Knapp zwei Monate vorm G-7-Gipfel

Luxus-Geburtstagsparty im Landschaftsschutzgebiet

Luxus pur: das Schloss-Hotel am Fuße des Wettersteingebirges.

Elmau - Auf dem Hubschrauberlandeplatz, der eigens für den Gipfel in die Elmau hineinbetoniert worden ist, soll am Wochenende eine private Luxus-Geburtstagsfeier steigen. In einem Riesen-Zelt mit Privatkonzert von Max Raabe und seinem Palastorchester.

Es gibt wohl kein schöneres Fleckerl Erde in Bayerns Bergen als die Elmau. Um den repräsentativen Charakter des idyllischen Hochtals am Fuße des Wettersteins weiß auch Kanzerlin Angela Merkel, die es als Schauplatz für den G-7-Gipfel auserkoren hat (siehe Extra-Artikel unten). Dass sich die Mächtigen der Welt ausgerechnet in dieser sensiblen, besonders schützenswerten Natur treffen müssen, leuchtet allerdings nicht jedem Bürger ein – und nun bekommen die Kritiker zusätzlich Wasser auf ihre Mühlen: Auf dem Hubschrauberlandeplatz, der eigens für den Gipfel in die Elmau hineinbetoniert worden ist, soll am Wochenende eine private Luxus-Geburtstagsfeier steigen. In einem Riesen-Zelt mit Privatkonzert des Entertainers Max Raabe und seinem Palastorchester.

Gastgeber soll ein sehr gut betuchter deutscher Geschäftsmann sein, der nur einen Steinwurf vom Super-Luxushotel und G-7-Tagungsort Schloss Elmau seinen 50. feiern möchte. So steht es jedenfalls in einem Antrag, der erst gestern bei der Gemeinde Krün eingegangen ist. Er stammt von der Augsburger Event-Firma Stageco, die offenbar mit einer russischen Veranstaltungsagentur zusammenarbeitet. Die meisten Gästen sollen im nahen Schloss logieren – dort können sie praktisch schon mal die Betten vorwärmen für Merkel, Obama und Co.

Pikant: Das Zelt, in dem mit einer „Gästezahl im unteren dreistelligen Bereich“ groß gefeiert werden soll, steht bereits! „Als ich es gesehen habe, sind mir fast die Augen rausgefallen“, sagt Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) der tz. „Wir sehen die Party sehr kritisch. Wenn wir eine Veranstaltung in dieser Dimension in der Elmau genehmigen, dann können wir dort oben in Zukunft praktisch keine andere Veranstaltung mehr ablehnen.“

Derzeit berät die Gemeinde mit dem Landratsamt, wer für die Erteilung einer Genehmung zuständig wäre. Allerdings hat sich der Veranstalter bis gestern nicht mal die Mühe gemacht, eine solche überhaupt zu beantragen. Auch die Bayerischen Staatsforsten als Grundbesitzer betonen, dass sie der Luxus-Party niemals zugestimmt haben. „Wir sind über das Zelt genauso erstaunt wie alle anderen Behörden“, betont Rudolf Plochmann, der zuständige Leiter der Bad Tölzer Forstbehörde. Er habe zwar vor Monaten eine telefonische Anfrage vom Chef des Schloss-Hotels erhalten, aber bereits damals auf das Procedere bei der Vermietung des Areals verwiesen: „Wir wollten schriftliche Auskünft darüber haben, was genau geplant ist. Aber die erforderlichen Unterlagen, um einen obligatorischen Mietvertrag schließen zu können, sind niemals bei uns ein­gegangen.“

Dessen ungeachtet laufen die Vorbereitungen für die Geburtstagssause munter weiter. Inzwischen befasst sich auch der Landtag damit, die SPD hat eine Anfrage an die Staatsregierung gerichtet. „So ein Mega-Event mitten im Landschaftsschutzgebiet zuzulassen, ist eine Sauerei!“, wettert der Münchner Abgeordnete Florian von Brunn.

Der G-7-Gipfel im Hochtal am Fuße des Wettersteingebirges

Fünf Mal haben sich die Regierungschefs der wichtigsten Industrienationen der Welt schon zu Gipfeln in Deutschland getroffen, u. a. 1992 in München. Am 7. und 8. Juni wird Bayern zum zweiten Mal Schauplatz – genauer gesagt das Hochtal Elmau, das nahe des Krüner Ortsteil Klais verläuft, zwischen Garmisch und dem oberen Isartal. Für die Tagung sind in der sensiblen Natur bereits zahlreiche Baumaßnahmen durchgezogen worden, etwa der Bau eines Hubschrauberlandeplatzes auf dem Areal eines Wanderparkplatzes. Nach dem Gipfel soll die Betonpiste wieder abgetragen werden – und Kraxlern zur Verfügung stehen, die von dort aus ihre Tour zum Königsschloss am Schachen starten. Für die Sicherheit der Gipfelteilnehmer werden über 10 000 Polizisten sorgen. Die Kosten der ­Konferenz dürften im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Andreas Beez

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