Schwiegersohn ausgenommen

Ex-Ministerialrat als Betrüger vor Gericht

München - Weil er den Mann seiner Adoptivtochter ausgenommen und erpresst hat, muss sich ein Ex-Ministerialrat jetzt vor Gericht verantworten. Der Schaden ist enorm.

Als mutmaßlicher Millionenbetrüger muss sich ein pensionierter Ministerialrat der Staatskanzlei seit Dienstag vor dem Münchner Landgericht verantworten. Zusammen mit seiner Adoptivtochter soll der 55-Jährige deren Ehemann um fast drei Millionen Euro geprellt haben. Laut Anklage hatte sich die Frau als italienische Prinzessin ausgegeben und ihren Mann mit Räuberpistolen über ihren gefährlichen Großonkel eingeschüchtert. Das Opfer, ein ehemaliger Anwalt, ist inzwischen Hartz-IV-Empfänger.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 33 Jahre alten Frau und dem früheren Europarechtler außerdem falsche Verdächtigung vor. Denn als der inzwischen geschiedene Ehemann, damals Partner einer großen Wirtschaftskanzlei, Ende 2010 hoch verschuldet endlich die Notbremse zog, verfolgten ihn die Angeklagten mit 26 Strafanzeigen. Alle Verfahren gegen den Anwalt wurden jedoch eingestellt. Das angeklagte Paar sitzt seit Juli 2012 in Untersuchungshaft.

Die mutmaßliche Heiratsschwindlerin wollte sich am ersten Prozesstag nicht zu den Vorwürfen äußern. Ihr Adoptivvater dagegen sagte ausführlich aus. Er beschuldigte dabei vor allem seinen Ex-Schwiegersohn, der am Donnerstag als Zeuge erwartet wird.

Der 45-jährige Anwalt hatte in Vernehmungen zu Protokoll gegeben, er sei mit einem erfundenen mörderischen Großonkel von italienischem Adel konfrontiert worden. Und es habe Todesdrohungen gegen ihn gegeben, mit denen von ihm nach und nach knapp 800 000 Euro Bargeld erpresst worden sei sowie eine Luxuswohnung in München-Schwabing im Wert von gut 2,1 Millionen Euro.

Der angeklagte Ex-Ministerialrat stritt das alles ab. Er schilderte seine Mitangeklagte als junge Frau, die völlig allein auf der Welt stand und als Kind in „bitterster Armut“ lebte. Er habe sie in seine Drei-Zimmer-Wohnung aufgenommen und 2005 adoptiert.

Laut Anklage überschrieb er ihr sogar sein ganzes Vermögen. Irgendwann hab er sich „als Vater gesagt, sie muss auch mal Männer kennenlernen“. In einem Internetforum seien sie auf den späteren Ehemann gestoßen. Sehr schnell sei in Las Vegas die Ehe geschlossen worden: „Es war eine Liebesheirat.“ Die Großzügigkeit des früheren Ehemanns der Angeklagten habe nichts mit einem Mafia-Drohszenario zu tun gehabt, sagte der 55-Jährige.

Schließlich sei die Ehe an Gerüchten über eine Affäre zwischen dem Anwalt und seiner Sekretärin gescheitert. Der Schwiegersohn habe um die Ehe gekämpft und seiner Frau die Wohnung überschrieben. Im November 2011 war dennoch Schluss, ein Rosenkrieg begann.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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