Teilgeständnis

Franzis (12) Mörder: Ein vorbestrafter Sex-Täter?

+
Die zwölfjährige Franzi ist tot. Ist Stefan B. ihr Mörder?

München - Entführt, erschlagen und in einen Weiher geworfen! Der Mord an der kleinen Franziska (12) erschüttert den kleinen Ort Möckenlohe im Landkreis Eichstätt! Der Hauptverdächtige hat ein Teilgeständnis abgelegt.

Nachdem am Sonntagnachmittag die Leiche des Mädchens gefunden worden war, lieferte sich die Polizei eine spektakuläre Verfolgungsjagd mit dem mutmaßlichen Mörder. Stefan B. (26) wurde schließlich bei Donauwörth festgenommen – inzwischen legte er ein Teilgeständnis ab. Die tz protokolliert dieses unfassbare Verbrechen.

Franziska und ihre  Freundin wollten am  Samstag zum  Skaterpark in Nasselfels. Doch die 12-Jährige war dort nicht, radelte zurück nach Möckenlohe.

Samstagnachmittag: Franziska und eine Freundin genießen den sonnigen Tag. Von Möckenlohe aus fahren die beiden auf dem Radweg neben der früheren Römerstraße, der jetzigen Staatsstraße 2035, Richtung Süden. Ihr Ziel: der Skaterpark in Nassenfels – der Ort gehört ebenso wie Möckenlohe zur Verwaltungsgemeinschaft Adelschlag. Die Schülerinnen fühlen sich allerdings von einem unbekannten Autofahrer bedroht: In einer SMS, die Franziska einer weiteren Freundin schickt, geht es um ein grünes Auto, von dessen Fahrer sie sich beobachtet fühlen. Die beiden Freundinnen trennen sich, Franziska radelt zurück nach Hause, ihre Freundin weiter ins benachbarte Wolkertshofen. Was danach passiert, ist bislang unklar.

Samstagabend: Franziskas Fahrrad wird an der Bushaltestelle in Möckenlohe gefunden. Doch von der Schülerin, die in die 6. Klasse der Maria-Ward-Realschule in Eichstätt geht, fehlt jegliche Spur. Auch in der Nacht taucht sie nicht mehr auf. Die besorgten Eltern – das Mädchen ist ihr einziges Kind – suchen voller Verzweiflung nach ihr. Sie selbst waren den Samstag über auf der Beerdigung von Franziskas Tante.

Sonntagvormittag: Noch immer ist das inzwischen als vermisst gemeldete Mädchen verschwunden. Im Landkreis gibt es eine große Suchaktion. Am Nachmittag befinden sich aber zwei Angler am sogenannten Ratheiweiher bei Neuburg. Das Gewässer liegt zwischen Zell und Karlshud.

Sonntag, 16 Uhr: In Ufernähe sehen die Angler einen mit Hose und Pulli bekleideten Körper treiben. Mit dem Rücken nach oben. Der Notarzt kann nicht mehr helfen. Bei der Leiche, die wohl seit Samstag in dem Weiher liegt, handelt es sich um die kleine Franziska. Aufgrund ihrer Verletzungen geht die Polizei sofort von einem Gewaltverbrechen aus. Der Vermisstenfall wird so zu einem Mordfall – und es gibt einen Tatverdächtigen. Den Fahrer des grünen Toyota, den Franziska in ihrer SMS beschrieben hat. Das Auto mit WUG-Kennzeichen (Weißenburg-Gunzenhausen) war am Weiher gesehen worden. Später stellt sich heraus: Der Toyota war gestohlen!

Totes Mädchen in Neuburg - Bilder vom Fundort

Totes Mädchen in Neuburg - Bilder vom Fundort

Sonntagabend: Auf der Bundesstraße 16, die südlich von Neuburg in Richtung Donauwörth (Kreis Donau-Ries) verläuft, fällt der Polizei plötzlich der grüne Toyota auf. Gegen 20.50 Uhr wollen Polizisten das Auto anhalten. Doch der Fahrer gibt Vollgas. Augenzeugen berichten von einer irrwitzigen Verfolgungsjagd in Richtung Donauwörth – mit Tempo 200! Auch ein Hubschrauber jagt den Täter. Bei dem Toyotafahrer handelt es ich um den Hauptverdächtigen im Mordfall Franziska. Bei Auchsesheim (wenige Kilometer von Donauwörth entfernt) endet die Jagd. Stefan B. wird festgenommen.

