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Oberbayerns Windkümmerer Peter Beermann: „Es gibt viele Irrtümer über Windkraft“

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Von: Susanne Sasse

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Ein Windrad dreht sich hinter einer Siedlung in Wildpoldsried (Kreis Oberallgäu)
Der Ausbau der Windenergie in Bayern stagniert, ein Grund sind die Abstandsregeln. Neuen Schwung soll ein Windkümmerer bringen. © Karl-Josef Hildenbrand

Der Ausbau der Windkraft in Bayern stockt. Nun setzt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sogenannte Windkümmerer ein, um so dem Ausbau wieder neuen Schwung zu verleihen.

Peter Beermann (46) ist Geschäftsführer einer Energiesysteme-Firma in Solln seit einigen Tagen Windkümmerer in Oberbayern. Er erklärt, wie er es bewerkstelligen will, dass neue Windkraftanlagen gebaut werden.

Warum stockt der Windenergie-Ausbau?

Es gibt viele Hemmnisse für Genehmigungen Artenschutz, Denkmalschutz, und auch die 10H-Regelung, die den Abstand zur Wohnbebauungs festlegt. Zugleich haben die Kommunen eine große Aufgabe mit dem Windkraftausbau übertragen bekommen. Diese sind aber oft zu klein, haben nicht genug Mittel, Personal und Fachwissen, um die Voraussetzungen für den Bau eine Windkraftanlage schaffen zu können. Deshalb sollen Spezialisten als Unterstützer helfen.

Wie funktioniert das dann?

Die Kommunen konnten sich schon im Vorfeld bewerben. Fünf Projekte wurden ausgewählt, sie alle sind in unterschiedlichen Stadien – teils gibt es nur ein Windgutachten, an anderen Fällen bereits konkrete Planungen. In Oberbayern werde ich die Gemeinden von Pullach und Neuried unterstützen, die gemeinsam ein Windkraftprojekt auf die Beine stellen wollen. Zudem Pfaffenhofen an der Glonn, Mammendorf, Schrobenhausen und den projektbezogenen Zusammenschluss von Trostberg, Traunreut und Palling.

Die Europäische Union hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 klimaneutral zu werden. Aber in Bayern scheint die Windkraft Feinde zu haben.

Diesen Eindruck kann man bekommen, denn im Internet sind die Kritiker sehr präsent. Umfragen zufolge aber sind 70 Prozent der Deutschen für die Nutzung der Windkraft und dies auch dann, wenn eine Anlage bei ihnen in der Kommune gebaut wird. Ich bin mir sicher, dass die meisten Deutschen für aktiven Klimaschutz durch die Nutzung regenerativer Energien sind. Weil die Kritiker so laut auftreten, nimmt man sie mehr wahr als die Befürworter.

Windkümmerer Peter Beermann
Peter Beermann ist Windkümmerer. © STMWVE

Kritiker behaupten, es gehe bei der Windkraft um Geld statt um Klimaschutz. Andere sagen, die Anlagen seien nicht effizient. Stimmt das?

Klar, die Windkraft ist eine Industrie, die man nicht komplett heiligsprechen kann. Im Norden und Osten Deutschlands gab es tatsächlich große Planungsbüros, die dort aus Windparks für sie rentable Investments machten, von denen Kommunen und Bürger weniger profitierten als zunächst versprochen. Aber Oberbayern ist für diese Unternehmen nie interessant gewesen. Wir sind dicht bebaut, und der Wind ist in Alpennähe verwirbelt, es braucht hohe Windräder. Gegen den falschen Eindruck, dass die bestehenden Anlagen Draufzahlbetriebe seien, muss man aufklären. Die Anlagen rentieren sich. Mancher Eindruck trügt. Zum Beispiel hat sich jemand an uns gewendet, der sagte, das Windrad auf dem Müllberg im Norden Münchens stehe immer still. Er sehe es täglich auf dem Heimweg. Wir haben ihn darüber informiert, dass es immer dann stillsteht, wenn er von der Arbeit heimfährt, weil es eine Schattenabschaltung bei tief stehender Sonne gibt zum Schutz der Auensiedlung.

Auch Kommunen haben sich wegen Windkraftanlagen gestritten, man denke an die vier Windräder, die Berg nahe der A95 gebaut hat. Hier empfanden es manche aus Nachbarkommunen so, als hätten ihnen die Berger Windräder vor die Nase geknallt.

Dass Windkraftanlagen nah an der Grenze zur Nachbargemeinde stehen, ist kein böser Wille. Man kann sie nicht direkt auf den Marktplatz stellen. Mehr Konsens lässt sich etwa erzielen, wenn sich Kommunen für Windkraft zusammenschließen, so wie etwa im Kreis Fürstenfeldbruck es Mammendorf und Maisach getan haben.

Wie kann man noch die Akzeptanz verbessern?

Indem man transparent ist und informiert. Gut sind auch Modelle, bei denen die Bürger beteiligt werden, etwa durch Genossenschaften, Nachrangdarlehen oder indem eine Kommanditgesellschaft gegründet wird, an der Bürger Anteile erwerben könne – so wie das in Berg gemacht worden ist.

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