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Sieben Millionen Euro in Bayern erbeutet: Die böse Bilanz der falschen Polizisten

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Telefon als Kostenfalle: Die Betrüger melden sich zunächst auf diesem Weg.
Telefon als Kostenfalle: Die Betrüger melden sich zunächst auf diesem Weg. © picture alliance/dpa / Sebastian Gollnow

Die Anrufe kommen vermeintlich von der Polizei. In Wirklichkeit ist am anderen Ende der Leitung jedoch ein Gangster, der es nur auf das Geld des Gesprächspartners abgesehen hat. Oft ist diese Masche erfolgreich.

München - Wenn das Telefon klingelt, im Display die 110 angezeigt wird, ist nicht die Polizei dran. Sondern ein Mann mit böser Absicht, selbst wenn er sich freundlich als Ordnungshüter vorstellt und dabei perfekt Deutsch spricht. Vorsicht, falsche Polizisten! Viele Menschen in Bayern sind in diesem Jahr auf diese Masche hereingefallen und haben in Stoffbeuteln und Tüten zusammen mehrere Millionen Euro an Betrüger übergeben. Geld, das sie nie wiedersehen werden.

Das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) beobachtet eine enorme Zunahme beim sogenannten Callcenter-Betrug. Dazu gehört die Masche mit falschen Bediensteten wie Polizisten, Rechtsanwälten, Notaren. Es müsse festgestellt werden, dass die Zahl der Vorgänge seit dem Jahr 2017 sehr stark angestiegen sei und 2018 im Vergleich zum Vorjahr nochmals zugelegt habe, sagte ein LKA-Sprecher.

Betrüger erbeuten in 75 Fällen zusammen sieben Millionen Euro

2017 wurden im Freistaat etwa 1000 solcher Fälle bekannt, in 75 davon waren die Betrüger erfolgreich. Sie erbeuteten dabei rund sieben Millionen Euro. Für das laufende Jahr liegen noch keine Zahlen vor. „Das ist eine von A bis Z durchorganisierte Betrugsmasche, die damit beginnt, dass von Callcentern unter anderem aus der Türkei und Osteuropa angerufen wird“, sagte Polizeihauptkommissar Michael Zimmer dazu.

Die Anrufe mit entsprechender Geräuschkulisse hätten gewissermaßen eine Dramaturgie, so der Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken. „Das sind perfekt Deutsch sprechende Mitarbeiter, die wissen, wie sie die Menschen gezielt beeinflussen und in Angst und Schrecken versetzen können.“

Angeblicher Räuber gefasst - mit Adresse des Angerufenen auf Zettel

In den meisten Fällen berichten die falschen Polizisten am Telefon davon, dass bei einem der letzten Raubzüge in der Nachbarschaft einer der Täter gefasst werden konnte. Dieser habe einen Zettel dabei gehabt, auf dem die Adresse des Angerufenen stand.

Die Täter werten für ihre skrupellose Masche gezielt das Telefonbuch nach Menschen mit älteren Vornamen aus. In „regelrechten Wellen“ würden dann Hunderte in kurzer Zeit angerufen.

Die fiese BKA-Masche

Ein Anrufer schüchtert sein Opfer damit ein, dass in der Türkei gegen es ermittelt werde. Eine Auslieferung stehe bevor. Dann wird dem Opfer gesagt, es solle sich an BKA-Chef Holger Münch wenden. Unter der angegebenen - falschen - Nummer erklärt nun ein weiterer Gangster, dass die Auslieferung gegen Kaution abgewendet werden kann. Und es wird Druck aufgebaut: Wer nicht zahlt, wird ausgeliefert!

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