"Sichern Sie sich die besten Plätze"

Empörung über Theaterwerbung mit Gekreuzigten

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Blasphemie? Diese Theater-Werbung sorgt für Aufregung.

Dinkelsbühl - Drei Gekreuzigte und darunter der Satz: „Sichern Sie sich die besten Plätze!“ - ein Werbeplakat für die Dinkelsbühler Sommerfestspiele mit der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ hat eine breite Debatte über Blasphemie und Kunst ausgelöst.

Das war so nicht beabsichtigt: Drei Werbetafeln für die Sommerfestspiele mit „Jesus Christ Superstar“ haben in Dinkelsbühl für große Aufregung gesorgt. Unter dem Schattenriss von drei Gekreuzigten steht nämlich der Satz: „Sichern Sie sich die besten Plätze!“

Was folgte, war eine große Debatte über Gotteslästerung und Freiheit der Kunst. „Dieses Plakat würde ich heute nicht mehr so machen“, gab der Intendant des Landestheaters, Peter Cahn, am Mittwoch zu. „Da haben wir eine unglückliche Unterschrift gewählt.“ Doch von der Aufführung von „Jesus Christ Superstar“ rückt er nicht ab. Im Gegenteil: Jetzt erst recht.

Als die Werbetafeln gemacht wurden, „habe ich nicht die Assoziation gehabt, dass es in der Unterschrift um die Plätze rechts und links von Jesus geht oder gar um Jesus' Platz am Kreuz selbst“, sagte Cahn. „Das ist mein Fehler und der ist passiert.“ Er habe auch mit der Auswahl der Stücke „Jesus Christ Superstar“ und „Don Camillo und seine Herde“ nicht provozieren wollen. „Die Stücke sollten vielmehr die Offenheit unseres Glaubens zeigen.“

Es folgten dennoch aufgeregte und zum Teil wütende Reaktionen in Leserbriefen an die „Fränkische Landeszeitung“ und im Internet. Auch die „Süddeutsche Zeitung“ hat am Mittwoch über das Thema berichtet. Als schließlich eine Diakonin einen persönlichen Brief an Cahn schrieb, wurde es ihm zu viel. Sie schrieb darin, sie finde es schade, wenn in ihrer Heimatstadt „ein derart blasphemisches Stück“ aufgeführt werden solle. Die Plakate seien „menschenverachtend“ und lösten in ihr „Entsetzen“ aus. Das Theater gebe sich her, das Christentum und alle Gläubigen zu verachten.

„Mit diesem Brief war bei mir eine Grenze überschritten“, sagte Cahn. „Wir erwarten heute sehr viel Toleranz von allen, aber wir müssen auch tolerant in Bezug auf unseren eigenen Glauben sein. Mit dem Wort Blasphemie so inflationär um sich zu werfen, finde ich sehr gefährlich.“ Er betonte zudem: „Kunst hat auch immer eine gewisse Freiheit und sie muss auf bestimmte Dinge hinweisen.“

Im Übrigen gab es auch viele andere Kommentare, die etwa zu mehr Gelassenheit aufriefen oder die Doppelmoral anprangerten, mit der zurzeit über Religion und Medienfreiheit gesprochen werde. Ein Leser konnte in den Werbetafeln nicht mehr „als einen flüchtigen Hauch unfreiwilliger Komik“ entdecken. Auch der katholische Stadtpfarrer freue sich schon auf das Musical, sagte Cahn. Mit ihm zusammen soll es Veranstaltungen geben, bei denen über das Stück und seine Wirkung gesprochen wird.

„Jesus Christ Superstar“ vom Spielplan zu nehmen, komme daher gar nicht infrage. „Hinweisen, ich solle das Stück absetzen, werde ich natürlich nicht Folge leisten. Das bestärkt mich eher in meiner Stückauswahl, denn Kunst darf sich dem nicht beugen“, sagte Cahn.

dpa

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