Interessante Wende vor Gericht

17-Jähriger dank Facebook aus dem Knast

Augsburg - Fast vier Monate saß ein Jugendlicher in Untersuchungshaft, weil er angeblich eine 15-Jährige sexuell genötigt haben soll. Doch dank Facebook ist er nun wieder auf freiem Fuß.

Seit Ende März saß ein 17-jähriger Diedorfer im Neuburger Jugendgefängnis in Untersuchungshaft, wie die Augsburger Allgemeine berichtet. Nun ist der Schwabe wieder frei. Der Vorwurf, er habe eine 15-Jährige sexuell genötigt, konnte unter anderem dank eines Facebook-Protokolls widerlegt werden.

Der junge Mann ist kein unbescholtener Bürger. Obwohl er erst 17 Jahre alt ist, hat er schon zahlreiche Straftaten begangen. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet ihn als jugendlichen Intensivtäter. Zuletzt war er unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Einheitsjugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Acht Tage später kamen die Vorwürfe einer 15-Jährigen auf, der damals 16-Jährige habe sie auf einem Spielplatz sexuell genötigt. Tatsächlich machte der Jugendliche mehrere Annäherungsversuche bei dem Mädchen. Laut der Augsburger Allgemeinen gab die 15-Jährige dem interessierten jungen Mann aber noch auf einem Spielplatz bei Diedorf zu verstehen, dass er die Finger von ihr lassen solle. Das Jugendgericht wollte nun herausfinden, wie viel Gewalt der Angeklagte bei seinen Annäherungsversuchen angewendet hatte. Davon wurde das Strafmaß abhängig gemacht.

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Doch die Vorwürfe waren vor Gericht schnell relativiert. Bei der Polizei hatte das Opfer noch ausgesagt, es sei Gewalt im Spiel gewesen. Vor Gericht erzählte sie eine andere Version. Eine Freundin, die zuvor mit dem Angeklagten zusammen war, habe ihr geraten, zur Polizei zu gehen und die Vorwürfe zu erheben. Der Anwalt des 17-Jährigen konnte den Angeklagten noch weiter entlasten. In einem Facebook-Chatverlauf schrieb die 15-Jährige einer Freundin, der Vorfall sei nicht so schlimm gewesen. 

Damit konnte der Anwalt schließlich sogar die Staatsanwaltschaft überzeugen. Sie war laut der Augsburger Allgemeinen nicht zuletzt wegen des Chatprotokolls der Ansicht, dass die Schuld des Angeklagten nicht bewiesen ist, und plädierte ebenso wie der Verteidiger auf einen Freispruch. Der Richter sprach den jungen Mann daraufhin frei.

jor

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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