Geiselnehmer von Armee umzingelt

Gröbenzeller in Rebellenhand: Situation spitzt sich zu

Terroristen der „Befreiungsarmee“ ELN

Gröbenzell - Im Fall der beiden in Kolumbien entführten Deutschen, einer davon aus Gröbenzell, spitzt sich die Situation vor Ort offenbar dramatisch zu, die Armee soll die Entführer umzingelt haben.

Wenn die Sonne hinter dem bergigen Horizont verschwindet und im Dschungel die Nacht anbricht, dann ist im provisorischen Lager der kolumbianischen ELN-Rebellen nicht an Ruhe zu denken. Seit mehr als drei Monaten befinden sich hier die beiden Brüder Günther (72) und Uwe B. (69), die Weltenbummler, die auf ihrer Reise um den Globus von der marxistischen Guerilla verschleppt wurde. Angeblich, weil sie Spione sind. Nun spitzt sich die Situation vor Ort offenbar dramatisch zu, die Armee soll die Entführer umzingelt haben. Mehrere südamerikanische Medien sprechen von einem Ultimatum durch die Regierung. Dazu gibt es Berichte von dem, was Uwe, ein früherer Geologe aus Gröbenzell, und sein Bruder Günther zu ertragen haben. Sie stammen von Geiseln, die am Wochenende von der ELN unter dem vom Militär aufgebauten Druck freigelassen wurden.

Eine der Ex-Geiseln ist der Peruaner Javier Ochoa, der zusammen mit fünf Kollegen vom Rohstoff-Unternehmen Geo-Explorer Mitte Januar in Gefangenschaft der ELN kam. Nachdem Ochoa aus der Maschine stieg, die ihn am Wochenende in seine Heimat brachte, ließ er über die Polizei wissen: „Die Geiselnehmer sind sehr jung, viele keine 17 Jahre alt.“ Alle seien mit Gewehren bewaffnet, auch drei uniformierte Frauen sind darunter, und jüngere Mädchen.“ Ochoa berichtete weiter von Strapazen, von langen Märschen durch den Dschungel mit null Sicht. „Wir gingen oft Tag und Nacht, wussten nie, wohin sie uns bringen. Da war immer diese Furcht, doch wir vertrauten auch darauf, dass alles glücklich endet.“ Sein Kollege Jose Antonio Mamani ergänzte: „Unsere Orientierung bei den Märschen war oft nur das Knirschen, das unsere Schritte verursachten.“ Die Ernährung – kärglich, nur Thunfisch und Reis, dazu gab es allerdings jede Menge Kaffee, damit alle wachblieben, um ja schnell weiterflüchten zu können. Laut den Ex-Geiseln führt ein gewisser Oscar Nobles die Truppe an, mit rund 25 Jahren einer der ältesten der Rebellen. Er soll über Funk zudem regelmäßig mit Vorgesetzten sprechen.

Doch was hat die ELN überhaupt bewogen, die ingesamt fünf Männer der Explorer-Firma den Behörden zu übergeben? Laut einer dritten Ex-Geisel ist die Guerilla von kolumbianischen Einheiten umzingelt: „Sie können sich kaum noch bewegen.“ Noch sind aber der Kanadier Jernoc Wobert und die beiden deutschen Brüder Günther und Uwe B. in deren Hand. Der Vizepräsident des Landes, Angelino Garzon, sieht aber seine Armee momentan in einer starken Position und deswegen die ELN am Zug. Er forderte die linken Rebellen öffentlich auf, „alle sofort freizulassen, und zwar bedingungslos“. Weiter verkündete Garzon, dass Angehörige der Brüder der ELN sofort Dokumente zukommen lassen würden, „die beweisen, dass sie keine Spione sind“.

mc

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