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„Sagt mal, Leute: Geht´s noch?“ - Teils unbekleidete Gaffer behindern Wiederbelebung an Badesee

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Von: Katarina Amtmann

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Steinsee, Moosach
Ein Mann ist in einem See untergegangen, bei seiner Wiederbelebung hatte die Feuerwehr mit Gaffern zu kämpfen (Symbolbild) © IMAGO / Wolfgang Maria Weber

An einem Badesee wurde ein Mann reanimiert. Zahlreiche Feuerwehrleute waren nötig, um ihn vor – teils nackten – Gaffern abzuschirmen.

Baiersdorf – Ein Mann ist in Mittelfranken nach einem Badeunfall gestorben. Die Feuerwehr macht ihrem Ärger über das Verhalten einiger Gaffer bei der Rettungsaktion auf Facebook Luft.

Feuerwehr-Einsatz am Ausee in Mittelfranken

Der Einsatz habe sich am 28. Juni ereignet. Nachdem ein Frau einen Notruf abgesetzt hatte, weil ihr Ehemann im Ausee plötzlich von der Wasseroberfläche verschwunden war, alarmierte die Integrierte Leitstelle am späten Dienstagnachmittag die dafür vorgesehenen Rettungskräfte, heißt es in dem Post vom 28. Juni.

Schon wenige Minuten später war die Feuerwehr mit dem Boot auf dem Wasser, zeitgleich begannen mehrere Feuerwehrleute schwimmend nach dem Mann zu suchen. Sie konnten ihn kurz darauf in rund vier Metern Tiefe orten, Taucher brachten ihn an die Wasseroberfläche und ans Ufer.

Erlangen: Mann am Ausee reanimiert - Er verliert den „Kampf um sein Leben“

Der Mann gab keine Lebenszeichen mehr von sich, die Einsatzkräfte begannen sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen. „Die Notfallversorgung vor Ort zeigten nach einer knappen Stunde dann Erfolg, und der Verunglückte, dessen Körpertemperatur im kalten Wasser stark abgesunken war, wurde mit einem Rettungswagen zur weiteren Behandlung in eine geeignete Klinik transportiert, wo er mittlerweile leider den Kampf um sein Leben verloren hat“, so die Feuerwehr auf Facebook weiter.

Die Einsatzkräfte setzen sich anschließend noch zusammen, um die Rettungsaktion zu besprechen, „um einer möglichen psychischen Beanspruchung durch das Erlebte entgegenzuwirken.“ Von Seiten der Einsatzkräfte sei alles optimal gelaufen, jeder hatte alles gegeben.

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Gaffer nach Badeunfall: Feuerwehr äußert sich emotional

„Ansonsten alles gut? Nein – nicht ganz. Denn wir können nicht unerwähnt lassen, was uns heute Nachmittag am meisten aufgeregt hat“, so die Feuerwehr weiter. „Stellen Sie sich vor, Sie wären mit Ihren Lieben am See und müssen nach einem Badeunfall aus nächster Nähe miterleben, wie die Rettungskräfte um das Leben Ihres Mannes, Ihrer Freundin oder ihres Kindes kämpfen. Und dann sehen, dass rund 15 Feuerwehrleute allein dafür nötig sind, um die verunglückte Person vor sich ungeniert, teilweise sogar splitterfasernackt von der Land- und der Wasserseite nähernden Gaffer*innen, abschirmen zu können! Oder die einfach meinen, sie müssten jetzt mit Fahrrad oder zu Fuß mittendurch! Oder mit der Bierflasche in der Hand einfach unbeteiligt zwischen den Einsatzfahrzeugen sitzen bleiben?“ macht die Feuerwehr ihrem Ärger Luft.

Feuerwehr kritisiert Gaffer: „Sagt mal, Leute: Geht´s noch? Habt Ihr den letzten Funken Anstand verloren?“

„Sagt mal, Leute: Geht´s noch? Habt Ihr den letzten Funken Anstand verloren? Kann man da sich nicht einfach dezent anziehen, aus dem Weg gehen und den Rettungskräften den Weg freimachen und -halten? Denkt mal bitte darüber nach! Danke! Es wäre schön, wenn wir sowas nicht wieder erleben müssten!“

Sagt mal, Leute: Geht´s noch? Habt Ihr den letzten Funken Anstand verloren?

Feuerwehr Baiersdorf

„Wenn ihr hier liegen würdet“: Schaulustige behindern Einsatz - Kind (1) und Mutter schwer verletzt

In der Fränkischen Schweiz wurde ein Kind versehentlich im Auto eingeschlossen. Rund 30 Gaffer filmten die Rettungsaktion der Feuerwehr.

Badeunfall an Erlanger Baggersee: Menschen schockiert über Gaffer

„Unmöglich das Verhalten. Wie kann man nur so egoistisch sein. Ich, ich ich...“, ist in den Kommentaren zu lesen. „Jeder Gaffer sollte mal eine Woche in der Klinik arbeiten, danach gafft er sicherlich nie mehr, weil es ihm vergangen ist“, zeigt sich eine Frau wütend. „Sehr gut geschrieben. Es müssen harte Strafen für die Gaffer her“, findet eine weitere Person. Für die Feuerwehr, ihren Einsatz und den Facebook-Text gibt es viel Lob. (kam)

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