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Riesen-Hakenkreuz in Maisfeld

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Ein Hakenkreuz mitten im Maisfeld bei Aßling. Dieses Foto entstand am Sonntag bei einem Flug im Rahmen der Antersberger Flugplatzfestes. © Langer

Aßling - Ein riesiges Hakenkreuz, Symbol des nationalsozialistischen Verbrecherregimes, mitten auf einem Maisfeld südwestlich von Aßling. Dummer Scherz oder bewusste politische Aktion? Der Staatsschutz der Kriminalpolizei Erding hat die Ermittlungen aufgenommen.

„So etwas habe ich in unserer Gegend überhaupt noch nicht erlebt“, sagt Max Ganser von der Kripo Erding. Zu sehen ist das Hakenkreuz nur aus der Luft. Die Maispflanzen stehen etwa zwei Meter hoch. Unser Foto entstand am Sonntag gegen 14 Uhr während eines Rundfluges im Rahmen des Fluplatzfestes in Antersberg.

Der Pressesprecher des Vereins, Thomas Bauer, war am Samstag in der Luft. „Da ist mir nichts aufgefallen.“ Er habe das Kreuz jedoch am Sonntag gegen 17 Uhr gesehen, als er wieder geflogen sei. Eigentlich müssten es eine Reihe von Besuchern des Flugplatzfestes bei Rundflügen am Sonntag ebenfalls entdeckt haben. „Es hat sich bei uns jedoch keiner beschwert“, so Bauer. „Wenn wir das früher gesehen hätten, hätten wir etwas dagegen unternommen.“

Falls es stimmt, dass das Kreuz erst am Samstagabend oder in der Nacht zum Sonntag entstanden ist, so könnte ein Zusammenhang mit dem Flugtag bestehen. Dann wollten die für das Hakenkreuz Verantwortlichen, dass ihr „Werk“ von vielen Fluggästen gesehen wird.

So begann der Zweite Weltkrieg

Wie Gerhard Karl von der Kripo Erding betonte, ist das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisation eine Straftat, die mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft werden kann.

Bestürzung herrschte am Montag bei den betroffenen Landwirten, die erst von der Ebersberger Zeitung von dem Hakenkreuz erfuhren. Das Grundstück gehört der Familie der ehemaligen Kreisbäuerin Erna Lechner. „Das ist ein Riesenschaden. Ich muss mir das anschauen. So etwas ist kein Scherz“, so ihre Reaktion. Die Familie hat das Grundstück verpachtet.

Nur wenige Meter vom rund 20 mal 20 Meter großen Hakenkreuz entfernt liegt der Weiler Erlacher. Den bewirtschaftet Josef Huber. Seine Reaktion: „Da friert es einen.“ Er habe nichts bemerkt von irgendwelchen Vorgängen am Maisacker. „Von der Straße sieht man nichts.“ Nach dem Anruf der EZ ging Huber auf den Dachboden seines Wohnhauses. „Von dort aus konnte man sehen, dass etwas im Feld niedergedrückt war, das Hakenkreuz selbst ist jedoch nicht zu erkennen.“ Gemeinsam mit Huber war Pächter Josef Koller wenig später am Feld. Koller: „Das sind jeweils drei Reihen Mais, die niedergetreten sind. Das geht nicht in fünf Minuten.“ Nach seiner Meinung müssen mindenstens „fünf bis acht Leute“ am Werk gewesen sein.

Bestürzung auch bei Aßlings Bürgermeister Werner Lampl. Vor sechs Jahren hatte es in der Gemeinde rechtsextreme Umtriebe gegeben. Eine Reichskriegsflagge war am Fenster eines Bauwagens gefunden worden, Hakenkreuzschmierereien im Inneren. Polizei und Staatsschutz führten eine Razzia durch, 17 Jugendliche wurden als Beschuldigte vernommen. „Die sind inzwischen alle in die Gemeinschaft integriert, auch Dank unseres Jugendpflegers“, so Lampl.

Von Robert Langer

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