Fall für den tz-Bürgeranwalt

Ärger um Fußballwette: Wann endet ein Spiel?

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Fred Mayr (li.), der auf ein Fußballspiel gewettet hat, und Bürgeranwalt Dietmar Gaiser.

München - Fred Mayr wendet sich an das Team des tz-Bürgeranwalts. Er wundert sich, dass er nach einer Fußballwette nichts gewonnen hat.

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Bei uns hat der Staat ein Wettmonopol. Damit soll der Wettsucht vorgebeugt werden. Ob das logisch ist, sei dahingestellt. Deswegen rüttelt die EU auch kräftig an den deutschen Gesetzen. Zumal sie durch das Internet und ausländische Wettanbieter ausgehebelt werden. Um so einen ausländischen Anbieter von Wetten geht es heute auf dieser Seite.

Bleiben wir aber bei der Rechtslage in Deutschland. Bei uns darf Hardcore-Glücksspiele wie Roulette und Lotterien nur der Staat betreiben. Eigentlich gilt das auch für Sportwetten. Aber da wird die Sache unübersichtlich. In der DDR waren Wetten auf Sportereignisse nämlich erlaubt. Und einige dieser Lizenzen sind heute noch gültig. Diese Lizenzen wurden von international operierenden Sportwettenanbietern aufgekauft und gleichen inzwischen einer Maschine zum Gelddrucken. Dazu kommt die Sache mit den Pferdewetten. Diese sind ausdrücklich erlaubt, denn Pferdewetten sind deutsches Kulturgut.

Wie groß das Geschäft mit Wetten ist, zeigen folgende Zahlen: Das Wettvolumen in Deutschland beträgt jedes Jahr rund vier Milliarden Euro, Tendenz steigend. In der Wettbranche sind 31 000 Menschen beschäftigt. Die private Wettbranche kämpft natürlich um eine Liberalisierung des Marktes und rechnet vor, dass das 70 000 Arbeitsplätze bringen könnte.

Dieses Geschäft hat also gigantische Dimensionen. Auch deswegen hat der Staat die Hand darauf. Allerdings hat eine strenge staatliche Aufsicht auch ihre Vorteile. Je unübersichtlicher der Markt wird, je mehr Wettangebote es vom Automaten bis zum Internet gibt, desto größer ist auch die Gefahr, dass halbseidene Geschäftsleute mitmischen.

Ihr Dietmar Gaiser

Wann endet ein Fußballspiel?

Wann ist ein Fußballspiel zu Ende – nach 90 Minuten oder nach einer Verlängerung? Mir ist Folgendes passiert: Ich habe in Rottach Egern an einem Automaten, der von einer österreichischen Firma betrieben wird, auf den Ausgang eines Spieles der Weltmeisterschaft gewettet. Mein Tipp war, das erste Tor fällt zwischen der 81. Minute und dem Ende des Spieles. Sie können sich vorstellen, wie ich mich freute, als tatsächlich in der Verlängerung das erste Tor fiel. Im Geiste sah ich mich schon 200 Euro reicher. Als ich aber mein Geld abholen wollte, zeigte mir der Automat „verloren“. Ich dachte, der Automat sei kaputt und fragte einen Angestellten. Der erklärte mir, Automatenwetten gelten nur für die reguläre Spielzeit von 90 Minuten, nicht für die Verlängerung. Auf meinem Wettschein steht aber ausdrücklich, die Wette gilt bis „Ende“. Was gilt nun?

Fred Mayr (69), Ex-Rennfahrer und Hotelkaufmann aus Rottach Egern

Die Antwort ist schwieriger als es im ersten Moment scheint. Es geht nämlich um drei Komplexe:

1. Waren die Geschäftsbedingungen, die das Ende definieren, leicht einsehbar?

2. Ist eine Formulierung in den Geschäftsbedingungen, die das Ende eines Fußballspieles auf 90 Minuten festlegt, rechtens?

3. Gilt in diesem Fall österreichisches oder deutsches Recht?

Die erste Frage beantwortet Tatjana Halm, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern, eindeutig: „Die Geschäftsbedingungen müssen in dem Lokal mit dem Automaten aushängen.“ Das taten sie nach Auskunft von Fred Mayr nicht.

Die zweite Frage ist schwieriger zu beantworten. Bei vielen Sportwetten an Automaten steht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, „das Spiel endet nach 90 Minuten“. Meist wird das auch auf dem Wettabschnitt vermerkt. Auf dem Wettschein von Fred Mayr steht aber nur, die Wette gilt bis „Ende“. Das kann man durchaus als das Ende nach der Verlängerung definieren.

Tatjana Halm: „Geschäftsbedingungen dürfen keine überraschenden Formulierungen enthalten, sonst sind sie angreifbar.“ Wenn also auf dem Wettschein „Ende“ steht, wäre es durchaus überraschend, wenn das Ende vor der Verlängerung definiert ist.

Die dritte Frage ist, ob in diesem Fall deutsches oder österreichisches Recht gilt. Der Rechtsanwalt Andreas Gritschneder gibt die eindeutige Antwort: „Natürlich gilt deutsches Recht, denn die österreichische Firma bietet ihre Wetten ja in Deutschland an.“

Fazit unserer Recherche: Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern und alle Juristen, denen wir den Fall vorlegten, sind einhellig der Meinung: „In dem vorliegenden Fall gilt nach unserer Meinung das Ende nach der Verlängerung. Aber entscheiden muss natürlich ein Gericht.“

Übrigens: Im Laufe unserer Recherchen wurde der fragliche Automat entfernt. Ein Zusammenhang ist natürlich rein zufällig.

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