Ex-Soldat vor Gericht

Stach er aus purer Mordlust zu?

+
Christoph R. steht ab heute vor dem Landgericht.

Traunstein - Heute beginnt in Traunstein der Prozess gegen den WM-Mörder von Bad Reichenhall. Da Christoph R. zur Tatzeit erst 20 Jahre alt war, steht er vor der Jugendkammer.

Wenn heute im Saal B33 des Landgerichts Traunstein eine Anklage verlesen wird, geht es um kaum zu ertragende Details. Einzelheiten über Schnitt- und Stichverletzungen, die in der Nacht auf den 14. Juli 2014 – der Nacht, in der Deutschland Fußballweltmeister wurde – zwei zufällig ausgesuchten, völlig ahnungslosen Menschen mit einem Kampfmesser zugefügt wurden. In Bad Reichenhall und mitten im WM-Trubel. Täter soll der damalige Bundeswehrsoldat Christoph R. sein, der am Montag 21 Jahre alt wurde. Eines der beiden Opfer, der Rentner Alfons S. (72) starb, das zweite, die damals 17-jährige Sarah, überlebte, schwerstverletzt und halb blind.

R., der aus Rheinland-Pfalz stammt, hatte die Hochstaufen-Kaserne eine Zeit nach dem Endspiel verlassen. Das Kampfmesser mit 16 Zentimeter langer Klinge nahm er mit. Warum?

Die Staatsanwaltschaft ist inzwischen davon überzeugt, dass der Soldat sich aus reiner Mordlust auf den nächtlichen Trip durch die Garnisonsstadt begab. Gegen 2.30 Uhr traf er in der Innenstadt auf Alfons S. Wie eine Bestie stach er auf den alten Mann ein und tötete ihn. Mit der Geldbörse des Mannes verließ er den Tatort. Nur Minuten später prahlte er vor Passanten, dass er gerade einen Menschen umgebracht habe. So hat es die Mordkommission ermittelt.

Nach etwa einer weiteren halben Stunde begegnete er seinem zweiten Opfer. Die 17-jährige Sarah war auf dem Nachhauseweg, ihr Rad schob sie neben sich her. Zunächst grüßte der junge Mann die Auszubildende. Dann griff er sie von hinten an und stach ihr ins Genick. Als das Opfer zu Boden ging, stach er wieder zu – in die Brust und ins linke Auge der Frau. Den Stich ins linke Auge hatte er auch gegen sein erstes Opfer Alfons S., geführt.

Anschließend verließ der Messerstecher den Ort. Sarah überlebte, schleppte sich mit letzter Kraft zu einem Haus und klingelte die Bewohner heraus, die sofort Hilfe holten.

Der Soldat floh nach Norwegen und wurde dort später festgenommen. Auf seine Spur war die Polizei durch Hinweise aus der Bundeswehr gekommen. Bei einer Durchsuchung von Spind und Stube des Verdächtigen wurde eine Messerscheide gefunden, zu der die Tatwaffe passt. Das Messer selbst war zuvor gefunden worden. Der Zeitsoldat wurde inzwischen aus der Bundeswehr entlassen – nicht wegen des Mordvorwurfs, sondern weil er sich unerlaubt von der Truppe entfernt hatte.

Für den Prozess sind elf Verhandlungstage vorgesehen. Da Christoph R. zur Tatzeit erst 20 Jahre alt war, steht er vor der Jugendkammer.

Auch interessant

Meistgelesen

Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
„Unfassbarer Schmerz“: Große Trauer nach Tod von junger Radlerin
„Unfassbarer Schmerz“: Große Trauer nach Tod von junger Radlerin
Tote Triathletin: So bewegend nehmen Weggefährten Abschied
Tote Triathletin: So bewegend nehmen Weggefährten Abschied
Tote und Verletzte bei Unfall in Bayern
Tote und Verletzte bei Unfall in Bayern

Kommentare