Erneuter Skulpturen-Fund

Schmelings Frau steht nackt in der Scheune

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53 Jahre lang waren Max Schmeling und Ondra verheiratet.

München - Max Schmelings Frau Ondra stand einst Modell für den Bildhauer Josef Thorak, der einer von Adolf Hitlers Lieblingskünstlern war. Nun ist die lange verschwundene Bronzefigur überraschend wieder aufgetaucht.

Hitlers zwei Riesenpferde, die vor der Berliner Reichskanzlei standen, versteckten sich für Jahrzehnte in einer schmucklosen Lagerhalle. Bis die Bronze-Werke des Bildhauers Josef Thorak (1989 bis 1952) vor nicht einmal drei Wochen bei einer Razzia entdeckt wurden. Nun sind drei weitere Skulpturen des von Hitler hofierten Bildhauers, der seit 1938 bei Bad Endorf im Schloss Hartmannsberg wohnte, aus der Versenkung aufgetaucht: Hanneles Himmelfahrt, die Miniatur Pferd – und eine lebensgroße nackte Frau. Dabei handelt es sich um die Bronzefigur Die Schöne nach dem Bade aus dem Jahre 1935. Thoraks Aktmodell war die damals berühmte tschechische Filmschauspielerin Anny Ondra. Dass sie sich vor dem Künstler nackt zeigte, blieb lange ein Geheimnis. Schließlich war Ondra nicht nur ein Star, sie war auch mit dem zu dieser Zeit größten Sportler Deutschlands verheiratet – mit dem Schwergewichts-Boxweltmeister Max Schmeling.

Die hüllenlose Anny Ondra in Bronze.

Doch wie kommt es, dass die Aktfigur aus der Nazizeit plötzlich wieder zum Vorschein kam? Dahinter steckt ein Gaunerstück aus dem Bereich Hehlerei, das vor dem Amtgericht Rosenheim verhandelt wurde. Der Hauptakteur in der Sache war ein 51-jährger Kunsthändler aus dem Raum Wasserburg am Inn. Der hatte plötzlich die hüllenlose Anny Ondra in Bronze in Besitz und bot sie auf dem Markt an. Nachfahren von Thorak wussten aber, dass die Badende gestohlen war: Aus einem mit schlichtem Vorhängeschloss gesicherten Stadel, wo die Figur mit den beiden anderen herumgestanden hatte. Die Eigentümer hatten den echten Wert der drei Objekte, laut Staatsanwaltschaft rund 125 000 Euro, wohl völlig unterschätzt.

Der Händler berichtete Richter Christian Baier, er habe die Thorak-Skulpturen – für Anny Ondra zahlte er einen fünfstelligen Betrag – zunächst nicht als solche erkannt. Erst nach der Reinigung sei ihm die Herkunft klar geworden. Als er die Stücke anbot und die Nachfahren davon erfuhren, geriet er aber ins Visier der Justiz. „Wirkliche Hehlerei war aber nicht beabsichtigt“, sagte er vor Gericht. „Ich habe es nur an der notwendigen Sorgfalt fehlen lassen.“

Unklar blieb, wer ihm die Stücke überhaupt angeboten und verkauft hatte. Der Dieb, der sich als gewisser Sebastian Mayer ausgab, blieb auch vor Gericht ein Phantom. Sowohl die Daten im Kaufvertrag als auch die gesamte Identität – frei erfunden.

Verteidiger Ulrich Hieronimi sah seine Mandanten selbst als Opfer des Diebes und beantragte die Einstellung des Verfahrens. Dazu war die Staatsanwaltschaft indes nicht bereit. Spätestens, als der Angeklagte den Künstler erkannte, hätte er einen Diebstahl ernsthaft in Erwägung ziehen müssen. Er honorierte aber, dass der Angeklagte seit 1985 in einem gefährdeten Geschäftsfeld tätig war, ohne dass jemals aus solchen Gründen gegen ihn ermittelt worden war.

Während die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung beantragte, hielt die Verteidigung acht Monate für ausreichend. Hieronimi: „,Zumal die Skulpturen an die Eigentümer zurückgehen und mein Mandant durch den Ankauf bereits erheblichen Schaden erlitten hat.“ Richter Christian Baier stimmte dem zu. Und gab dem Händler einen Rat: „Hüten sie sich für die Zukunft vor solch komischen Geschäften!“

Vorsicht ist also geboten, denn: Die dritte gestohlene Skulptur Hanneles Himmelfahrt schwirrt ja noch irgendwo herum …

Theo Auer, Markus Christandl

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