"Kannte Tathergangsszenario nicht"

Fall Peggy: Ermittler weist Vorwürfe zurück

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Der als Peggys Mörder verurteilte Ulvi K. (l) sitzt am 11.04.2014 während des Wiederaufnahmeverfahrens vor dem Landgericht Bayreuth (Bayern) im Sitzungssaal.

Bayreuth - Im neuen Prozess gegen den geistig Behinderten Ulvi K. wegen Mordes an der neunjährigen Peggy hat der frühere Chef-Ermittler ausgesagt, von einem Tathergangsszenario nichts gewusst zu haben.

"Dass ein solches Szenario erstellt wurde, ist mir selbst neu. Ich weiß erst seit einigen Wochen davon", sagte der Zeuge Wolfgang Geier am Freitag vor dem Landgericht Bayreuth.

Ulvi K. war im April 2004 als Mörder Peggys zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Eine Leiche des Mädchens wurde nie gefunden. Der Fall wird unter anderem neu aufgerollt, weil dem Gericht vor zehn Jahren nicht bekannt war, dass es eine Tathergangshypothese gab - es war dem späteren Geständnis von Ulvi K. verblüffend ähnlich.

Von der Hypothese will Geier erstmals aus Presseberichten "im Vorfeld des neuen Prozesses" erfahren haben. Er habe sich daraufhin seine alten Dienstaufzeichnungen besorgt. "Als diese Hypothese bei einer Besprechung erstellt worden sein soll, hatte ich Urlaub und war nicht im Dienst", erklärte er.

"Wir haben sehr viel Wert auf eine angenehme Verhörsituation gelegt"

Schon am Vormittag wies der Chef-Ermittler die Vorwürfe der Verteidigung, das Geständnis sei unter Druck zustande gekommen, zurück: "Wir haben sehr viel Wert darauf gelegt, eine angenehme Verhörsituation zu schaffen", sagte der Zeuge am Freitag vor dem Landgericht Bayreuth.

Die Verteidigung hatte beim Prozessauftakt am Donnerstag den damaligen Soko-Ermittlern Foltermethoden bei der Befragung von Ulvi K. vorgeworfen. Dagegen sagte Geier: "Der einzige, der ihn bei den Verhörterminen angeschrien hat, war sein eigener Rechtsanwalt."

Chef-Ermittler verteidigt Vorgehensweise

Geier verteidigte die Ermittlungen gegen Ulvi K.: Der Gastwirtssohn habe zuvor bereits Kinder sexuell missbraucht. "Und der Tatverdächtige hielt sich nachweislich in der Nähe des Marktplatzes auf, was er vorher bestritten hatte."

Film zeigt Tatrekonstruktion

Der Vorsitzende Richter Michael Eckstein ließ im Gerichtssaal einen Film vom Juli 2002 mit der Tatrekonstruktion der Ermittler zeigen. Ulvi K. ist darin auf einer Sitzbank am Marktplatz von Lichtenberg zu sehen. "Hier habe ich auf Peggy gewartet, um mich bei ihr dafür zu entschuldigen, was passiert ist", spricht er in die Kamera.

Als der Ermittler von ihm wissen will, was passiert sei, antwortet der Gastwirtssohn: "Ich war mit ihr im Bett. Die Peggy wollte das. Hinterher hat sie geweint." An einer Gummipuppe zeigt der damals 24-Jährige vor laufender Kamera, wie er Peggy getötet habe. "Ich habe danach Herz und Puls bei ihr gefühlt, sie mit Ästen abgedeckt und danach eine geraucht."

Ein Rechtsbeistand ist auf den Aufnahmen nicht an der Seite von Ulvi K. zu sehen. Nach den Angaben von Chef-Ermittler Geier hatte der Anwalt seinem Mandanten schon vorher die Anweisung gegeben: "Wenn Sie geholt werden, gehen Sie mit und machen auch alles mit." Diesen Satz habe der Jurist auch in sein Diktiergerät gesprochen.

Verteidiger: "Geständnis war reine Fantasiegeschichte"

K.'s neuer Verteidiger Michael Euler hatte am Donnerstag erklärt, das Geständnis von Ulvi K. sei eine reine Fantasiegeschichte gewesen. Er habe unter dem Druck der Verhörmethoden gestanden.

Der Fallanalytiker Alexander Horn erklärte im Zeugenstand, dass er für die Ermittler ein Tathergangsszenario entworfen hatte. "Ich sollte ein denkbares Szenario entwickeln, was mit Peggy passiert sein könnte." Der vom Bundeskriminalamt zertifizierte Experte kam zu dem Ergebnis, Peggy könnte missbraucht und vom Täter wenige Tage später getötet worden sein, um die Tat zu vertuschen.

dpa

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