"Die Mutter hat sich aufgeopfert"

Wende im Fall um eingesperrte Frau in Rosenheim?

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Die Spurensicherung im Gespräch mit Polizisten vor dem Wohnhaus in Rosenheim.

Rosenheim - Am Dienstag befreiten Polizisten in Rosenheim eine verwahrloste 26-Jährige aus einem abgesperrten Zimmer. Ihre Mutter hatte sich zuvor in die Tiefe gestürzt. Gibt es nun eine Wende in dem Fall?

Kurz nach der Befreiung einer geistig behindeten Frau (26) in Rosenheim stellt sich der Fall in völlig anderem Licht dar. So warnte die Staatsanwaltschaft vor Schuldzuweisungen gegen die Mutter Angelika E. (54). „Nach bisherigem Kenntnisstand ist es noch nicht sicher, ob zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für strafbare Handlungen vorliegen“, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz. Er sprach von einer menschlichen Tragödie. So hatte sich bereits der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag, geäußert.

Seine Kollegen hatten am Dienstag das verschlossene Zimmer der 26-Jährigen aufgebrochen, nachdem sich deren Mutter unmittelbar vor einer Zwangsräumung in die Tiefe gestürzt hatte. Die 54-Jährige liegt schwer verletzt im Krankenhaus, Tochter Nadine wurde in eine Klinik gebracht.

Im Gespräch mit der tz berichtet ein Bekannter, dass es nicht zu einer Zwangsräumung hätte kommen müssen, letztlich wohl der Auslöser der Verzweiflungstat. „Angelika hatte wohl eine Wohnung in Aussicht.“ Er spricht auch von einem „unsensiblen Vorgehens seitens der Behörden, die eine Familie zum 19. April hin hinaus haben will“. Die Räumungsklage hätten Bewohner angestrengt, die sich am Verhalten und damit verbundenen Geräuschen der an Autismus leidenden Tochter gestört hätten. Die Miete sei seiner Kenntnis nach nämlich immer überwiesen worden.

Hilfe wollte Mutter nicht in Anspruch nehmen

Angelika E., die sich seit dem Jahr 2008 alleine um die Tochter kümmerte, nachdem diese das HPZ (Heilpädagogisches Zentrum) verlassen hatte, opferte sich für die Familie auf. Angebotene Hilfe, seitens ihrer Geschwister wie auch von Freunden, wollte sie nie in Anspruch nehmen. Auch wenn sie ihrem Bekannten einmal gestand: „Jetzt weiß ich bald nicht mehr weiter.“

Rosenheim: Verwahrloste Frau befreit 

Der Mann wollte am Mittwoch die Mutter besuchen. Um ihr zweites Kind, einen 15-jährigen Schüler, kümmert sich eine Schwester von Angelika E. Der Jugendliche wohnte ebenfalls in der Oskar-Maria-Graf-Straße, in sehr beengten Verhältnissen. „Er schlief mit der Mutter im Wohnzimmer, das war am meisten aufgeräumt.“ Die Mutter selbst hat aber kaum ein Auge zugetan, „Nachts wurde Nadine unruhig und laut, Angelika hat oft nicht mehr als drei Stunden geschlafen.“ Eine Nachbarin sieht hier auch eine Frau vorverurteilt. Sie kenne Angelika E. nur als liebevolle Mutter – für beide ihrer Kinder.

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