohe.

Das kommt wohl einer Herkules-Aufgabe gleich, da offenbar Familienstreitigkeiten in ein ansonsten intaktes Vereinsleben hineingetragen werden.

ku

auch interessant

Meistgelesen

Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
In München und dem westlichen Oberbayern: Warnung vor Glatteis
In München und dem westlichen Oberbayern: Warnung vor Glatteis
Dominik (6) aus Mörnsheim braucht Ihre Hilfe
Dominik (6) aus Mörnsheim braucht Ihre Hilfe
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben

Kommentare