Villa der Familie in Klingenberg abgebrannt

Der Fall Michel: Waren Satanisten am Werk?

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Das Grab der Anne liese Michel.

Klingenberg - Der fast 40 Jahre alte Fall der Anneliese Michel scheint Klingenberg nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Jetzt ist die Villa der Familie Michel abgebrannt - Brandstiftung!

Das düstere Haus mit dem großen Giebel, den braunen Fensterläden kennt in und um Klingenberg jeder. Es gehört den Michels, und im Anwesen nur 70 Meter weiter passierte es – damals im Jahre 1976. Dort wurde an der damals 23-jährigen Anneliese Michel über Monate hinweg ein Exorzismus durchgeführt. Bis das Mädchen starb. Die schreckliche Geschichte – sie ging um die Welt. Erst die letzten Jahre wurde es ruhiger um den Fall des angeblich vom Teufel bessessenen Mädchens. Bis jetzt! Denn nun brannte die Villa der Michels ab. Ein technischer Defekt, ein Kurzschluss? Nein, alles deutet auf Brandstiftung hin!

Wollte jemand gezielt den Ort vernichten? Vielleicht gar Satanisten? Tatsache ist jedenfalls: Der Brand wurde wohl im ehemaligen Sägewerk der Michels direkt neben der alten Villa gelegt – und das am 6.6.2013. Bei Teufelsanbetern ein wichtiges Datum – da die Quersumme der Jahreszahl 2013 auch Sechs ergibt – somit also die Ziffer 666 entsteht, die biblische Zahl für Luzifer. „Das wäre schon ein merkwürdiger Zufall“, erklärt ein Anwohner. Und es war nicht der einzige Anschlag auf das Eigentum der Familie Michel. Drei Wochen zuvor hatte es schon einmal gebrannt, in der gleichen Straße. Ein Feuer war in einer Garage der Familie gelegt worden – direkt gegenüber vom Friedhof, auf dem Anneliese beerdigt ist. Die Kripo glaubt, es könnten die gleichen Täter gewesen sein.

Der Tod der Studentin lässt die 6000-Einwohner-Gemeinde wohl nie zur Ruhe kommen. An ihr Leid erinnert heute noch eine kapellartige Gedenkstätte (direkt gegenüber des Sägewerks), die einst die Eltern für ihre Tochter errichteten. Alteingesessene erzählen, dass sie lange das Ziel von Pilgern war. Busweise reisten sie an, um das Grab der „Besessenen“ zu besichtigen oder das „Geisterhaus“ zu fotografieren, in dem das Mädchen mit nur noch 31 Kilogramm Körpergewicht während des quälenden Exorzismus regelrecht verhungerte (siehe Text unten). Und so überraschte auch die Reaktion des Bürgermeisters nicht, als er von nach dem Brand gefragt wurde: „Oh bitte, jetzt geht doch das nicht schon wieder los?“

Es wird wohl wieder „losgehen“. Besonders da im Internet schon weitere Thesen und Märchengeschichten über das Teufelshaus und die benachbarte Villa ausgetauscht wurden. So wollen manche nachts Schreie aus dem Gebäude gehört haben, andere Gestalten im Dunkeln gesehen haben. Zur Erklärung: Die Villa steht seit langem leer, niemand wollte dort mehr wohnen. Als die Eltern von Anneliese verstarben, sollte eine Suchtklinik in der Villa einen Platz finden. Alles Geschichte!

Die Polizei sucht nun die Brandstifter: Drei Jugendliche wurden gesehen am Tatabend, dunkel gekleidet waren sie. Und ein Grablicht wurde wohl benutzt, um das Feuer zu legen.

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Der Fall Anneliese Michel

Anneliese Michel (geboren 1952) kam aus einem erzkatholischen Elternhaus und war selbst tiefreligiös. Das hochintelligente Mädchen, das wegen Epilepsie Medikamente nahm, studierte nach dem Abitur in Würzburg Pädagogik. In den Jahren vor ihrem Tod aß Anneliese immer weniger, sie sprach dann vor ihrem Tod oft mit veränderter Stimme, fluchte und schrie. Zwei katholische Geistliche, Pater Arnold Renz († 1986) und Pfarrer Ernst Alt, deuteten dieses Gesamtverhalten als Besessenheit. 1976 führten sie mit Erlaubnis des damaligen Würzburger Bischofs Josef Stangl einen Großen Exorzismus bei der damals 23-Jährigen durch. Schließlich wog Michel, weil sie gar nichts mehr aß, nur noch 31 Kilogramm. Sie starb am 1. Juli 1976 an extremer Unterernährung. Zwei Jahre später wollte die die Staatsanwaltschaft die Bestrafung der Geistlichen wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung erwirken: Die Priester sollten eine Geldstrafe bekommen, Annelieses Eltern aber keine, sie seien schon genug gestraft. Der Richter folgte jedoch dem Antrag nicht, sondern verurteilte sowohl Eltern als auch Pater Renz und Pfarrer Alt zu je sechsmonatigen Haftstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

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