Am Samstag wurde sie bestattet

Ermordete Schwangere: Warum musste Anastasia (22) sterben?

Ingolstadt - Sie war im sechsten Monat schwanger, als sie ermordet wurde. Am Sonntag wurde Anastasia (22) zu Grabe getragen. Unter dringendem Tatverdacht steht der Lebensgefährte der jungen Frau.

Rosarote Rosen zierten die Urne mit der Asche der ermordeten Anastasia (22) und ihrer ungeborenen Tochter, als sie am Samstag aus der Stadtpfarrkirche von Bad Griesbach getragen wurde. Hinter ihr schritt ihre Mutter Natalia (53) mit einer rosa Kerze in der Hand. „Unsere Liebe begleitet dich“, hatte die Familie neben das Sterbebild geschrieben.

Im Tod kehrte die ermordete angehende Hotelfachfrau aus Ingolstadt heim in die niederbayerische Provinz, der sie einst zu entkommen suchte. „Es zog dich in die Stadt, wo du beruflich vorankommen wolltest“, sagte Pfarrer Klaus Stolz in seiner Predigt. „Aus allen deinen Plänen kann nun nichts mehr werden.“

Am Sonntag vor einer Woche war ihre Leiche aus der Donau gefischt worden. Wie berichtet, hatte ein Spaziergänger den leblosen Körper der jungen Frau am vergangenen Sonntagmorgen entdeckt. Sie lebte noch, als sie ins eiskalte Wasser geworfen wurde, das hat die Obduktion ergeben. „Als Kind wäre sie beinahe mal in einem Baggersee ertrunken, seither hatte sie panische Angst vor dem Wasser“, erzählte ihre Mutter dem Donaukurier.

Die Hinterbliebenen haben so viele Fragen, doch kaum Antworten. „Von der Polizei erfahren wir nichts“, sagt Anastasias Bruder Eugen (33) der tz. Der Pfarrer versuchte zu trösten: „Auf die Frage nach dem Warum haben wir keine Antwort. Auch nicht auf den quälenden Gedanken, wie manches zu verhindern gewesen wäre.“

Tatsächlich gab es offenbar vor dem Mord Warnsignale. Während die Familie glaubte, in der Beziehung zum 24-jährigen Kindsvater sei alles in Ordnung, suchte Anastasia verzweifelt nach einem schützenden Dach für sich und ihr ungeborenes Kind. „Es ist sehr dringend!“, schrieb sie am 7. Oktober auf Facebook. „Ich bin derzeit im sechsten Monat schwanger und muss gezwungenermaßen in einer Obdachlosenunterkunft hausen ...“ Im Frauenhaus und im Mutter-Kind-Heim finde sie keinen Unterschlupf.

Die Polizei hat den 24-jährigen Lebensgefährten, einen Bundeswehrsoldaten und laut Donaukurier gelernten Koch, unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Doch der schweigt. Anastasias Familie ist von seiner Schuld nicht überzeugt. „Ich hoffe, der richtige Täter wird erwischt und hart bestraft“, sagt Bruder Eugen. Er habe zwei Menschenleben auf dem Gewissen.

Pia oder Mia sollte das Kind heißen, dessen Geburt für den 20. Januar erwartet wurde. „Mein größtes Glück auf Erden“, hatte Anastasia, die am 14. Dezember ihren 23. Geburtstag gefeiert hätte, unter ein Foto geschrieben, auf dem sie mit Baby-Bäuchlein posiert. Daneben postete sie immer neue Fotos von sich, mal mit kurzen, mal mit langen Haaren, mal flippig bunt, mal brav. „Ich bin sicher, dass du im Himmel manchen überraschen wirst mit neuen Frisuren und bunten Haaren“, rief ihr der Pfarrer nach, als er ihre Urne über den Stadtplatz von Bad Griesbach zum Friedhof begleitete. Genau in diesem Moment brach die Sonne durch den Nebel.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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