Besuch in der Grenzregion

Fahrverbote in Tirol: Verkehrsstreit mit Bayern geht weiter - doch die Anwohner atmen endlich auf

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Über mehrere Kilometer staute sich der Verkehr bei der Dosierampel an der B 175 von der A 93-Abfahrt Oberaudorf kommend. Die Autofahrer brauchten hier am Samstag viel Geduld.

Seit Wochen schwelt der Verkehrsstreit zwischen Tirol und Bayern. Die Fahrverbote für den Ausweichverkehr stellten viele Autofahrer am Wochenende wieder auf eine Geduldsprobe. Die Anwohner hingegen freuen sich über die Entlastung. Ein Besuch in der Grenzregion.

Kiefersfelden/Kufstein – Herbert Haberl steht in der Nähe der Dosierampel an der B 175 bei Niederndorf, einem kleinen Dorf direkt hinter der bayerisch-österreichischen Grenze nahe Kufstein. Konzentriert beobachtet er den Verkehr. Das ist heute seine Aufgabe. Haberl ist der Leiter des Verkehrsreferats der Bezirkshauptmannschaft Kufstein. Er koordiniert an diesem sonnigen Samstag den Verkehr. Sobald sich zu viele Autos an der Ampel stauen oder kaum noch Verkehr auf der Strecke unterwegs ist, muss er reagieren. „Dann kann ich per Funk entsprechende Maßnahmen einleiten“, erklärt er. Damit meint er, dass der Takt der Ampel dann anders geschaltet werden würde.

Verkehrsstreit Bayern-Tirol: Autofahrer brauchen starke Nerven 

Doch hier in Niederndorf läuft alles flüssig. Nach kurzer Zeit setzt sich Haberl wieder ins Auto und fährt zur nächsten der insgesamt fünf Kontrollstellen. Das macht er den ganzen Tag. „Bis jetzt läuft der Verkehr insgesamt so, wie wir uns das vorgestellt haben“, zieht er kurz eine Zwischenbilanz. Die Anwohner würden die Verkehrsregelungsmaßnahmen begrüßen. „Das freut uns natürlich sehr“, sagt Haberl.

Harald Meuchel ärgert sich in Kiefersfelden seit Jahren über den Verkehr.

Einige Urlauber und Autofahrer brauchten aber starke Nerven. Wie berichtet, hat das österreichische Bundesland Tirol Fahrverbote für den Ausweichverkehr ausgesprochen. Noch bis Mitte September müssen Autofahrer am Wochenende bei Innsbruck, Reutte und Kufstein auf der Autobahn bleiben. Die Dörfer sollen so von den vielen Schleichweg-Nutzern entlastet werden. Rund um Innsbruck waren am ersten Wochenende rund tausend Autofahrer auf die Autobahn zurückgeschickt worden, die versucht hatten, dem Verkehr über Nebenstrecken auszuweichen. Pünktlich um 7 Uhr morgens trat das Fahrverbot vergangenes Wochenende wieder in Kraft, die Ampeln wurden eingeschaltet, das Überwachungspersonal bezog Position – erwartet wurde hohes Verkehrsaufkommen, denn am Freitag hatten in vielen deutschen Bundesländern bereits die Sommerferien begonnen. Während der Verkehr auf der B 171 von Kiefersfelden Richtung Kufstein zunächst gering war, staute er sich auf österreichischer Seite der B 171 von Wörgl Richtung Kufstein schon früh an der Dosierampel. Auch nach der Abfahrt Oberaudorf von der B 175 in Richtung Niederndorf herrschte schon in den Morgenstunden reger Verkehr.

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Hermann Weißsteiner hat früher bis zu 130 Autos in fünf Minuten gezählt.

In direkter Nähe der Dosierampel wohnt Hermann Weißsteiner. Früher seien an seinem Haus manchmal in fünf Minuten bis zu 130 Fahrzeuge vorbeigerollt, berichtet er. „Durch die Dosiermaßnahme ist das deutlich besser geworden“, betont er. „Die neue Verkehrsregelung ist ein Schutz für Anwohner, die wie ich an überlasteten Straßen leben.“ Auch Harald Meuchel kennt das Verkehrschaos während der Ferienzeiten nur zu gut. Der 58-Jährige ist vor fünf Jahren aus Thüringen nach Kiefersfelden gezogen. „Ich finde diese Maßnahme wirklich gut für die Bevölkerung“, sagt er. An der Maut würden die Urlauber gern sparen. „Auf Kosten der Menschen in der Grenzregion, die durch den Verkehr jedes Wochenende stark belastet werden.“

Schon ein paar Stunden später staute sich der Verkehr auf der Autobahn 93 bei Oberaudorf gewaltig. Die Dosierampel in Richtung Niederndorf löste kilometerlange Staus aus. Auch auf der Gegenspur mussten die Autofahrer viel Geduld beweisen. Dort staute sich der Verkehr ebenfalls über mehrere Kilometer – allerdings wegen der Grenzkontrollen auf deutscher Seite.

FRANZ HOFFMANN

Fahrverbote: Tirol bleibt hart und setzt neue Urlauber-Sperren

Jetzt hat Tirol nachgelegt und damit gedroht, die Fahrverbote auf die Wintersaison auszuweiten. Anstatt in Österreich sollen die Bayern ihrem Winterurlaub künftig im Freistaat verbringen. Dazu rät zumindest Ministerpräsident Markus Söder.

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