Die Angst erntet mit

Saboteur präpariert Maispflanzen mit Stahlbolzen

Ensdorf - Ein gemeiner Saboteur hält Johannes Hüttner in Atem. In seinen Maisfeldern fand er Stahlbolzen. Bei der Ernte sind der Bauer und seine Familie in Lebensgefahr.

Dieser Bolzen wurde noch rechtzeitig entdeckt. Er ist ein erster Hinweis auf mögliche Täter

Rund 50 Hektar mit Mais muss Bauer Johannes Hüttner (46) noch abernten. Ein Drittel davon soll zu Futter werden, zwei Drittel liefert der Landwirt an einer großen Biogasanlage. Die Ernte – reine Routine, möchte man meinen. Doch für den Landwirt aus Ensdorf (Kreis Amberg-Sulzbach) ist es heuer eine Arbeit, die ständig begleitet wird von einer Angst, dass etwas passiert: „Das ist lebensgefährlich.“ Ein oder mehrere Saboteure verstecken auf seinen Feldern bis zu 30 Zentimeter lange und 22 Millimeter starke Stahlbolzen, mit denen sie die Pflanzen präparieren. Fährt der Häcksler durch, zieht es die Bolzen ins Schneidwerk und zerfetzten dort die Messer. Seit 4. Oktober ist dies viermal passiert. Der Schaden an den Häckslern: 100 000 Euro. Die Unternehmer, die mit modernen Maschinen arbeiten, sind eingeschüchtert und trauen sich nicht mehr in den Mais – aus Angst vor den immensen Schäden. Doch es geht auch um die Gesundheit …

Samstag vor einer Woche hätte es ums Haar Hüttners Sohn Bernhard (22) erwischt. Er hatte auf einem gepachteten Maisfeld gearbeitet, als ihm gleich zu Beginn Metallteile um die Ohren flogen! Wieder war ein Stahlbolzen ins Häckselwerk gelangt. Der riss Klingen aus der Verankerung, die sonst die Maispflanzen schreddern. Die scharfen Reste schossen aus dem Auswurf des Häckslers und schlugen auf dem Dach des Traktors ein.

Vater Johannes ist ratlos. „Wer macht so etwas?“ Es sind nicht nur Schäden an den Maschinen zu beklagen, es kommen nun auch noch Verluste hinzu, die durch Ernteausfälle und zusätzliche Investitionen entstehen: Die Familie war gezwungen, einen eigenen Häcksler anzuschaffen. Der ist zwar alt und muss gezogen werden. Doch das dürfte es noch nicht gewesen sein, Hüttner denkt, „dass wir noch einen weiteren brauchen“.

Doch der Landwirt erfährt auch viel Hilfe. Alle aus der Familie, dazu die Nachbarn, Freunde und Bekannte bewachen seit dem letztem Anschlag vor fünf Tagen im Schichtbetrieb den Mais. „Wir sind jetzt Tag und Nacht im Einsatz“, erzählte Hüttners zweiter Sohn Michael (20), der den Leuten Mittagessen vorbeibringt, dem Neuen Tag. Außerdem haben sich die Hüttners drei Metalldetektoren ausgeliehen.

Es ist ein Haufen zusätzlicher Arbeit – mit den Geräten werden vor der Ernte die Maisfelder abgesucht, Meter für Meter, Reihe für Reihe, Feld für Feld.

Einen Verdacht, wer hinter den Anschlägen steckt, hat Vater Johannes nicht. Doch es gibt einen ähnlichen Fall im 50 Kilometer entfernten Weiden. Auf einem Feld bei Rothenstadt fand ein Landwirt am 25. September ebenfalls ein Metallteil an einer Maispflanze. Zu einem Schaden an Gerätschaften kam es nicht. Der Fund rettete wohl den Mann.

Bauer Hüttner will nur, dass das Ganze endlich aufhört. Die Anschläge nagen schon schwer an seinem Nervenkostüm. Deshalb hat er aus eigener Tasche eine Belohnung ausgesetzt – 10 000 Euro. Die Polizei Amberg nimmt Hinweise unter Telefon 0 96 21/89 00 entgegen.

Markus Christandl

Rubriklistenbild: © dpa/Polizei

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