Montagmittag: Der Tatverdächtige wird in Ingolstadt dem Haftrichter vorgeführt. Davor hat sich in der Rechtsmedizin München der Mordverdacht bestätigt. Franziska soll gewürgt und erschlagen worden sein. Die Kripo Ingolstadt hat eine Sonderkommission mit 25 Ermittlern eingerichtet. Ob das Mädchen missbraucht wurde, ist noch unklar.

"Sie war so ein liebes Mädchen"

Franzi.

Franziska war der ganze Stolz ihrer Eltern. Ein Einzelkind, gehegt und beliebt im ganzen Dorf. Hier in Möckenlohe, wo sie keine Feier und keinen Gottesdienst versäumte, nehmen die Eltern am Mittwoch Abschied von ihrem Augenstern. „Sie war ein liebes und freundliches Mädchen, total integriert“, sagt Pfarrer Ulrich Hildebrand (47) über sie. Sie besuchte die 6. Klasse der Maria-Ward-Realschule in Eichstätt. Von ihrem Tod erfuhr er am Sonntagabend bei der Pfarrgemeinderatssitzung. „Wir waren alle total geschockt.“ Montagmorgen kam das Kriseninterventionsteam zu ihm ins Pfarrheim – mit der traurigen Gewissheit: Es war Mord!

Im vergangenen Jahr hatte er sie noch gefirmt. Franziska besuchte auch seinen Religionsunterricht. „Das hat ihr Spaß gemacht.“ Nun ist jede Freude aus dem kleinen Ort im Kreis Eichstätt gewichen. Der Fasching wurde abgesagt, die Familie des Opfers von der Polizei abgeschirmt.

Montagnachmittag nahmen die Eltern in einem Trauerinstitut Abschied von ihrer Tochter. Bereits Mittwoch soll der Trauergottesdienst abgehalten werden. Dazu kommt Pfarrer Sebastian Bucher, ein Freund der Familie, aus Gerolfing. Die Urnenbeisetzung soll zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis erfolgen. „Das wird nicht mal im Ort bekannt gemacht“, sagt Pfarrer Hildebrand. Am Kirchenportal hängt bereits seit Montag der Hinweis auf Franziskas Tod: „O Herr gib ihr die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihr.“

Stefan B. ein Vorbestrafter!

Stefan B.

Der Mann mit der bulligen Statur und den auffälligen Tattoos soll der Mörder der kleinen Franziska sein! Der Richter hat Montag Haftbefehl gegen Stefan B. (26) aus Egweil (Lkr. Eichstätt) erlassen. Die Nachbarn in der 1000-Einwohner-Gemeinde sind fassungslos. „Er hat seinen Eltern schon sein ganzes Leben lang Probleme gemacht. Wenn die Vorwürfe jetzt stimmen, ist das die Krönung“, sagt ein Bekannter. Stefan B., der häufig Springerstiefel trug und offenkundig mit der NPD sympathisiert, sei schon in seiner Jugendzeit immer wieder durch Schlägereien und Betrügereien aufgefallen. Nach tz-Informationen saß er zuletzt sogar im Knast. Er soll erst vor rund zwei Wochen freigelassen worden sein! Offenbar ist er wegen Körperverletzungs- und Sexualdelikten vorbestraft.

„Stefan arbeitete als Türsteher und war viel in der Tuning-Szene unterwegs“, berichtet seine Ex-Freundin der tz. Ihr gegenüber hatte er auch mit seinem Tattoo am rechten Arm geprahlt: Die drei Augen stünden für drei Morde!

Warum Stefan B. auf die schiefe Bahn geriet, ist den Nachbarn ein Rätsel. Zumal seine Eltern noch vor einigen Jahren fest im Gemeindeleben verankert waren. Sie betrieben sogar das Vereinsheim des örtlichen Sportclubs. Nach deren Trennung lebt inzwischen nur noch die Mutter in Egweil. Stefan B. selbst hat bereits zwei Kinder von zwei verschiedenen Frauen – ein Mädchen (6) und einen Buben (1).

Jacob Mell, Markus Christandl,  Sebastian Arbinger

auch interessant

Meistgelesen

Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
Mutter des WM-Mörders: "Er tötet mich, wenn er rauskommt"
Mutter des WM-Mörders: "Er tötet mich, wenn er rauskommt"
Opfer wird zum Täter - Rosenheimer Student missbraucht
Opfer wird zum Täter - Rosenheimer Student missbraucht

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion