Neue Indizien belasten den Verdächtigen

Fall Herrmann: Werner M. (58) bleibt im Knast

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Werner M. bleibt in Haft.

Der mutmaßliche Entführer von Ursula Herrmann, die 1981 grausam in einer in den Waldboden eingegrabenen Holzkiste erstickte, bleibt in Haft.

Eine Strafkammer des Augsburger Landgerichts hat die Haftbeschwerde von Werner M. (58), der am 28. Mai an der Ostsee unter dringendem Tatverdacht verhaftet worden war, verworfen. Wie die tz erfuhr, stützte sich das Gericht bei seiner Entscheidung auf eine Vielzahl von Indizien, darunter sind neue Spuren.

Dazu gehört beispielsweise das Fernglas, das neben dem Fahrrad des verschleppten Mädchens gefunden wurde. Werner M., damals schon unter Tatverdacht, hat stets bestritten je ein Fernglas besessen zu haben. Erst jetzt in Untersuchungshaft, als ihm die Aussagen einer Nachbarin sowie seiner damaligen Lebensgefährtin und jetzigen Ehefrau präsentiert wurden, gab er den Besitz zu. Ohne plausibel erklären zu können, warum ihm dies all die Jahre entfallen war.

Anfang der 80er Jahre hegte Werner M., ein leidenschaftlicher Segler, konkret Pläne für eine Weltumseglung mit seiner Lebensgefährtin. Dies, trotz hoher Schulden von deutlich über 100 000 Mark. Mehrfach hatte der Gerichtsvollzieher in seiner „Fernsehklinik“ in Utting angeklopft. Gegenüber Bekannten soll Werner M. in jener Zeit öfters von seinem Traum gesprochen haben, „mit einem Schlag zwei Millionen zu machen“. Tatsächlich hatte der Erpresser nach der Entführung des Mädchens am 15.September 1981 ein Lösegeld von zwei Millionen Mark gefordert.

Die Ermittler der „SOKO Ursula Hermann“ gewannen auch neue Erkenntnisse, was das alte Grundig-Tonbandgerät betrifft, das im Oktober 2007 bei Werner M. bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt worden war. Ein Gutachten ergab, dass es sich aufgrund bestimmter Merkmale bei der Tonwiedergabe sehr wahrscheinlich um das Gerät handelt, mit dem der Erpresser vor 27 Jahren bei Anrufen das verabredete Erkennungszeichen – den Signalton von „Bayern 3“ bei Verkehrsdurchsagen – abgespielt hat.

Werner M., der seit einigen Jahren im schleswig-holsteinischen Kappeln ein Geschäft für Bootszubehör betreibt, will das Spulengerät erst am 14.Oktober vorigen Jahres auf einem Flohmarkt im Städtchen Beverungen an der Weser für 20 Euro erstanden haben. Zwar fand tatsächlich an diesem Tag in Beverungen ein Flohmarkt statt. Doch gibt es Zeugen, die sich selbst wegen des Ankaufs alter Tonbandgeräte dort umgesehen hatten. Schenkt man ihnen sowie befragten Ausstellern Glauben, sind an jenem Sonntag keine Tonbandgeräte zum Kauf angeboten worden.

Polizei und Staatsanwaltschaft verdächtigen außer Werner M. noch weitere drei Personen in den Entführungsfall „irgendwie“ verwickelt zu sein. So auch seine Ehefrau sowie ein inzwischen vom Ammersee nach Nordbayern verzogenes Ehepaar.

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Die Eheleute hatten Werner M. für die infrage kommende Tatzeit ein Alibi geliefert. Ebenso tat dies ein inzwischen verstorbener FDP-Lokalpolitiker, der in jungen Jahren in Frankreich bei der Fremdenlegion war. Gegen Tote kann kein Ermittlungsverfahren mehr eingeleitet werden. Gleiches gilt für einen weiteren Bekannten des 58-Jährigen, dessen sterbliche Überreste auf dem Waldfriedhof in Landsberg am Lech liegen. Dass die Ermittler nichts unversucht lassen, das Verbrechen aufzuklären, zeigt der 8.Februar dieses Jahres. Um sieben Uhr morgens gruben Friedhofsgärtner mit einem Bagger, beobachtet von mehr als einem Dutzend Kriminalbeamten und Staatsanwälten den inzwischen weitgehend verwesten Leichnahm aus. Für einen DNA-Vergleich mit am Kistengrab sichergestellten Spuren. Das Ergebnis war negativ. Damit die Aktion geheim blieb, hatte der Friedhof „wegen Baumfällarbeiten“ geschlossen.

P. Richter

Quelle: tz

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