Erste Bedenken nach Schildkrötenjagd

"Vielleicht gibt es Lotti gar nicht"

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Tatort Oggenrieder Weiher: Die verbissene Suche nach Lotti geht weiter – weil bei einem weiteren Angriff die Gemeinde haftbar wäre.

Irsee - Auch wenn verbissen nach ihr gesucht wurde: Noch immer fehlt jede Spur von Schildkröte Lotti. Inzwischen gibt es sogar erste Zweifel, was ihre Existenz angeht.

Es ist zum Narrischwerden: Da wird seit Tagen mit allen verfügbaren Mitteln Jagd auf die Schad-Schildkröte Lotti gemacht – aber noch immer fehlt jede Spur von dem bissigen Störenfried. Dabei haben die Behörden mit Elektrozäunen, Suchhunden, Nachtsichtgeräten und Lebendfallen mittlerweile alles am Oggenrieder Weiher aufgeboten, um Lotti endlich zu schnappen. So mancher Zuschauer frotzelt schon, ob nicht bald die GSG9 zum Einsatz kommt, um das gepanzerte Phantom dingfest zu machen. Es könnte aber auch eine ganz banale Erklärung dafür geben, dass die Schnappschildkröte wie vom Erdboden verschluckt ist. „Vielleicht gibt es Lotti ja gar nicht“, sagt Markus Baur von der Münchner Reptilienauffangstation. „Ganz sicher weiß das keiner.“

Oh je – all der Wirbel um nichts? Experte Baur, der selbst einen Tag am Oggenrieder Weiher nach Lotti Ausschau hielt, will etwas Nüchternheit in den Fall bringen. „Die Verletzungen bei dem Buben sehen typisch nach dem Biss einer Schnappschildkröte aus“, erklärt er gegenüber der tz. „Niemand hat aber je mit Sicherheit behauptet, dass Lotti wirklich existiert. Es kann sie geben, es kann aber auch nicht so sein.“ Fakt ist nämlich: Der 8-Jährige aus Bonn hat keine Schildkröte gesehen. Er stand im Wasser und spürte plötzlich einen Schlag am Fuß. Später diagnostizierten Ärzte. dass seine Archilles-Sehne durchschnitten war. Auch der stellvertretende Bürgermeister von Irsee, Bertram Sellner, mutmaßt, dass Lotti ein Phantom sein könnte. Man habe beim Ablassen des Sees einen 20 Zentimeter großen Flusskrebs gefunden – vielleicht habe der zugezwickt, so der Politiker. „Unmöglich“, sagt dazu Baur, „da fehlt die Kraft.“ Mittlerweile hat man übrigens wieder Wasser in den Weiher eingelassen, um Lotti aus dem Schlamm und zu den aufgestellten Lebendfallen zu locken. Wer für das ganze Tamtam zahlt? Die Gemeinde.

Na ja – egal, ob es Lotti gibt oder nicht – mittlerweile ist sie richtig berühmt: Am Freitag berichtete die englische Zeitung The Independent groß über die „bavarian turtle“, die Angst und Schrecken verbreitet. Fragt sich, wie lange noch?

Armin Geier

Der Irrsinn von Irsee: Suche nach Schildkröte Lotti

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