Freier Ausgang und Messebesuch

Fall Haderthauer: Das süße Leben des Dreifachmörders

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Wein und Schmankerl: Der Dreifachmörder Roland S. (li.) besuchte mit Hubert Haderthauer eine Messe.

München - In der Affäre Haderthauer sind Fotos aufgetaucht, die das bizarre Verhältnis des Modellauto-bauenden Dreifachmörders mit dem Ehemann der heutigen Staatskanzleichefin verdeutlichen.

Der Dreifachmörder Roland S. (li.) mit Hubert Haderthauer.

Die Fotos entstanden in Frankfurt am Main, Anfang der 90er-Jahre, am Rande einer Messe. Zwei Herren in gelöster Stimmung sind darauf zu sehen, eine Flasche Wein, zwei Gläser. Treffen zwischen einem Arzt und einem Patienten, wie in diesem Fall, sehen normalerweise anders aus. Vor allem dann, wenn der eine der beiden ein dreifacher Mörder ist, der zu der Zeit im Bezirkskrankenhaus (BKH) Ansbach untergebracht ist. Der andere Mann auf dem Foto ist Dr. Hubert Haderthauer, Landgerichtsarzt in Ingolstadt und Ehemann der heutigen Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU).

Aus Unterlagen des BKH Ansbach geht hervor, dass die gerichtlich eingewiesenen, psychisch kranken Straftäter je nach ihrer potenziellen Gefährlichkeit verschiedenen Sicherheitsstufen zugeordnet wurden. Der Fürther Landtagsabgeordnete Horst Arnold, Rechtsexperte der SPD-Fraktion und mit der Modellauto-Affäre seit längerer Zeit befasst, bezieht sich auf die Aussagen von damals amtierenden Bezirksräten: „Der Dreifachmörder befand sich damals in der höchsten Sicherheitsstufe.“ Diese schreibt vor, dass Ausführungen von solchen Patienten nur in Begleitung von zwei Personen erfolgen dürfen, und dass sie Handschellen tragen müssen. Ungeachtet der jeweiligen Einstufung gilt nach den Statuten des BKH ein völliges Alkoholverbot.

An diesem Tag entstand noch eine andere Aufnahme: der Dreifachmörder, der mit Hingabe die sündhaft teuren Modellautos im Auftrag der Haderthauers und deren Geschäftspartner baute, mit einem Kriminalbeamten und dessen damaliger Lebensgefährtin. Die Handschellen trägt er nicht, aber immerhin sind es diesmal zwei Begleitpersonen. Dieses Foto dokumentiert nicht nur die mehr als ungewöhnlichen Freizügigkeiten, die der Straftäter im Ansbacher BKH genoss, sondern auch ein geradezu bizarres Verhältnis.

Der entscheidende Tipp für die Aufklärung der Verbrechensserie des Mörders Roland S. kam zwar von den Kollegen aus Baden-Württemberg, die sich an einen ähnlichen Fall erinnerten. Der Mann von der Kripo gewann jedoch das Vertrauen des Mörders, der ihm noch einen weiteren Mord gestand. Aus dem gegenseitigen Vertrauen des ungleichen Paars wurde eine Freundschaft, die auch noch hielt, als der Dreifachmörder in die geschlossene Abteilung des BKH kam.

Dokumente der Klinik legen nahe, dass es vor allem zwei Personen waren, die dem psychisch kranken Straftäter eine Auszeit vom Klinikbetrieb verschafften: Hubert Haderthauer, der eine Zeit lang sein behandelnder Arzt war, ihn immer wieder zum Essen ausführte und mit ihm diverse Ausflüge unternahm, sowie der Kriminalbeamte, bei dem der hoch begabte Modellauto-Konstrukteur sogar viele Wochenenden verbrachte. Der Landtagsabgeordnete Arnold hat eine Anfrage an die Staatsregierung gestellt, inwieweit diese seltsame Beziehung die beruflichen Aufgaben des Kripobeamten berührten. Der will sich am Telefon nicht äußern, weil ihm die ganze Angelegenheit „eine Nummer zu groß“ sei.

Geschäftspartner Roger Poton mit einem Modell­auto der Firma.

Dem Dreifachmörder, der seit der Verlegung der Modellauto-Produktion im Jahr 2000 im BKH Straubing sitzt, ist seine Sonderstellung durchaus bewusst. „Ohne mich hätte die Produktion der Autos nicht funktioniert und ohne die Zustimmung von Haderthauer auch nicht“, beschreibt er das gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis, die Basis des Geschäftsmodells. Er stellt in dem Zusammenhang eine eher rhetorische, aber aus seiner Sicht verständliche Frage: „Hätte ich die Vergünstigungen von mir aus wohl ablehnen sollen?“

Christine und Hubert Hader­thauer wollen sich derzeit nicht äußern. Gegen beide laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Verdachts des Betrugs, gegen ihn auch noch wegen möglicher Steuerdelikte. Zu der Zeit, als die Fotos entstanden, war Christine Haderthauer Gesellschafterin der Firma, die die Modellautos bauen ließ.

hr

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