Schwägerin des Besitzers

Erbt Brunhilde (90) den Goldschatz?

Bauarbeiter haben in Passau einen wertvollen Goldschatz gefunden. Nun muss geklärt werden, wem der Fund zusteht. Die Verwandte des gestorbenen Besitzers meldet sich nun zu Wort.

Der Schatz von Passau wartet auf seinen Besitzer. Das Blattgold, die Goldbarren und die wertvollen Münzen, die in der vergangene Woche bei Bauarbeiten gefunden wurden , liegen derzeit im Bankschließfach der Stadt. Bis der rechtmäßige Besitzer gefunden ist. Bekannt war bislang, dass das Haus, in dessen Keller der Schatz im Wert von knapp einer Million Euro gefunden wurde, einst dem Passauer Juwelier Leonhard Schreyer gehört hatte. Der war vor 15 Jahren gestorben, seine Ehe war kinderlos geblieben.

Nun könnte eine hochbetagte Dame durchaus berechtigte Ansprüche anmelden: Brunhilde, die 90-jährige Schwägerin von Leonhard Schreyer. Von dem Fund habe sie in der Zeitung gelesen, sagt sie im Gespräch mit der tz. Aber ob sie nun die rechtmäßige Besitzerin dieses Schatzes sei, wisse sie nicht. „Ich weiß nicht, ob es ein Testament gab.“

Nachdem Leonhard gestorben war, hätten sie und ihr Mann Franz das Uhrmacher- und Juweliergeschäft erst einmal weitergeführt. Ihr Mann sei dann im vergangenen Jahr im Alter von 85 Jahren gestorben, auch ihre Ehe blieb kinderlos. Es gab auch noch eine Schwester namens Helene, aber die sei auch schon viele Jahre tot, sagt Brunhilde. Von Nachkommen ihrer Schwägerin sei ihr nichts bekannt. Sie ist offenbar die Letzte der Familie.

Brunhilde erinnert sich gut an das Haus, in dem Leonhard mit seiner Frau Charlotte wohnte. „Es war sehr klein.“ Dass der Juwelier wertvolles Edelmetall im Haus gehabt habe, sei in der Familie bekannt gewesen. „Wir wussten, dass da Gold gelagert ist, aber darüber hat man nicht geredet.“ Verschwiegenheit ist schließlich Geschäftsgrundlage. „Leonhard war sehr diskret.“

Dass das Haus abgerissen wurde, um dem Neubau eines Wohnhauses zu weichen, hat Brunhilde gar nicht mitbekommen. Sie ist entsetzt darüber, denn dort hatte sie Fotoalben mit Bildern von ihrem Schwager Leonhard Schreyer, von ihrem Mann und von dem Juweliersgeschäft vermutet. „Ich bin sprachlos“, sagt sie, „alle Erinnerungen sind jetzt weg!“

Das Gold lag im Keller in alten Farbdosen, eingewickelt in Zeitungen aus dem Jahr 1964. Der Keller ist nun zugeschüttet, gestern ratterte ein Minibagger darüber und Bauarbeiter verlegten Drainagenrohre. Entdeckt wurde das Gold eher durch Zufall: Weil den Bauarbeitern, die das vermeintliche Gerümpel im Keller entsorgen sollten, einige alte Farbdosen auffällig schwer vorkamen, öffneten sie die Deckel. Und stießen auf den Schatz, eingewickelt in Zeitungspapier. Sie alarmierten die Polizei.

Es wird vermutlich eine komplizierte Frage, wem nun das Gold gehört. Wird es als normale Fundsache betrachtet oder als Schatz? Brunhilde sieht diesen Fragen gelassen entgegen und wartet. „Bei mir war noch niemand“, sagt sie, weder von der Polizei noch von der Stadt. „Wenn die sich rühren, ist es mir recht, wenn nicht, dann macht das aber auch nichts.“

Volker Pfau/Hubert Denk

Rubriklistenbild: © dpa

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