Farbenfroh, aber nicht provokant

Erster Christopher-Street-Day in Bad Tölz

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Sie führten den Festzug an: Die Vorsitzenden des SchuTz-vereins Franz Ditz (li.) und Peter Priller mit der Schirmherrin und Landtagsabgeordneten Claudia Stamm.

Bad Tölz - Schrill, provokant, anzüglich: So werden die Paraden von Schwulen und Lesben oft beschrieben. Beim 1. Christopher Street Day in Bad Tölz am Samstag konnte davon kaum die Rede sein.

Die überwiegende Mehrheit der geschätzt rund 650 Teilnehmer zeigte sich so, wie sie auch von der Gesellschaft gesehen werden möchte: ganz normal.

Infostände und Grußworte in der Marktstraße sowie der Zug hinaus zur „Alten Schießstätte“ mit anschließendem buntem „Queer-Abend“ waren ebenso Teil des dreitägigen Gay-Pride-Weekends wie eine Rainbow-Disconacht im Turmkeller am Freitag sowie ein literarischer Frühschoppen und ein ökumenischer Gottesdienst im Hanfstänglhaus am Sonntag.

Anlass für die Feierlichkeiten war das 20-jährige Bestehens des Vereins „SchuTz – Schwule und Lesben in Tölz und im Oberland“. Rund 30 Schwulen- und Lesbenvereine aus dem In- und Ausland waren dazu angereist.

Auch wenn Bad Tölz eine Brauchtums-orientierte Stadt sei, sei sie doch in vielen Dingen toleranter und offener als manch andere Kommune, stellte Bürgermeister Josef Janker in seinem Grußwort fest, nachdem ihm für das unkomplizierte Entgegenkommen der Stadt Dank gesagt worden war. „In Tölz ticken die Uhren richtig.“

Als vor 20 Jahren der Verein gegründet worden sei, „um damit ein Tabu-Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, war dies ein sehr mutiger Schritt“, wandte sich Janker an den SchuTz-Verein und dessen Vorstände Franz Ditz und Peter Priller.

Die Organisation sei eine wichtige Anlaufstelle und große Hilfe für die Betroffenen. „Wir haben zwar rechtlich einiges an Gleichstellung erreicht, aber es gibt immer noch Vorurteile und Anfeindungen. Vielen fällt es deshalb schwer, sich zu outen“, gab der in bayerischer Lederhose aus Franken angereiste Ralf Schaffelhofer zu bedenken. Er ist der „Bavarian Mister Leather“, also der Repräsentant und das Sprachrohr der Schwulen in Bayern. „Nicht die Sexualität steht im Vordergrund, sondern der Mensch“, fügte er hinzu.

Weil ausgerechnet zum Zeitpunkt der Reden ein Gewitterschauer niederging, fassten sich auch die politischen Ehrengäste relativ kurz. Er sei „fast ein bisschen neidisch“, dass diese Veranstaltung nicht in seinem Amtsbereich stattfinde, meinte Miesbachs Landrat Wolfgang Rzehak – sein Tölzer Kollege Josef Niedermaier war terminlich verhindert. Landtagsabgeordnete Claudia Stamm (Grüne) und Bundestagsabgeordnete Doris Wagner (Grüne) versprachen, sich weiterhin für die „bunte Vielfalt“ unter dem Symbol des Regenbogens einzusetzen. „Es gibt keine Liebe zweiter Klasse“, so Wagner.

Pünktlich zum Beginn der Parade hinaus ins Badeteil verzog sich das Gewitter. Und so ging’s im Takt der Samba-Trommelgruppe und mit schwingenden Fahnen los. Dabei waren auch einige schillernde Figuren wie „Madame Duse“ im schwarzen Paillettenkleid und die mit abstrakter Schaumstoffschleife auf dem Kopf und viel Schminke gestylte bärtige „Mylady Charleen“ – nicht unbedingt zur Freude aller Schwulen und Lesben: „Das ist nicht das Bild, das wir von uns vermitteln wollen“, sagten Toni und Christian aus dem Münchner Raum. „Uns geht es um Akzeptanz. Wir wollen als normal angesehen werden. Das heißt nicht, dass jedem unsere Lebensart gefallen muss.“

Rosi Bauer

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